The Cardigans - Super Extra Gravity - Cover
Große Ansicht

The Cardigans Super Extra Gravity


  • Label: Stockholm Records/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 41 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Es passt (wieder) alles perfekt zusammen, was die Schweden auf „Super Extra Gravity“ fabriziert haben.

Mit ihrem Album „Long Gone Before Daylight” haben die Cardigans vor gut 2½ Jahren einen Meilenstein der modernen Popmusik geschaffen. Das Songwriting bestach durch großartige Melodien und einer unglaublich homogenen Stimmung aus mystischer Poesie und kitschfreier Traurigkeit. Weiterhin begeisterte die Platte mit einem „warmen“ Analogsound und der entsprechenden Instrumentierung im Stile der 60er und 70er Jahre. Damit waren die Cardigans nicht nur ganz weit weg vom einstigen Easy-Listening-Image ihrer ersten drei Alben, sie hatten auch dem starken Vorgänger „Gran Turismo” (1998) noch eins draufgesetzt.

Solch einen Quantensprung in Stil und Sound darf der Hörer vom neuen Album „Super Extra Gravity“ nicht erwarten. Die Band setzt genau da an, wo sie mit „Long Gone Before Daylight” aufgehört hat. Allerdings bekam der gediegene Klang des Vorgängers ein paar scharfe Kanten hinzu, die auch das sechste Album von Nina Persson (Vocals), Peter Svensson (Gitarre), Bengt Lagerberg (Drums), Magnus Sveningsson (Bass) und Lasse Johansson (Keyboards) zu ein eigenständigen Stück Musik machen. Schließlich wollten die Cardigans dasselbe Album kein zweites Mal aufnehmen.

Die Arbeiten an „Super Extra Gravity“ begannen direkt nach der strapaziösen Welttournee zur letzten CD. In der Zwischenzeit waren die drei Herren der Band allesamt Vater geworden, wodurch das Songwriting umgestellt werden musste. Anstatt langwieriger Studioaufenthalte wurde nun in Etappen gearbeitet. Auf zwei Wochen im Studio folgte eine Woche Pause. Um die Deadline der Plattenfirma einzuhalten, waren die Cardigans deshalb gezwungen, disziplinierter und spontaner ans Werk zu gehen. Überraschenderweise hat ihnen dabei Produzent Tore Johansson geholfen, der bei „Long Gone Before Daylight” auf halber Strecke ausgestiegen war und durch Per Sunding ersetzt wurde. Johansson arbeitete bereits an der ersten vier Alben der Cardigans mit und kennt den Stil der Band wohl am besten, auch wenn es im Studio nicht immer ganz stressfrei zwischen Band und Producer zugeht.

Da Tore Johansson den Vorgänger immer noch nicht mag, wurde das Streben nach Perfektion und der Herstellung eines gut produzierten, zeitlosen Albums durch einen gefährlicheren, weniger vorhersehbareren Sound ersetzt. Die Idee der Gruppe war, dass jeder Song etwas Verschrobenes in sich haben sollte – jedoch nicht auf Kosten des Hitcharakters. Die Songs sind fokussierter und mitunter deutlich rockorientierter. Dennoch haben die Schweden nichts von ihrer schaurig-schönen Melancholie eingebüßt. Und so startet das Album mit der herzzerreißenden Ballade „Losing a friend” – ein wahrlich ungewöhnlicher Einstieg und zugleich eines der Highlights des Albums, bei dem Nina Persson gesanglich und lyrisch zur Höchstform aufläuft: „I’m fickle and I’m vain and you trick me over and over again. And now I’m losing you and it’s killing me, it’s the strings that I tie. I would rather just die, go to hell and crawl back, than let it all go. my mistake to lose you“.

Im (für Cardigans-Verhältnisse) krachenden Rocksong „Godspell” geht Nina darauf ein, wie Religion das Opium der Massen sein kann. Mit polternden Drums und einem herrlichen schrägen Gitarrensolo überraschenden die Schweden dabei als Mando-Diao-Nachahmer. „Drip drop teardrop“ kommt nicht weniger rau daher und stellt sich als kantiger Folkrocker heraus. „Overload“ ist ein sehnsüchtiger Schunkler, dem die erste Singleauskopplung „I need some fine wine and you,y ou need to be nicer“ folgt. Der Song legt ein treibendes Tempo vor, rumpelt und kracht, während Nina Persson bissig austeilt: „Sit, good dog, down, bad dog, roll over! Well, it’s been a long, slow collision. I’m a pitbull, you’re a dog. Baby, you’re foul in clear conditions, but you’re handsome in the fog…”. Und dann blafft sie zum Schluss noch mal ein „Sit!” heraus, dass man(n) ganz eingeschüchtert in Deckung gehen möchte.

„Don’t blame your daughter (Diamonds)” ist eine dieser wunderbar traurigen Cardigans-Balladen mit einem Text zum Dahinschmelzen. In „Little black cloud“ lassen sich die Schweden zu einem vertrackten Rhythmus treiben, während dass Bassspiel „In the round“ auf Magnus Sveningsson’s Indie-Wurzeln verweist. „Holy love“ wird von Lasse Johansson’s sakralem Orgelspiel und der krachenden Gitarre Peter Svensson geleitet, bis Frau Persson in „Good morning Joan“ wieder das Zepter übernimmt und einen grandiosen Singalong aus dem Hut zaubert.

Es passt (wieder) alles perfekt zusammen, was die Schweden auf „Super Extra Gravity“ fabriziert haben. Sie sind nicht auf Nummer sicher gegangen, indem sie eine Kopie des Vorgängers abgeliefert haben. Vielmehr legen sie mit ihren neuen Songs elf würdige Nachfolger der meisterlichen „Long Gone Before Daylight”-Stücke vor. Das verdient unseren Respekt!

Anspieltipps:

  • Godspell
  • Holy love
  • Losing a friend
  • Good morning Joan
  • I need some fine wine and you, you need to be nicer
Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
Diskutiere über „The Cardigans“
comments powered by Disqus