Red Hot Chili Peppers - Stadium Arcadium - Cover
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Red Hot Chili Peppers Stadium Arcadium


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 122 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Red Hot Chili Peppers sammeln auf „Stadium Arcadium“ qualitativ hochwertiges Material, das es zu entdecken gilt

Kurz und knapp: Das neunte Studioalbum der Red Hot Chili Peppers ist wieder einmal erste Sahne, strotz nur so vor genialen Melodiebögen, ist vielseitig und abwechslungsreich, da es sowohl ruhige als auch fetzige, laute und krachende Songs enthält und das Beste: Es ist ein Doppelalbum, eingeteilt in Jupiter und Mars. Wer angesichts dieser Fakten noch nicht überzeugt wurde, sollte weiterlesen. Allen anderen sei geraten möglichst schnell den nächsten Plattenladen aufzusuchen und sich eine Dröhnung von „Stadium Arcadium“ zu verpassen.

Was hier anfangs so überschwänglich beschrieben wird, ist allerdings nicht ungerechtfertigte Lobhudelei, die einzig und allein die Vorschusslorbeeren für das neueste Werk der Chilischoten bestätigen soll, sondern ist der Eindruck den der ehrenwerte Rezensent den Lesern dieser Kritik vermitteln will, denn was Anthony Kiedis (Gesang), John Frusciante (Gitarre), Michael „Flea“ Balzary (Bass) und Chad Smith (Schlagzeug) in diesen 28 Songs aus dem Hut zaubern ist schlicht und ergreifend das Produkt einer Band, die ihren musischen und kreativen Höhepunkt erreicht hat und allem Anschein nach auch länger auf diesem Gipfel verweilen wird.

Dabei stand das Unternehmen „Red Hot Chili Peppers“ schon zweimal kurz vor dem Konkurs und drohte auseinander zu brechen. Den ersten Schock erfuhr die damals mit Kiedis, Flea, Irons und Slovak besetzte Band, als letzterer an einer Überdosis Heroin starb. Erst als Irons durch Smith ersetzt wurde und Frusciante das Loch zu stopfen versuchte, das der Tod ihres damaligen Gitarristen gerissen hatte, begannen die Arbeiten an „Mother´s milk“ (1989), das ein überaus erfolgreiches Comeback mit der neuen Besetzung darstellte. Als dann „Blood, sugar, sex, magik“ zwei Jahre später erschien, das erstmals von Rick Rubin (System Of A Down, The Mars Volta, The (International) Noise Conspiracy, Slipknot, The Beastie Boys) produziert wurde und zum bis dato erfolgreichsten Album der Band avancierte, stieg Frusciante, der mittlerweile drogenabhängig war, aus. Nach zahlreichen Platzhaltern (Zander Schloss, Arik Marshall, Jesse Tobias) für die erneut freigewordene Stelle des Gitarristen kam letztendlich Ex-Jane´s Addiction-Zupfer Dave Navarro, der gemeinsam mit den Peppers 1995 „One hot minute“ einspielte, das allerdings im direkten Vergleich zum Vorgänger ein Flop war.

1998 verlies Navarro die Band, Kiedis verfiel unterdessen den Drogen und dieses Mal schien der Bruch unabwendbar. Glücklicherweise, sowohl aus der Sicht der Band als auch aus der der Fans, kehrte Frusciante clean zurück, Kiedis überwand seine Sucht ebenfalls und einige Zeit später stand „Californication“ (06/1999) in den Läden. Mit kompromisslosen, geradeaus rockenden Songs machten sich die Red Hot Chili Peppers über Nacht wieder zu Superstars und konnten bis heute rund 20 Millionen davon absetzen. Das sukzessive Werk „By the way“ (07/2002) schloss allerdings nicht an den Vorgänger an, sondern zeigte die zurückgekehrten Schoten von ihrer melodiösen, verletzlichen und sanften Seite. Der nun vorliegende Doppelschlag „Stadium Arcadium“ kann als Mittelweg aus den Quintessenzen der beiden Vorgänger gesehen werden, denn die jeweils 14 auf die beiden Cd´s verteilten Songs lassen keine deutliche Marschrichtung erkennen, sondern tönen in bester Chili Peppers-Manier aus den Boxen, wie die Vorab-Single „Dani California“ bereits unter Beweis stellen konnte. Dabei ist der Song verglichen mit anderen nicht einmal der beste auf der Platte, aber angesichts der ungemein hohen Dichte an potentiellen Auskoppelungen ist es ihnen zu verzeihen, dass ein Track genommen wurde der an den Megaseller „Californication“ und dessen gleichnamige Single erinnert.

Als Produzent wurde ein weiteres Mal Rick Rubin verpflichtet, der seit „Blood, sugar, sex, magik“ jeden Output des Vierers betreute. Einen prominenten Gastauftritt weist der Song „Especially in Michigan“ auf, in dem das Gitarren-Solo von The Mars Volta-Vorstand Omar Rodriguez zum Besten gegeben wird, wodurch die Beteiligung von Flea und Frusciante auf dessen letzten Werk „Frances the mute“ wohl ausgeglichen ist. „Das ist die beste Platte, die wir je gemacht haben“ gibt Flea einige Wochen vor Veröffentlichung von „Stadium Arcadium“ von sich und er sollte Recht behalten. Die technische Perfektion und die Verschmelzung aus eingängigen Melodien mit teils komplexen teils einfachen Songstrukturen macht selbst nach 2 Stunden Laufzeit trotz des wohlbekannten Klangspektrums Laune und Lust nach mehr. Immer wieder möchte man sich der gemächlichen Seite („Stadium Arcadium“, „Slow cheetah“, „Snow (Hey oh)“, „Strip my mind“, „If“, „Hard to concentrate“) anschmiegen oder dem Rausch der Sinne durch die Funk/Rock-Fusion („Turn it again“, „Tell me baby“, „21st century“, „Readymade“, „So much I“, „Charlie“, „Hump de bump“, „Torture me“, „Warlocks“) erliegen.

Zweifelsohne haben die Red Hot Chili Peppers ein Album veröffentlicht, von dem zwar nicht jeder Song sofort zündet und sich in die Gehörgänge fräst, aber im Gegensatz zu anderen Musikerkollegen, die ein Doppelalbum dazu benutzen ihre zweit- bzw. drittklassigen Songs unters Volk zu bringen unter denen möglicherweise für den Einzelnen das eine oder andere Kleinod versteckt sein könnte, sammeln die vier Kalifornier auf „Stadium Arcadium“ qualitativ hochwertiges Material, das es zu entdecken gilt. Einen vorderen Platz in den Jahrespolls 2006 haben die Jungs damit auf jeden Fall so gut wie sicher.

Anspieltipps / Jupiter:

  • Slow Cheetah
  • Hump Da Bump
  • Stadium Arcadium
  • Especially In Michigan
  • Anspieltipps / Mars:

    • Readymade
    • 21st Century
    • Turn It Again
    • Desecration Smile
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