Shakira - Fijacion Oral Vol. 1 - Cover
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Shakira Fijacion Oral Vol. 1


  • Label: Epic/SonyBMG
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der vielzitierte Satz vom „persönlichsten Album“ trifft hier in der Tat zu.

Erzähl das mal einem echten Rocker: Rick Rubin hat das neue Album „Fijacion Oral Vol. 1“ von Shakira produziert! Jener Rick Rubin, der schon Slayer, die Red Hot Chili Peppers, System Of A Down, Weezer, The Mars Volta, Audioslave, Beastie Boys und Limp Bizkit im Studio betreut hat. Okay, eigentlich trat der Herr mit dem Rauschebart „nur“ als Executive Producer auf, was bei ihm alles und nichts bedeuten kann, wie einige Künstler in der Vergangenheit berichteten. Doch dafür prangt sein Name wie ein Gütesiegel auf dem Backcover. Von den Produzenten, die die eigentliche Studioarbeit verrichteten, nämlich Lester Mendez, Luis Ochoa, Tim Mitchell und Gustavo Cerati, erfährt der Käufer erst im Kleingedruckten des Booklet.

Im Fall Shakira dürfte sich Rubins Engagement tatsächlich auf eine Art väterlichen Beistand und sporadische Studiobesuche (wenn überhaupt) beschränkt haben. Als Marketing-Schachzug ist die Idee dennoch genial. Schließlich liegt der internationale Durchbruch des kolumbianischen Superstars bereits mehr als drei Jahre zurück, als sie mit der Knaller-Single „Whenever, wherever“ und ihrem ersten englischsprachigen Album „Laundry Service“, das sich weltweit mehr als 13 Millionen Mal verkaufte (davon über drei Millionen Einheiten in den USA und mehr als 900.000 in Deutschland), von Heute auf Morgen durchstartete.

Jetzt erscheint ganz überraschend ein Doppelalbum, das genau wie bei System Of A Down im Abstand von fünf bis sechs Monaten auf den Markt gebracht wird. Den Anfang macht „Fijacion Oral Vol. 1“, ein in spanischer Sprache eingesungenes Album, gefolgt von „Oral Fixation Vol. 2“, dem rein englischen Pendant. Geplant war das freilich nicht. Doch die Studioarbeit in den Warehouse Studios im kanadischen Vancouver und im Heimstudio auf den Bahamas war so fruchtbar, dass rund 60 neue Songs entstanden. Davon wurden 20 ausgewählt und anhand der Sprache auf zwei CDs verteilt. Als Vorbote wurde im Mai die Single „La tortura“ veröffentlicht, die die 28-Jährige mit dem spanischen Sänger Alejandro Sanz aufgenommen hat. Schon da wurde klar, dass Shakira Ton- und Stimmungslage neu ausgerichtet hat, wenn man genauer hinhörte und das Stück nicht vordergründig als reinen Dance-Track abtat.

Der vielzitierte Satz vom „persönlichsten Album“ trifft hier in der Tat zu. Denn schon „En tus pupilas” ist für einen Album-Opener sehr ruhig ausgefallen. Anstelle von tanzbaren Rhythmen und fetten Beats steht die akustische Gitarre und Shakiras Stimme im Vordergrund. Das hymnische „La pared“ bewegt sich dagegen schon eher in den gewohnten rhythmischen Regionen der Kolumbianerin, die in der Folgezeit auch nie ganz aus den Augen verloren werden. Weshalb sollte sie auch ihr Erfolgsrezept aus tanzbaren Nummern („La tortura“) und schönen Balladen („Dia especial“) grundlegend ändern? Bereits leichte Kurskorrekturen entpuppen sich nämlich als gelungene Überraschungen. So ist „Obtener un si“ eine wunderschöne Bossa-Nova-Adaption mit echtem Copacabana-Feeling, „Escondite inglés“ verbreitet New-Wave-Klänge mit südamerikanischem Flair und „Lo imprescindible“ ist ein Elektro-Popsong im Depeche-Mode-Stil. Damit setzt Shakira ihren auf „Laundry Service“ begonnenen Crossover aus Latin-Rhythmen, Folklore, Rock und Pop nicht nur fort, sie erweitert das Spektrum sogar um einige Facetten. Das ist unterm Strich zwar weniger hitparadentauglich, was aber keinen künstlerischen Maßstab darstellt. Der eigentliche Angriff auf die Charts dürfte im November folgen, wenn „Oral Fixation Vol. 2“ in die Läden kommt. Zeit genug, um sich bis dahin ausführlich mit den zehn neuen Songs und den zwei sehr gelungenen Alternativversionen von „La pared“ und „La tortura“ zu beschäftigen.

Anspieltipps:

  • La pared
  • Dia especial
  • Escondite inglés
  • Lo imprescindible
  • Las de la intuición
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