The Sid Hillman Quartet - Tercero - Cover
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The Sid Hillman Quartet Tercero


  • Label: Trocadero Records/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Info-Schreiben der Plattenfirma bringt es gleich zu Anfang auf den Punkt: „Jede Musik hat ihre Zeit. Musik zum Aufstehen und zur Arbeit, Musik zum Autofahren und zum Fahrstuhlfahren. Musik zum Schlafen und zum wieder Wachwerden“. Sid Hillman und seine Band bewegen sich mit ihrer Musik eindeutig im letzteren Bereich. Denn „Tercero“, das dritte Album der Combo aus Los Angeles, ist der perfekte Soundtrack zur Nachtruhe bzw. zum gepflegten Chillen im Schaukelstuhl auf der Veranda.

Dabei scheint sich ursprünglich wahrhaft Großartiges anzukündigen, wenn man die Sound-Ingredienzien des Sid Hillman Quartetts aufzählt: Tex-Mex-Einflüsse von Calexico („Tercero“), das Singer/Songwriter-Element eines Vic Chesnutt („Two more days“), die wabernden Country-Klänge der Willard Grant Conspiracy („I will return“) und die Düsterkeit von Woven Hand („How do you want me“). Leider schaffen es die Herren Sid Hillmann (Vocals), Jim Cheydleur (Bass), Michael Taklender (Drums) und Jack Faith (Gitarre) nicht, dieses Klang-Kunststück nachhaltig auf Platte zu pressen. Viel zu oft versanden die Songs auf „Tercero“ in zähflüssigen und äußerst verschnarcht wirkenden Country- und Folksongs. Dazu kommen die ziemlich limitierten Stimmfähigkeiten von Mastermind Sid Hillman, der sich ohne Spannung und Druck in der Stimme von einem Song zum nächsten brummelt und nuschelt.

Es scheint fast so, als würde Sid Hillmann (im übrigen der Neffe des Byrds- und „Flying Burrito Brothers“-Bassisten Chris Hillman) etwas unmotiviert einem Hobby nachgehen, das er zwischen den Drehtagen frönt. Denn inzwischen ist der 34-Jährige Student der Philosophie zu einem gut beschäftigtem Schauspieler aufgestiegen, der in Filmen wie „Men In Black II“, „Arlington Road“, „Ghost World“ und „City Of Angels“ zu sehen war. So kann das von Neil Halstead (Mojave 3) produzierte Werk nur ansatzweise überzeugen. Etwa wenn wie aus dem Nichts eine traurige Mariachi-Trompete aufspielt („Los Angeles“) oder die Slide Guitar wehmütig schluchzt („Package them away“). Dennoch klingt „Tercero“ über weite Strecken zu brav und einschläfernd, als dass man von einem wirklich herausragenden Album sprechen könnte.

Anspieltipps:

  • Drastic
  • Tercero
  • Los Angeles
  • How do you want me
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