Adler´s Appetite - Adler´s Appetite - Cover
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Adler´s Appetite Adler´s Appetite


  • Label: Arrogant Bastard LTD.
  • Laufzeit: 22 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist doch immer interessant zu beobachten, wie sich die Dinge im Laufe eines Lebens wiederholen. In diesem Fall lautet das Stichwort: Guns ’N Roses. Die Mega-Rockband der späten 80er, frühen 90er Jahre, verbreitete um sich herum regelmäßig totales Chaos, sodass der geflügelte Begriff „Sex, Drugs & Rock ’n Roll“ völlig neu definiert werden musste. Sänger Axel Rose war von allen Gunners sicherlich die größte Diva. Allerdings auch derjenige, der mit dem größten Songwritertalent gesegnet war. Die Betonung liegt auf „war“, denn nach der Auflösung der Ur-Gunners, liegt das Nachfolgewerk „Chinese Democracy“ bereits seit Ewigkeiten auf Eis und wartet auf die Veröffentlichung, der von Jahr zu Jahr immer weniger Ex-„Guns ’N Roses“-Fans entgegensehnen.

Der Kreativstau des exaltierten Frontman hat sich allerdings nicht auf seine ehemaligen Kollegen übertragen, die seit gut 10 Jahren mit ihren Leistungen mehr oder weniger glänzen. So brachten die Gitarristen Gilby Clarke und Izzy Stradlin regelmäßig Soloalben auf den Markt, die sich aber nur in Japan einigermaßen verkaufen. Clarke brachte bisher fünf CDs heraus. Die erste 1994, die vorerst letzte 2002. Stradlin veröffentlichte sein Debüt 1992 und das bisher letzte Werk im Jahr 2002. Lead-Gitarrist Slash konnte mit Slash’s Snakepit zumindest auf zwei CDs kurzfristig überzeugen. Bassist Duff McKagan vertrieb sich die Zeit mit Weiterbildung, Drogenentzug, als Solist („Believe In Me“, 1993) und in verschiedenen Bands (Neurotic Outsiders und The Outpatience), während Drummer Matt Sorum erst bei den Neurotic Outsiders und dann wieder bei The Cult anheuerte, die Band, bei der Sorum vor GNR beschäftigt war.

Matt Sorum kam 1991 zu den Gunners, weil sein Vorgänger Steven Adler wegen exzessiven Drogenkonsums gefeuert wurde. Adler tauchte für viele Jahre für die breite Öffentlichkeit völlig unter, meldet sich aber Anfang 2005 mit dem Projekt Adler’s Appetite zurück. Seine Ex-Kollegen Matt Sorum, Slash und Duff McKagan machen derweil als Velvet Revolver von sich Reden und versuchen zumindest ansatzweise, die übergroßen Fußstapfen der Gunners auszufüllen.

Erstes Lebenszeichen der Adler ist eine im November 2004 aufgenommene, selbstbetitelte 6-Track-EP mit vier eigenen Songs und den Coverversionen „Draw the line“ (Aerosmith) und „Hollywood“ (Thin Lizzy), das für das ursprünglich geplante „Hanoi Rocks“-Cover „Obscured“ auf die Scheibe genommen wurde. Der 22-Minüter wurde in der Besetzung Steven Adler (Drums), Jizzy Pearl (Vocals, Ex-Ratt, Ex-Love/Hate), Keri Kelli (Gitarre, Ex-Slash’s Snakepit) und Robbie Crane (Bass, Ex-Vince Neil Band) eingespielt und ist vorerst nur auf den Konzerten von Adler’s Appetite und über die Bandhomepage zu beziehen.

Noch vor den Aufnahmen der EP verzichtete die Band übrigens auf den zweiten Gitarristen Brent Muscat (Ex-Faster Pussycat). Und auch Sänger Jizzy Pearl hat die Band inzwischen wieder verlassen. Gründe wurden nicht genannt. Vielleicht lag es an den chaotischen Vorgängen rund um das Merchandise von Adler’s Appetite, das die Herrschaften in Eigenregie über ihre Webseite verkaufen. Denn als die Gruppe Anfang Februar 2005 auf US-Tour ging, wurde kurzerhand das gesamte Merchandise-Material mitgenommen und der Web-Shop für fast zwei Monate lahmgelegt. Diesem lagen aber bis dahin schon massenhaft CD- und T-Shirt-Bestellungen vor, die per Vorkasse getätigt werden mussten. Doch im Hause Adler’s Appetite rührte sich nichts. Die Käufer erhielten weder eine Auftragsbestätigung, noch einen Zwischenbescheid.

In der Zwischenzeit hatte sich die geprellt fühlende Menge im Internet Forum der Bandhomepage ordentlich Luft gemacht und der Band mit etwas mehr als nur Liebesentzug gedroht. Erst nach Rückkehr von der US-Tour konnte „der Mob“ beruhigt werden. Gitarrist Keri Kelli übernahm die Leitung des Shops und sorgte für einen zügigen Versand der bestellten Artikel. Aus diesem Grund erscheint die Besprechung der Adler’s Appetite EP erst jetzt – viele Wochen nach dem Release.

Doch das Warten hat sich gelohnt. Die Jungs zelebrieren waschechten, ungehobelten LA Sleazerock, wie ihn Guns ’N Roses zu Beginn ihrer Karriere gespielt haben. Zwar beginnt die EP ausgerechnet mit dem schwächsten Song („Suicide“), der vom kompositorischen Grundgerüst an den No-Angels-(!)-Song „Let’s go to bed“ erinnert. Doch danach folgen mit „99“, „Empty“ und „Hollywood“ drei echte Kracher, die auch auf „Appetite For Destruction“ oder „GN`R Lies“ gepasst hätten. „99“ ist ein treibender Rocker im „Nighttrain“-Stil, „Empty“ eine schwungvolle Halbballade zum gepflegten Feuerzeugschwenken und „Hollywood“ ein grollender Dampfhammer, der mit der Fake-Gesellschaft der Filmmetropole abrechnet. Mit „Little dancer“ gibt es noch eine passable Straßenballade und als Rausschmeißer den Aerosmith-Klassiker „Draw the line“, mit den Adler’s Appetite tatsächlich Appetit auf ein Album machen. Mal schauen, welche Plattenfirma sich traut, die wilden Rocker unter Vertrag zu nehmen.

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