Brendan Benson - The Alternative To Love - Cover
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Brendan Benson The Alternative To Love


  • Label: V2/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Alternative To Love“ - von Benson einmal mehr komplett in Eigenregie aufgenommen und produziert - kann zu keinem Zeitpunkt an vergangene Großtaten anknüpfen.

Eine halbe Ewigkeit ist es schon wieder her seit Brendan Benson 2002 sein formidables Meisterwerk „Lapalco“ veröffentlichte. Drei Jahre später meldet er sich nun mit einem neuen Album zurück. Leider ist „The Alternative To Love“ aber nicht der erhofft große Wurf des Alleskönners aus Detroit.

Trotz seiner jungen Jahre hat Brendan Benson schon einiges im Musikgeschäft erlebt. 1996 bringt der in Detroit geborene und in Lousianna aufgewachsene Benson sein Debüt „One Mississippi“ heraus. Obwohl die Kritiker von seiner Songwriter-Mixtur aus Sixties-Größen (Beatles, Beach Boys) und Indie-Helden der Neunziger (Weezer, Pavement) angetan sind, liegt das Album wie Blei in den Verkaufsregalen und sein damaliges Label Virgin setzt ihn vor die Tür. Sechs Jahre und einige Selbstzweifel später kehrt Benson über den Umweg Kalifornien nach Detroit zurück, um mit einer neuer Plattenfirma erneut sein Glück zu versuchen. Das wunderbare „Lapalco“ erscheint, hat aber gegen die gerade beginnende Rückkehr des Rock mit Bands wie den White Stripes, Strokes oder Libertines nicht den Hauch einer Chance. Und das, obwohl die zwölf Songs seiner zweiten Platte einen ganz eigenen Entwurf von Rock´n Roll präsentieren. „Lapalco“ ist süßlich und knackig, melancholisch und witzig, verträumt und düster, Hochglanz und Lo-Fi zugleich. „Good To Me“, neben dem sarkastischen „Metarie“ einer der besten Songs des Albums, wurde folgerichtig auch von den White Stripes auf der B-Seite ihrer endgültigen Durchbruch-Single „Seven Nation Army“ gecovert. Kurzum: „Lapalco“ ist großartig, beinahe konkurrenzlos und hat sich bis heute tief ins Gedächtnis gegraben!

Mit dem federleichten Rocker „Spit It Out“ beginnt „The Alternative To Love“ dann auch genau so, wie man sich den neuesten Streich aus dem Hause Benson gewünscht hatte. Die Singleauskopplung besticht durch eine Melodie, die einem so schnell nicht mehr aus dem Kopf geht, angenehm unaufgeregte Gitarren und nette Tempowechsel. Doch dieses Niveau kann Brendan Benson nicht über das gesamte Album halten. Über die volle Distanz verliert sein Power-Pop enorm an Kraft und Finesse. Zu ziel- und einfallslos schlingert er zwischen College- und Indiepop, Sixties-Gute-Laune-Musik und Singer/Songwritertum hin und her. Zwischen den immergleichen lärmend-heulenden Gitarren, dem dominanten Schlagzeug und den sich wiederholenden Laut/Leise-Wechseln wird eines allzu deutlich: Auf „The Alternative To Love“ fehlt jenes Überangebot an lieblichen Melodien und Einfällen wie es noch den Vorgänger auszeichnete. Es ist zuviel Beliebigkeit und Halbgares auf dieser Platte versammelt, weswegen die meisten Titel weit unter dem Level früherer Benson-Stücke liegen. Einige Ausnahmen: „Cold Hands (Warm Heart)“ – eine von der Akustikgitarre getragene Midtempo-Nummer über das unausweichliche Ende einer Beziehung (We´ve got to end it before it´s to late and the love that is left turns quickly to hate) oder das mit countryesk heulenden Gitarren daher kommende “The Pledge”. Auch das Songwriter-Stück „Them And Now“ ragt aus dem restlichen Mittelmaß heraus.

Trotz dieser Lichtblicke überwiegt letztlich die Enttäuschung. „The Alternative To Love“ - von Benson einmal mehr komplett in Eigenregie aufgenommen und produziert - kann zu keinem Zeitpunkt an vergangene Großtaten anknüpfen. Bis Brendan Bensons lang erwartetes Album mit Kumpel Jack White (White Stripes) herauskommt, sind die Alternativen zu „The Alternative to Love“ klar: An dem meisterhaften Vorgängeralbum „Lapalco“ oder den letzten beiden Platten von Ben Kweller wird man mehr Freude haben.

Anspieltipps:

  • Spit It Out
  • The Pledge
  • Them And Me
  • Cold Hands (Warm Heart)
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