Paul McCartney - Chaos And Creation In The Backyard - Cover
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Paul McCartney Chaos And Creation In The Backyard


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die 13 Tracks erreichen zwar nicht die Intensität eines „The Man Comes Around“-Albums, vermitteln aber einen erstaunlich frischen Eindruck.

Ab und zu wird der ansonsten äußerst friedfertige Paul McCartney richtig böse. Zum Beispiel, wenn es um die Rechte am Beatles Backkatalog geht, die sich Michael Jackson unter den Nagel gerissen hat, oder wenn wieder mal jemand versucht, das Songwriterduo Lennon/McCartney auseinander zu dividieren, weil John Lennon angeblich das größere Talent hatte. Dann lässt der gute „Macca“ schon mal Neuauflagen von Beatles-CDs mit dem Vermerk „written by McCartney/Lennon“ (und nicht umgekehrt!) versehen, um seinen Ärger freien Lauf zu lassen.

Eine ganze neue Erfahrung in seiner über 35jährigen Solokarriere musste Paul McCartney nun mit Nigel Godrich (Beck, Radiohead, Travis), dem Produzenten seines neuen Albums „Chaos And Creation In The Backyard“, machen, der ihm unverblümt sagte, wenn er eine Komposition schlicht und einfach schlecht fand. Dann wurde der Ton im Studio schon mal etwas rauer und ein beherztes „Fuck off!“ tönte aus der Aufnahmekabine. Denn Reaktionen dieser Art war McCartney von Haus-und-Hof-Produzent George Martin (The Beatles, Elvis Costello, Celine Dion) nicht gewohnt, der seinem Schützling immer sehr diplomatisch beibrachte, wenn irgendwas nicht so besonders klang. Doch das mag auch der Grund sein, weshalb böse Zungen behaupten, dass das letzte gelungene McCartney-Werk bereits über 16 Jahre zurückliegt. „Flowers In The Dirt” hieß dieses und wurde von Trevor Horn produziert.

Mit Nigel Godrich entschied sich McCartney – auf Empfehlung von George Martin – nun für einen sehr jungen und gefragten Produzenten, der u.a. die letzten vier Radiohead-Alben veredelte. Godrich stellte von Anfang an klar, dass er McCartney aus dem üblichen Trott herausholen wollte und empfahl ihm, möglichst viele Instrumente selbst einzuspielen. Auf eine Band sollte er auf jeden Fall verzichten. Und so spielt Paul McCartney nicht nur Gitarre und Bass, sondern u.a. auch Schlagzeug, Klavier, Orgel, Flügelhorn, Cembalo und Maracas.

Godrich hat auf diese Weise ein sehr intimes und zurückgenommen klingendes Werk aus dem Meister herausgekitzelt, das überhaupt nichts mit den Bombastproduktionen vergangener McCartney-Alben zu tun hat. Ähnlich wie Rick Rubin einen Johnny Cash auf das Wesentliche reduzierte, lässt Godrich die Musik sprechen, die durch akustische Arrangements und eine düstere Grundstimmung geprägt ist. So verarbeitet McCartney offenbar den Tod seiner Frau Linda im Jahr 1998, lässt aber durchaus den einen oder anderen Sonnenstrahl zu („Promise to you girl“). Die 13 Tracks erreichen zwar nicht die Intensität eines „The Man Comes Around“-Albums, vermitteln aber einen erstaunlich frischen Eindruck von einem Songwriter, von dem alle Welt glaubte, wie er zu klingen habe. In seinem 63. Lebensjahr stößt Paul McCartney tatsächlich noch mal eine neue Tür auf. Für diesen Mut und den Einsatz von Nigel Godrich dürfen sich alle Fans bedanken.

Anspieltipps:

  • Fine line
  • Jenny Wren
  • At the Mercy
  • This never happened before
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