Lisa Marie Presley - Now What - Cover
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Lisa Marie Presley Now What


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Grob zusammengefasst könnte man sagen „Now What“ ist ein Konzeptalbum über das Erwachsenwerden mit dem Handicap einen der berühmtesten Menschen der Welt als Vater gehabt zu haben.

Als Tochter eines der bekanntesten und erfolgreichsten Musiker der Welt, der zudem auch noch nach dem tragischen Ableben kultisch verehrt wird und angeblich noch unter uns weilen soll, aufzuwachsen, ist sicherlich alles andere als leicht. Dass der einzige Spross des „King of Rock´n´Roll“ auch eine musikalische Laufbahn anstrebt um der Boulevard- und Klatschpresse zu zeigen, dass man wenigstens annähernd soviel drauf hat wie der Herr Papa und nicht nur von dessen Nachlass lebt, war ebenfalls abzusehen.

Mit der Veröffentlichung von „To Whom It May Concern“ im Jahre 2003 konnte zum ersten Mal ein Blick auf die musikalischen Fähigkeiten von Lisa Marie Presley geworfen werden. Als „Reflexion über sich selbst“ könnte man dieses Werk ansehen, bezeichnet sie sich darin unter anderem als „S.O.B.“ (Son of a bitch). Kommerziell blieb die ganze Seelenfindung allerdings weniger erfolgreich, da man auf breite Promotion kurzerhand verzichtete und hoffte der Name „Presley“ allein würde für ausreichend Käufer sorgen. Zwei Jahre später versucht Lisa Marie ein zweites Mal, ihren Gefühlen über Musik Ausdruck zu verleihen. Titel wie „Turned to black“, „I´ll figure it out” oder „Dirty laundry” (Don Henley Klassiker aus dem Jahr 1982) verraten, dass es bei den Songs des Nachfolgealbums keineswegs unpersönlicher zugeht.

„It took me all my life / To finally figure out / That I´m not in the mood / To be anything like you / And maybe it´s alright / And maybe not / I´ll conduct my choir / I´ll figure it out” proklamiert Lisa Marie nicht mal eine Minute nach Beginn der Platte. Hiermit wird bewiesen, dass nicht jeder Mensch damit glücklich ist im Rampenlicht zu stehen, weil der Vater oder die Mutter weltberühmt waren – oder sind – und das Streben nach Privatsphäre und Abgeschiedenheit dann mitunter einem Kampf gegen Windmühlen gleichzusetzen ist. Vor allem Kelly Osbourne wird dem bedenkenlos zustimmen können. „Dirty laundry“ wurde wohl daher bewusst als Coverversion gewählt, da es im Original noch ein Fingerzeig auf die sensationsgeile Presse war, die sich nicht um Opfer oder Betroffene, sondern rein um Schlagzeilen kümmerte und nun hier den vorherrschenden Berufszweig der Paparazzi meint, die das Elvis-Töchterchen wohl so gut wie keine Sekunde aus den Augen lassen.

In „Turned to black” wird mit den Zeilen „Can you take it back / Can you make it go away / Wish I never knew this / I did everything you said / It all just turned to black / And I can´t do this” der Druck offenbart, der vor allem in der Kindheit auf Lisa Marie lastete und zugemutet wurde. Anhand einer Tonbandaufnahme zu Beginn und Ende von „Raven” vernimmt man dann den Versuch der dreijährigen Lisa Marie „I think I love you“ von der Partridge Family nachzusingen. „Sing it right!“ macht Priscilla Presley ihrer Tochter mit dem nötigen Nachdruck in ihrer Stimme klar. Dass aufgrund der Präsenz in der Öffentlichkeit Geborgenheit im Hause Presley ein heikles Thema war braucht hier nicht näher erläutert zu werden.

Grob zusammengefasst könnte man sagen „Now What“ ist ein Konzeptalbum über das Erwachsenwerden mit dem Handicap einen der berühmtesten Menschen der Welt als Vater und eine mehr als ehrgeizige Mutter als Erzieher gehabt zu haben. Musikalisch bewegt sich der Seelenstriptease auf der Alternativ-Rock-Schiene, wobei gelegentliche Aussetzer durch das dargebotene Textmaterial wettgemacht werden.

Anspieltipps:

  • Now What
  • Dirty Laundry
  • When You Go
  • Turned To Black
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