Staind - Chapter V - Cover
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Staind Chapter V


  • Label: Atlantic Records/WEA
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie doch die Zeit vergeht. 2005 erscheint bereits das fünfte Album von Sänger Aaron Lewis, Gitarrist Mike Mushok, Bassist Johnny April und Drummer Jon Wysocki aus Springfield (Massachusetts) – zusammen als Staind bekannt. Die 10jährige Bandgeschichte begann 1995 mit Konzerten in ihrer Heimat USA, genauer gesagt in Neuenglandstaaten wie Maine. 1997 ermöglichte Fred Durst von Limp Bizkit den Nu-Metalern ihren ersten Plattenvertrag nach der Selbstveröffentlichung „Tormented“ (1996). „Dysfunction“ hieß ihr Major-Debütalbum und verhalf ihnen zu Tourneen mit Monster Magnet und Kid Rock. Der nächste Longplayer „Break The Cycle“ (2001) wurde mit fast 7 Millionen Stück verkauften Exemplaren zu einer der erfolgreichsten Platten des Jahres.

Musikalisch reichte die Bandbreite auf diesem bisher besten Album von der Ballade („Outside“) bis zum härteren Sound der Anfangsjahre. Sänger und Texter Aaron Lewis versteht es dabei immer wieder, sehr emotionale und persönliche Texte in ruhiger oder heftiger Form zu mischen. Die Spezialität der Band ist es, in einem Song starke Gitarrenriffs und langsamere Teile zu verbinden. Andere Nu-Metal Ikonen wie Limp Bizkit oder Korn haben dagegen nur Balladen oder extreme Härte in petto. Daher scheinen Staind das größere Potenzial und die besseren Zukunftschancen zu besitzen. Dennoch verzettelte sich die Band mit „14 Shades Of Grey“ zwei Jahre später mit all zu düsteren Texten und beliebig wirkender Musik.

Das neue Album „Chapter V“ (produziert von David Bottrill, der schon Peter Gabriel, Silverchair, Mudvayne und Tool die Regler stellte) beginnt mit deutlich härterer Gangart. „Run Away“, das erste Stück von insgesamt zwölfen, hat die tiefergelegte Bassgitarre im Programm, holt aber zwischendurch Luft bei einem langsameren Teil. „Right Here“ ist ein ruhigerer Vertreter, der sich langsam steigert und ein Refraingitarrenriff besitzt, das hängen bleibt. Das dritte Stück reißt den Hörer förmlich vom Stuhl, denn „Paper Jesus“ holt den musikalischen Hammer hervor. Da passt alles zusammen, Abwechselungsreichtum in Form von Härte und ein kurzer Zwischenstop, wo die Lautstärke spürbar nachlässt. Staind erfinden sich nicht neu, aber das, was sie beherrschen, ist bei den harten Songs die sanften Momente zuzulassen und nicht nur im Gitarrengewitter zu schwelgen.

Obwohl einer der besten Songs „Everything Changes“ eine reine Akustikgitarrenballade ist, wie sie nur Aaron Lewis schreiben kann, gefallen auch die metallastigen Songs. Sicher, bei „Schizophrenic Conversations“ erholt man sich ein wenig, da es eher harmlos daherkommt. Doch dann wird in „Falling“ wieder gerockt. Vielleicht ist der Track ein wenig zu lang geraten, aber wenn es Spaß macht, die Instrumente zu bearbeiten, sollte nicht aufgehört werden. Auch „Cross To Bear“ sorgt dafür, dass die Fangemeinde sich an alte Zeiten erinnert. Der Mittelteil der CD wartet mit Powerballaden auf und als Krönung wird mit „King Of All Excuses“ noch mal die harte Bassgitarre von der Leine gelassen. Zum Ende des Stückes wird sogar die Stimme verzerrt und fast wie in alten Zeiten geschrieen. Der Schlusssong bietet wieder das bekannte „laut und leise“, was Staind fast perfekt beherrschen.

Eine höhere Wertung verhindert die Tatsache, dass es gerne mehr Nu-Metal-Perlen wie „Paper Jesus“ hätten sein dürften. Damit verpassen Staind nur knapp ihren qualitativen Höhepunkt von „Break The Cycle“, der weiterhin ihr Ziel sein sollte. Sicher war das Album eine Spur aggressiver und depressiver, aber man muss ja nicht stehen bleiben und kann sich weiterentwickeln. Der Produzentenwechsel von Josh Abraham, der für das eher enttäuschende vierte Album „14 Shades Of Grey“ verantwortlich war, zu David Bottrill, hat vielleicht dazu beigetragen. Staind werden sicher noch weitere zehn Jahre schaffen, wenn es das schnelllebige Musikbusiness zulässt.

Anspieltipps:

  • Right here
  • Paper Jesus
  • Everything Changes
  • King of all Excuses
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