Foo Fighters - In Your Honor - Cover
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Foo Fighters In Your Honor


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 84 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch wenn sich Dave Grohl wie ein Schneekönig über sein Konzept und die Vielzahl berühmter Gäste freut, bleibt „In Your Honor“ doch ein stinknormales, typisches Foo-Fighters-Werk.

2005 ist das Jahr der Doppelalben. Egal ob zusammen oder getrennt veröffentlicht, die Damen und Herren Künstler machen heuer – bis auf eine Ausnahme – keine Kompromisse. Lediglich die Rüpel von Oasis, die ebenfalls genügend (angeblich) hochklassige Songs für ein Doppelalbum geschrieben hatten, zogen ihren Plan wieder zurück, weil sie ihrem demnächst Ex-Label Sony Music nicht mehr Songs als nötig überlassen wollten. Doch ehe man sich versieht, steht schon der nächste Doppeldecker in den Regalen. Denn nach Nena („Willst du mit mir gehen“), System Of A Down („Mezmerize / Hypnotize“), Eels („Blinking Lights And Other Relevations“), Ryan Adams („Cold Roses“) und Shakira („Fijacion Oral Vol. 1 / Oral Fixation Vol. 2“) veröffentlichen jetzt auch die Foo Fighters mit „In Your Honor“ eine auf zwei CDs („One loud. One not so loud“) verteilte Songkollektion. Fan-Herz, was willst du mehr?

Die Foo Fighters wurden vor etwas mehr als zehn Jahren von Ex-Nirvana-Drummer Dave Grohl aus der Taufe gehoben. Er tauschte die Drumsticks gegen Gitarre und Mikrophon und spielte das Debütalbum „Foo Fighters“ (1995) im Alleingang ein. Dennoch entschied sich Grohl später für eine Bandbesetzung, die aber schon die nächste Produktion „The Colour And The Shape“ (1997) nicht überleben sollte. Pat Smear (Gitarre) und William Goldsmith (Drums) verließen die Band. Dabei befand sich die Gruppe auf einem sensationellen Höhenflug mit Singlehits wie „Monkey wrench“, „Everlong“, „My hero“ und „Walking after you“. Mit Gitarrist Chris Shiflett, Drummer Taylor Hawkins, Bassist Nate Mendel und Dave Grohl an Gitarre und Mikro wurden nach einem Labelwechsel die Alben „There Is Nothing Left to Lose“ (1999, zwei Grammy-Auszeichnungen) und „One By One“ (2002, ebenfalls zwei Grammy-Auszeichnungen) eingespielt. Letzteres entpuppte sich als bisher schwächstes Foo-Fighters-Werk, weil Dave Grohl nicht mehr richtig bei der Sache war. Er spielte auf dem bahnbrechenden „Queens Of The Stone Age“-Album „Songs For The Deaf“, ging mit den Queens auf Tour, stellte danach das Retro-Metal-Projekt Probot auf die Beine und fand zuletzt auch noch Zeit, auf dem letzten „Nine Inch Nails“-Album zu trommeln.

Trotzdem hat es zu einem weiteren Album der Foo Fighters gereicht. Im kalifornischen Northridge im San Fernando Valley hat sich Dave Grohl den Traum vom eigenen Studio verwirklicht. Auf 8.000 (!) Quadratmetern residiert der Ausnahmedrummer seit einiger Zeit im neu erbauten „Studio 606“, wo auch das neue FF-Werk „In Your Honor“ entstand. Dieses war von Beginn an als Doppelalbum konzipiert, weil der Chef einfach mal was Neues ausprobieren wollte. Mit Produzent Nick Raskulinecz zerlegten die Foo Fighters ihren Sound in seine Bestandteile. Harte Rockmusik auf der einen Seite, melodisch, akustische Tracks auf der anderen. Für die Aufnahmen der Rocksongs brauchten die Vier fast ein Vierteljahr. Die ruhigen Stücke gingen dagegen in wenigen Wochen von der Hand, obwohl sich auf dieser Disc jede Menge Gaststars die Türklinke in die Hand gaben. Die Jazz-Pop-Megasellerin Norah Jones singt und spielt Piano auf „Virginia moon“, Allround-Talent Danny Clinch spielt Mundharmonika auf „Another round“, Nick Raskulinecz spielt Bass auf „On the mend“, Petra Haden spielt Geige auf „Miracle“, Josh Homme (Queen Of The Stone Age) liefert sich auf „Razor“ ein Gitarrenduell mit Dave Grohl und John Paul Jones (Led Zeppelin) spielt auf „Miracle“ Piano und zupft auf „Another round“ die Mandoline. Zu guter Letzt tauschten auch die Foo Fighters die Rollen. Bei „Cold days in the sun“ singt Taylor Hawkins, Dave Grohl spielt Schlagzeug und Nick Raskulinecz bedient den Bass.

Auch wenn sich Dave Grohl wie ein Schneekönig über sein Konzept und die Vielzahl berühmter Gäste freut, bleibt „In Your Honor“ doch ein stinknormales, typisches Foo-Fighters-Werk mit harten Rocksongs und Balladen – mit dem Unterschied, dass beide Songarten voneinander getrennt wurden. Eine Maßnahme, die in Anbetracht der Spielzeit von knapp über 80 Minuten nicht unbedingt nötig gewesen wäre. Ein Song weniger und die Stücke hätten problemlos auf eine CD gepasst. Zudem sind die Lieder auf CD Nummer 1 ganz gewiss nicht „die Härtesten in der Geschichte der Foo Fighters“, wie uns Herr Grohl weiß machen will. Aber so macht das Ganze natürlich wesentlich mehr her.

So finden wir unter den ersten zehn Tracks viele klassische FF-Hymnen wie „In your honor“ oder die wahrhaft großartigen Titel „Best of you“ und „No way back“. Damit fällt die erste Scheibe insgesamt gefälliger aus, als die Akustiksammlung auf CD Nummer 2. Diese zieht die Gesamtwertung um ein bis zwei Punkte runter, weil das Songwriting im Vergleich einfach schlapp wirkt und der Verdacht eines Schnellschusses nahe liegt, um das geplante Konzept bis zur Deadline auf die Kette zu bekommen. Sei’s drum. Der Foo-Fighters-Fan wird sich sicher wie Bolle über gleich 20 neue Songs seiner Helden freuen – auch wenn Klasse statt Masse immer noch oberste Priorität genießen sollte, gelle Dave?

Anspieltipps:

  • Resolve
  • Miracle
  • Free me
  • No way back
  • Virginia moon
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