Aimee Mann - The Forgotten Arm - Cover
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Aimee Mann The Forgotten Arm


  • Label: V2/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Dem Drang mehr Kohle zu scheffeln und dadurch langweiligen, leicht zugänglichen mit den üblichen „Shalala“–Melodien versetzten Einheitsbrei zu produzieren, anstatt prätentiösere Songs zu schreiben, wollte Aimee Mann nicht nachgeben, verließ 1998 das durch Interscope übernommene Label Geffen, kaufte ihre Masterbänder zurück und gründete ihr eigenes Label mit dem zynischen Namen „SuperEgo Records“. Dass die gute Dame aus einem ungeheuren Potential von Selbstvertrauen schöpft ist daher logisch nachvollziehbar. Schließlich meint sie „Als meine Plattenfirma versuchte, mir die Richtung zu diktieren, in die meine Musik gehen sollte, und mir vorschreiben zu wollen, wie ich einen Song zu schreiben habe oder worüber, ergab das für mich einfach keinen Sinn. Die Bezahlung war dieses vage Versprechen, eines Tages ein Star zu sein. Aber das hat mich von Anfang an nicht interessiert. Nicht als politisches Statement, sondern weil mir das System lächerlich erschien. Ich will mir von Leuten, die ich nicht respektieren kann, nicht vorschreiben lassen, wie ich meine Musik zu machen habe. Diese Leute hatten keine Ahnung von Musik, sie hörten keine Musik, und sie konnten sie nicht einmal verkaufen. Da fiel es mir nicht schwer, mir auszurechnen, dass ich genauso gut auf eigene Kosten pleite gehen könnte, dann aber wenigstens die Musik machen würde, die mich interessiert.“ Pleite ist sie zum Glück noch nicht, wie die Veröffentlichung des neuen, mittlerweile fünften Studioalbums der begabten Songwriterin beweist.

„The Forgotten Arm“, ein Begriff aus dem Boxerjargon bei dem der Gegner mit Rechts-Links-Kombinationen dermaßen verwirrt wird, dass man ihn problemlos mit einem rechten Aufwärtshaken – dem vergessenen Arm – ausknocken kann, lautet der Nachfolger des 2002 erschienenen „Lost In Space“. Also handelt es sich hierbei um ein Konzeptalbum über einen Boxer, der durch diese sogenannte Technik wohl kurz vorm Sieg ins K.O. ging und dadurch die eine oder andere Depression durchlebt? Nun ja, nicht ganz. Die eigentliche Geschichte kreist um den drogenabhängigen Vietnamveteranen und Boxer John, der in den frühen Siebzigerjahren Caroline kennen und lieben lernt. Da bei Aimee Mann natürlich nicht die positiven Seiten überwiegen (wenn es die in ihrem Werk überhaupt mal gibt) weiß man als eingefleischter Fan sowieso. „Konflikte sind eben interessanter als Situationen, in denen alles perfekt ist. Ich habe nicht den Eindruck, dass im Leben immer alles so läuft, wie es sollte. Mit Songs wie ‚Walking on Sunshine’ kann ich nichts anfangen“ – gemäß diesem Dogma handelt „The Forgotten Arm“ von den Problemen, Schwierigkeiten und Rückschlägen die John und Caroline zu bewältigen haben.

In Songs wie „Goodbye Caroline“, “Video” oder “That´s How I Knew This Story Would Break My Heart” zeigt sie wieder gut wie man mit teilweise tieftraurigem Hintergrund wundervolle Gitarrenpopsongs schreiben und den Hörer verzaubern kann. Mitunter werden auch härtere Facetten zu Tage gefördert (I Can´t Help You Anymore) oder der Stil der Siebziger Jahre in das Opus integriert (King Of The Jailhouse). Wo „Lost In Space“ den Vergleich eines verregneten Sommernachmittags oder einer Winterdepression nicht zu scheuen brauchte, so kann man einige Songs des Nachfolgers als kleine Hoffnungsschimmer oder Sonnenstrahlen am Horizont betrachten. Mit wesentlich mehr Tempo und Dynamik versehen ist „The Forgotten Arm“ ein leichter zugänglicheres, aber auf keinen Fall mit einer geringeren Halbwertszeit versehenes Machwerk.

Anspieltipps:

  • Beautiful
  • Little Bombs
  • Goodbye Caroline
  • That´s How I Knew This Story Would Break My Heart
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