The Frames - Burn The Maps - Cover
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The Frames Burn The Maps


  • Label: Anti Records
  • Laufzeit: 56 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Schlicht und ergreifend exzellente Emo-Popsongs im Radiohead-Stil zu „OK Computer”-Zeiten.

Mit einiger Verspätung erscheint im Februar 2005 das achte Album der irischen Emo-Folkrocker The Frames in Deutschland. „Burn The Maps“ heißt das Werk, über das sich die irischen Plattenkäufer schon seit September letzten Jahres freuen können. Denn mit ihrem fünften Studioalbum ist der Band aus Dublin ein absolutes Meisterwerk gelungen, das in einem Atemzug mit Radioheads „OK Computer“ (1997) genannt werden muss.

Das Quartet um Songschreiber und Texter Glen Hansard (auch bekannt aus dem Kultfilm „The Commitments“) legt vier Jahre nach dem gefeierten „For The Birds“-Album, zwei überbrückenden Live-CDs („Breadcrumb Trail“ und „Set List“) sowie einer Outtakes-Sammlung („The Roads Outgrown“), endlich neues Songmaterial vor, das wie eine emotionale Wellenlandschaft aus himmelhochjauchzenden Höhen und melancholisch düsteren Tiefen über den Hörer hereinbricht. Ein Sound, der irgendwie zum Karriereverlauf von The Frames passt. Denn da lief so einiges schief. Ständig wechselnde Besetzungen und bei jeder Veröffentlichung ein anderes Plattenlabel als Partner zerrten in der Vergangenheit an den Nerven der Musiker. Im 15. Jahr ihres Bestehens sind The Frames nun beim kalifornischen Indie-Label ANTI gelandet. Immerhin die Heimat von Ober-Exzentriker Tom Waits. Das hört sich aus künstlerischer Sicht nach einer guten Wahl an und birgt gleichzeitig die Chance, den irischen Platin-Act zu einer international erfolgreichen Rockgruppe weiter zu entwickeln. Dazu bedarf es allerdings auch überdurchschnittlich gutes Songmaterial. Aber deswegen muss man sich angesichts des vorgelegten Albums nun wirklich keine Sorgen machen.

Schon die ersten Stücke auf „Burn The Maps“ - „Happy” und „Finally“ - sind schlicht und ergreifend exzellente Emo-Popsongs im Radiohead-Stil zu „OK Computer”-Zeiten. Hier passt einfach alles! Die Instrumentierung ist spannend und hoch dramatisch zugleich. Weit ausufernde Gitarrenflächen treffen auf eindringliche Violinen- und Pianoparts, sowie eine nervös zuckende Rhythmussektion. „Karma Police“ lässt schön grüßen. Dazu schreit sich Glen Hansard die Seele aus dem Leib und stellt damit eindrucksvoll unter Beweis, dass Emo-Rock nicht nur bei den ganz harten Vertretern der Branche en vogue ist. „Finally“, die erste Singleauskopplung, steigert sich langsam zu einer grandiosen Wall of Sound, die abrupt in sich zusammenfällt und in die verstörende Minimalismusballade „Dream awake“ mündet. Doch die Stille hält nicht lang an. Schon wachsen die Klänge wieder zu einer eindringlichen Emo-Welle heran, die den balladesken Anfang schließlich als falsche Fährte entlarvt.

„Trying“ transportiert die fragile Schönheit eines akustischen Kleinods, wogegen „Underglass“ als kleines Noise-Core-Teufelchen durchgeht. „Fake“ entpuppt sich als die Überraschung des Albums. Das Stück klingt wie eine Weiterentwicklung des dramatischen Alternative Pop der Smashing Pumpkins zu deren besten Zeiten. Schlagzeug, Gitarre, Gesang, alles ist genauso wie vor zwölf Jahren, als uns die Kürbisköpfe mit dem Power-Pop ihres Albums „Siamese Dream“ (1993) weggeblasen haben. Ein Gefühl, als hätte Billy Corgan unverhofft zu alter Stärke zurückgefunden. Solche Momente machen „Burn The Maps“ zu einem Werk der Extraklasse.

Glen Hansard (Vocals), Joseph Doyle (Bass), Colm Mac Con Iomaire (Violine), Rob Bochnik (Gitarre) und Gast-Schlagzeuger Graham Hopkins legen mit freundlicher Unterstützung von Ex-Bandmitglied David Odlum als Produzent ein Dutzend stark beeindruckende Songs vor, die in den französischen Black Box Studios und im Electrical Audio Studio in Chicago aufgenommen wurden. Ein Jahr hat sich die Band dabei Zeit gelassen. Es hat sich gelohnt! „Burn The Maps“ ist wahrhaft ein Meisterwerk emotionaler Pop- und Rockmusik und sehr empfehlenswert für Fans von Radiohead, Mogwai und den Smashing Pumpkins.

Anspieltipps:

  • Fake
  • Happy
  • Finally
  • Trying
  • A caution to the birds
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