Santana - All That I Am - Cover
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Santana All That I Am


  • Label: Arista/SonyBMG
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„All That I Am“ ist vom Pfad des Kommerzes etwas abgekommen und offenbart eine ausgewogenere Mischung von illustren Gästen und gewohnten Klängen als beim Vorgänger.

Als sich einer der ganz großen Gitarristen, nämlich Jimi Hendrix, von der Welt verabschiedet hat, wurde u.a. Carlos Santana als die perfekteste Symbiose aus Mensch und Saiteninstrument angesehen. Er gehört unbestritten zu den besten Virtuosen auf dem blauen Planeten, wenn es darum geht, Gefühle, Emotionen und Esprit nicht mit Gesang, sondern mit einer Gitarre, egal welcher Art, zum Ausdruck zu bringen. Ihm verdanken wir solch großartige und in ihrer Intensität einzigartige Songs wie „Samba Pa Ti“, „Oye Como Va“, „Black magic woman“, „Soul sacrifice“, „Europa“ und „Gypsy queen“.

Anfänglich war der in Autlan, Mexico geborene Carlos Augusto Alves Santana mit seiner gleichnamigen Band „Santana“ unterwegs und erschuf den Latin Rock. Im Laufe der Zeit kam es zum Bandsplit, zur Wiedervereinigung und im Endeffekt wurde aus der Band ein Projekt, dessen ständiges Mitglied Carlos blieb. Die Angewohnheit, Gaststars einzuladen und ihre künstlerischen Fähigkeiten in die Alben einfließen zu lassen, wurde auch nicht im 1999er Comebackalbum „Supernatural“, das neun Grammys (bisheriger Rekord) und mehrfach Platin erhielt, unterbrochen. Everlast, Wyclef Jean, Lauryn Hill, Dave Matthews, Eagle-Eye Cherry, Rob Thomas (Matchbox 20) und Eric Clapton gaben sich vor sechs Jahren die Ehre, ihn zu unterstützen.

Auf „All That I Am“, dem Nachfolger zu „Shaman“ von 2002, versammeln sich diesmal u.a. Michelle Branch (zum zweiten Mal), Big Boi (Outkast), Mary J. Blige, Steven Tyler (Aerosmith), Will-I-Am (Black Eyed Peas), Kirk Hammett (Metallica), Robert Randolph, Joss Stone und Sean Paul. Anders als bei den alten Platten, beeinflusst bei den neueren Scheiben die Zusammenarbeit mit den Gästen den Klang und Auftreten eines Songs. Daher wurde z.B. aus dem Track „Do you like the way“ (von „Supernatural“) ein ganz klar der Melodik von Lauryn Hill angeglichenes Stück und „Wishing it was“ mit Eagle-Eye Cherry hätte genauso gut auf dessen Debütalbum „Desireless“ gepasst, ohne aus dem Rahmen zu fallen. Einzig und allein die typischen Riffs und Akkorde von Santana, die zwischen den Zeilen aufblitzen und die Songs veredeln, ließen noch auf eine Produktion des Gitarrenvirtuosen schließen. Dieser etwas gewöhnungsbedürftige Umstand hat sich auf dem neuesten Werk nicht geändert, ein weiteres Mal wechseln sich Kollaborationen mit den unterschiedlichsten Künstlern mit „normalen“ Songs aus der Feder von Santana ab.

Den Auftakt machen gleich zwei dieser gewohnten Stücke und zwar der Götterbote „Hermes“ und spanisches Feuer in „El Fuego“, die für alte Fanveteranen wohl nichts Neues bieten, ändert Mister Santana doch nur allzu selten die Struktur und Melodie seiner Tracks. Der zweite Auftritt von Michelle Branch nach „The game of love“ auf „Shaman“ mit „I´m feeling you“ ist das erwartete unbeschwerliche Popliedchen geworden und eignet sich bestens, um Singleverkäufe nach oben zu treiben. Eine ausgesprochen hervorragende Leistung im Gegensatz zum souveränen Auftritt in den ersten drei Songs gibt es dann in „My man“ zu hören, das durch Big Boi von Outkast und Mary J. Blige aufgepeppt wird.

Die nächste Chartattacke bietet „Just feel better“ mit Breitmaulfrosch Steven Tyler von Aerosmith am Mikro, das eine stereotype Rockballade geworden ist. Lateinamerikanisches Flair wird in „I am somebody“ mit Will-I-Am von den Black Eyed Peas versprüht und man ertappt sich, dass man sich den ganzen Track lang fragt, wann denn endlich Fergie einsetzt. „Con Santana“ versetzt uns wieder in ältere Tage zurück, bevor „Twisted“, das durch den Gesang von Anthony Hamilton durchzogen ist, vermehrt auf ruhigere Klänge setzt, aber etwas zu langatmig inszeniert ist.

Die göttliche Dreifaltigkeit wird uns mit den Herren Kirk Hammett, Robert Randolph und Carlos Santana in „Trinity“ näher gebracht, wenn jeder des Trios versucht, den anderen zu überspielen und man sich im Endeffekt auf einen stimmigen Einklang im Dreiklang einigt. Dieses wundervolles Hörerlebnis wird durch Dancehallking Sean Paul und Soulstimme Joss Stone mit einem discotauglichen Song namens „Cry baby cry“ unterbrochen, in dem sich der männliche Part etwas stärker durchsetzt, was wohl daran liegt, dass der Beat etwas untypisch für Miss Stone ist. American-Idol-Gewinner Bo Bice performt anschließend das poppige „Brown skin girl“, die Los Lonely Boys nehmen sich „I don´t wanna lose your love“ an und „Tu Amor“ setzt den Schlusspunkt in typischer Manier eines Carlos Santana, bei dem er abschließend noch einmal alles aus seinem geliebten Saiteninstrument herausholt.

„Supernatural“ war sein umjubeltes Comeback und „Shaman“ der logische Nachfolger für alle neu hinzugewonnen Fans, denen es vor allem die poppigen und tanzbaren Tracks angetan hatten und die bei Laune gehalten werden mussten, wenn auch mit Einbußen am künstlerischen Sektor. „All That I Am“ ist vom Pfad des Kommerzes etwas abgekommen und offenbart eine ausgewogenere Mischung von illustren Gästen und gewohnten Klängen als beim Vorgänger. Ein Grammy wird diesmal wohl nicht herausschauen, dafür hat Carlos Santana aber ein souveränes Album eingespielt, das so manch verschreckten Fan wieder zurück ins Boot holen wird.

Anspieltipps:

  • Trinity
  • My Man
  • Cry Baby Cry
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