Guns N´ Roses - Chinese Democracy - Cover
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Guns N´ Roses Chinese Democracy


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 72 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Mehr als 17 Jahre nach dem großartigen Doppeldecker „Use Your Illusion I + II” (09/1991) ist es endlich da: „Chinese Democracy“, das Album, das als größter Running Gag in die Musikgeschichte eingegangen ist. Denn mit ca. 13 Millionen Dollar Produktionskosten, 14 verschiedenen Aufnahmestudios, mindestens ebenso vielen VÖ-Ankündigungen, haufenweise verschlissenem Personal, mehreren Bootleg-Versionen im Internet sowie einer unmenschlichen Erwartungshaltung an GNR-Boss Axl W. Rose, stellt „Chinese Democracy“ eine Legende dar, die jetzt endlich wahr wird.

Und dann liegt die CD tatsächlich auf dem Tisch. Ohne besonderes Werbe-Brimborium und vielerorts zum Ramschpreis angeboten (was für einen hohen Charteinstieg sorgen soll), erblickt „Chinese Democracy“ in völliger Schlichtheit mit folgenden Rahmendaten das Licht der Welt: 14 Songs, alle in Zusammenarbeit von Axl mit anderen Musikern geschrieben, von denen der eine oder andere Track bereits als Bootleg, Live-Version oder Beitrag zu Soundtacks und Videospielen bekannt ist, über 70 Minuten Spielzeit und bis auf Herrn Rose (46) und Keyboarder Dizzy Reed ist niemand mehr von der alten Garde übrig. Na denn mal los...

Langsam schleicht sich das hysterische Intro des Titelsongs an und fast sieht man sich der Fortsetzung von „Welcome to jungle“ ausgesetzt, doch Déjà-vus sind auf diesem Album eher selten. Und so wird der Hörer schnell von einem furiosen Rifffeuerwerk ins Hier und Jetzt geholt und schonungslos damit vertraut gemacht, dass die seligen Slash/Duff/Gilby/Matt-Tage vorüber sind. Axl Rose hat sich weit von den Sleazerock-Anfängen entfernt und die Einflüsse seiner neuen Band, die u.a. aus Ex- Mitgliedern von Primus und den Nine Inch Nails besteht, hörbar in sein Songwriting aufgenommen. Nur sein Hang zum Bombast ist übriggeblieben, während die Eingängigkeit der Melodien zugunsten komplexerer Arrangements zurückgefahren wurde.

Songs wie „Streets of dreams“, „There was a time“ und „Madagascar“ sind noch am dichtesten am alten Gunners-Bombastsound á la „November rain“ dran. In ausufernden Arrangements werden Chöre, Pianoklänge, Streicher, Bläser und Gitarrensoli in Hülle und Fülle integriert, so dass der Hörer eine ungefähre Ahnung davon bekommt, was für eine Puzzlearbeit die Produktion von „Chinese Democracy“ gewesen sein muss. Der Spaß geht sogar soweit, dass bisweilen fünf (!) Gitarristen gleichzeitig (Robin Finck, Buckethead, Paul Tobias, Ron Thal und Richard Fortus) eine Wall of Sound auftürmen („Prostitute“) und im Zusammenhang mit Guns N’ Roses niemals für möglich gehaltene Effekte in die Songs eingegliedert werden. So zeichnet sich „Shackler’s revenge“ durch mechanische Grooves und hartes Industrial-Riffing aus, während in „Better“ erstmals HipHop-Klänge im GNR-Kosmos auftauchen. An diesen Sound knüpft „If the world“ direkt an, setzt aber noch ein Orchester aus der James-Bond-Abteilung, hypnotische Bassgrooves und fernöstliche Klänge obendrauf.

Der poppigste Song des Albums ist „Catcher in the rye“, der irgendwo zwischen Queen (Gitarren) und Elton John (Piano) angesiedelt ist. Und sieh da: ursprünglich hatte Queen-Gitarrist Brian May einen Part in dem Stück, doch dieser wurde wieder entfernt. Gelitten hat der Song deshalb nicht. Überhaupt ist die Gitarrenarbeit auf „Chinese Democracy“ große Klasse. Dem guten Slash muss jedenfalls keine Träne nachgeweint werden. Dazu waren die Velvet-Revolver-Alben auch zu durchschnittlich. Ganz im Gegenteil „Chinese Democracy“. Was in anbetracht der gigantischen Produktionszeit niemand für möglich gehalten hätte, ist tatsächlich eingetreten: Axl Rose verleiht dem Guns-N’-Roses-Sound einen progressiveren und zugleich moderneren Touch („Madagascar“, „Prostitute“), schafft Schunkellieder, Hitsingles und Coverversionen ab und zeigt sich stimmlich in Bestform (Hörprobe: „This I love“). Fazit: Nicht die Veröffentlichung dieses Albums ist die eigentliche Sensation, sondern die, wie es klingt!

Anspieltipps:

  • Sorry
  • This I love
  • Madagascar
  • There was a time
  • Chinese democracy

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