Nu Pagadi - Your Dark Side - Cover
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Nu Pagadi Your Dark Side


  • Label: Cheyenne Records/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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1/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mutig war es mit Sicherheit für die Verantwortlichen der Casting-Show „Popstars 4“, als im Herbst 2004 entschieden wurde, dass die gecastete Band keine Popschnulzen wie die Vorgängerbands No Angels, Bro’Sis, Overground und Preluders vortragen werden. Und das Konzept ging auf; denn nachdem sich das Format zweimal wiederholt hat, wäre es beim dritten Mal garantiert nicht so erfolgreich gewesen, wie es nun ist. Raus kam die Band Nu Pagadi, was sich vom russischen Ausruf „nu pogodi“ (dt: Na warte!) ableiten lässt. Eine Band, die gar nicht konträrer zu den bisherigen Casting-Ergüssen sein könnte. Musikalisch zwischen den ganzen Oompf!s, Rammsteins und Evanescences dieser Tage, bilden sie den kitschigen Höhepunkt: Felle statt Kleidung, böse Texte, psychotische Schreie; ja, Nu Pagadi sind von Grund auf böse. Fragt sich, wieso dann ein so poppiges Lied wie „Scratching The Ceiling Of The World“ das Image ankratzt. Vermutlich wäre der Song die Imagekorrektur gewesen, wenn „Sweetest Poison“ nicht in die Charts gegangen wäre.

Als ob das nicht genug böses Image wäre, vertraut man auf die robuste und kantige Art der deutschen Sprache und arbeitet in der Hälfte der Songs mit deutsch-englischen Songs. Deutscher Vers, englischer Refrain, kommt einem das nicht bekannt vor? Richtig und auch vom lyrischen Niveau könnte es sich um die bösen Zwillingsbrüdern- und Schwestern zur „Band ohne Namen“ handeln! Dabei ist Lukas Hilbert für die Texte verantwortlich, der Mann, der mit „Für dich“ von Yvonne Catterfeld einen Text à la „Flugzeuge im Bauch“ geschrieben hat. Aber so was kann er wohl auch nicht immer. Uninspirierende Texte, die über langweile 08/15-Gitarrenriffs gesungen werden, meist noch mit einem Gesang, wie man ihn aus der Mitte der 80er Jahre kennen und hassen gelernt hat („Hellfire“). Songs mit den Titel wie „Flesh for Fantasy“ oder „Moonlight Pogo“ muss man gar nicht erst anhören, um zu wissen, dass sie scheiße sind. Wenn man es allerdings doch tut, fühlt man sich zwischen Bestätigung und Langeweile.

Ohne Skrupel versucht man bei der Billy-Idol-Coverversion „Flesh For Fantasy“ nicht nur den Gesang des Originals zu imitieren. An den Charme kommen sie noch viel weniger ran. Erst ein Song wie „Long Way“ mit einer netten Gesangslinie und netten musikalischen Untermalung muss kommen, um das Album aufzuwerten, aber leider freut man sich zu früh, denn spätestens beim Refrain möchte man weiterschalten. Getan – aber keine Besserung, bei Zeilen wie „friss Dreck“, die zudem noch so aufgesetzt wirken, macht das Hören langsam wirklich keinen Spaß mehr, es wird zu einer Qual, zumal auch die Musik eigentlich immer die gleiche ist. Über die gesanglichen Qualitäten besonders der männlichen Fraktion lässt sich streiten. Eigentlich stolpern Markus und Patrick (was für von Grund auf böse Namen!) verbal durch die Lieder und dürfen sich setzen, wenn Doreen und Kristina, außer ihrem Sirenengejaule und ihrem Rumwackeln, mal singen dürfen, um sich in die Herzen von 10- bis 12-jährigen Jungs zu singen, bis diese ihre wahren Helden für sich entdecken haben. Bei älteren Fans dieser Gruppierung kann man schon geistige Umnachtung beim Hören dieser Klingelton-Hymnen diagnostizieren.

Freunde von Statistiken werden sich an diesem Album besonders freuen, so können sie doch unzählig viele Aufzählungen veranlassen: 38% aller Lieder fangen mit einem Klaviersound an, 23% fangen mit Riffs an, 77% sind zweisprachig, 11% der Lieder sind gut (das sind 1,5 von 13), weil zum Ende doch noch ein erträgliches Lied auftaucht. Die zweite Single „Dying Words“ versucht wenigstens noch die Band nicht einfach bloß als Lachnummer darzustellen. Mit Streichern, die gegen die Drums und Gitarre ankämpfen wirkt zwischenzeitlich sogar richtig gut. Der Refrain ist der erste des gesamten Albums, der wirklich gut ist und nicht aufgesetzt wirkt. Und so rettet dieser Song die Bewertung des Albums um einen Punkt.

Anspieltipps:

  • Long Way
  • Dying Words
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