Savoy Grand - People And What They Want - Cover
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Savoy Grand People And What They Want


  • Label: Glitterhouse/INDIGO
  • Laufzeit: 67 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt sie auch heute noch – die Langsamkeit in der kunstvollen Popmusik, wie sie einst Talk Talk auf „Spirit Of Eden“ geprägt haben. Als Referenz werden die Mannen um Mark Hollis auch heute noch genannt, wobei es aktuelle Formationen mindestens genauso gut und fragmentarisch zart schaffen, mit den gewöhnlichen Songstrukturen zu brechen und zeitlose Schönheit aus Musik zu formen. Savoy Grand aus Notttingham gehören ohne Zweifel dazu und die Band um Sänger und Songschreiber Graham Langley wusste schon in ihrem Gründungsjahr 1997 mit ihrer Debüt 7“-Single „The Moving Air“ wie man Musikkritiker und Fans vor unfassbarem Glanz in den Tönen erstarren lässt. Ein Jahr später erschien das Mini-Album „Dirty Pillows“, welchem das MOJO Magazin genug Ehre erwies und es schlicht und ergreifend mit Größen wie Soft Machine und oben erwähnten Mark Hollis verglich und demzufolge „Dirty Pillows“ zu Füßen lag, wie nicht wenige andere im Vereinten Königreich auch. 2001 kam auch das Festland Europas durch die Wiederveröffentlichung der beiden Werke bei Glitterhouse Records auf den Geschmack und war nicht minder verzückt. „Burn The Furniture“ (2002) als erster Longplayer sowie die EP „The Lost Horizon“ (2004) markieren das bisherige Schaffen Savoy Grands und werden 2005 um das zweite Fulllength-Album „People And What They Want“ ergänzt. Das Duo Langley/O´Riordan lud sich verschiedene Musiker aus Notthingham in das First Love Studio (Notthingham) und nahm mit Producer Mark Spivey ein graziöses, tiefgehendes Album auf, welches schon jetzt als zeitlos gewürdigt werden kann.

Gemächlich erklimmen spärlich gezupfte Gitarren und zarteste Instrumentierungen voller Schwelgerei den Song, der niemals endet. 8 Songs sind auf diesem Werk enthalten, doch das Album benötigt keine Unterteilungen und Namen. Es steht für sich, schmiegt sich ganz nah an den Hörer, lässt ihn teilhaben an melancholischen, jedoch nie hoffnungslosen Wohlfühlmomenten, in denen Graham Langley mit seiner Stimme großen Anteil an der Pracht hat. Schwermütig und sympathisch zeigt sich ehrliche Ergriffenheit in seinen Vocals, die ihn bis zu bitterer Traurigkeit führt, so dass man zutiefst berührt jedes Wort in sich aufsaugen möchte. Trotz musikalischer Zerrissenheit ist der rote Pfaden und die Melodie nie verschwommen oder destruktiv. Im knapp 12-minütigen „It Fell Apart“ sind es Drums, die majestätisch und mitunter ein wenig unheilvoll die ansonsten eher von Gitarren und diversen Saiteninstrumenten geprägte Melancholie öffnen und Paukenschlägen ähneln, ohne den träumerischen Eskapismus zu stören. Die Violine in „Last Word Before Sleep“ betört den Hörer und spätestens jetzt ist man eingebettet in samtene Kleider, die entrückt und gleichermaßen persönlich die Seele ummanteln. Nach allerlei akustischem Instrumentarium wird es im letzten Song „Recovery Positions“ elektronisch. Im weitesten Sinne mit Trip Hop zu umschreiben, sind die Beats tropfenartige Gebilde, die noch einmal aufhorchen lassen und mit Zurückgezogenheit die einzigartige Slow Motion-Atmosphäre Savoy Grands bestens unterstreichen. Schweren Herzens erreichen die Herren aus Nottingham das Ende dieser Platte und geben dem inbrünstig lauschenden Hörer eine CD mit auf den steinigen Weg, die alle Register zauberhafter, erhabener Musik zieht und mit ihren bittertraurigen Epen einfach nur glücklich macht.

Anspieltipps:

  • Change Is An Engine
  • Last Word Before Sleep
  • Recovery Positions
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