Bruce Springsteen - Devils And Dust - Cover
Große Ansicht

Bruce Springsteen Devils And Dust


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Bruce Springsteen schippert auf seinem neuen Album zwischen Country, Folk, Rock und Americana zu neuen Ufern.

Schon vor 30 Jahren war sich die Journaille einig: Bruce Springsteen ist der neue Bob Dylan. Doch so sehr nach dem großen Meister wie auf dem aktuellen Album „Devils & Dust“ klang der Boss zuletzt auf seinem ´95er Solowerk „The Ghost Of Tom Joad“. Das bedeutet auch, dass die E Street Band mal wieder nach Hause geschickt wurde, weil sich Bruce Springsteen weitgehend solo und akustisch durch seine neuen Tracks arbeiten wollte. Eine gute Entscheidung, denn damit schlägt die Rocklegende nach der grandiosen Rückkehr mit dem „The Rising“-Album, das sich alleine in Deutschland mehr als 300.000 Mal verkaufte, einen erneuten Haken in seiner Laufbahn.

Bereits 1982 schockte Springsteen die Massen, als er auf seinen Megaseller „The River“ (1980) mit „Nebraska“ ein spartanisches Akustikalbum folgen ließ. Ähnlich groß war die Verwunderung, als er nach seinem kommerziell größten Erfolg mit dem Album „Born In The USA“ (1984), drei Jahre später erstmals solo auf die Bühne stieg („Tunnel Of Love“). Umso ausgeprägter war die Freude, als der Boss und die E Street Band 1999 auf Reuniontour gingen, von dem das furiose Live-Album „Live In New York City“ (2001) zeugt. Mit „The Rising“ folgte dann nach 18 Jahren das Studiocomeback der E Street Band, nachdem die Herren 1994/1995 nur an ein paar Bonus Tracks für das „Greatest Hits“-Album mitgearbeitet hatten. Jetzt gibt es Bruce wieder solo. Und Kenner werden einige Stücke auf „Devils & Dust“ gleich als bekannt identifizieren, da der Boss diese bereits auf den Konzerten der vergangenen Monate spielte.

Während der Aufnahmen mit Produzent Brendan O’Brien (Pearl Jam, Stone Temple Pilots, Aerosmith) in den Thrill Hill Recording Studios in Los Angeles und New Jersey, standen dem Boss lediglich Steve Jordan (Drums), Chuck Plotkin (Piano), Dan Federici (Keyboards), Soozie Tyrell (Violine) und Ehefrau Patti Scialfa (Background Vocals) zur Seite. Mit dieser überschaubaren Besetzung begibt sich Springsteen auf das gefährliche Singer/Songwriter-Terrain zurück, auf dem er vor zehn Jahren kommerziell scheiterte, aber großes Kritikerlob erhielt. Durchaus möglich, dass ihm 2005 dasselbe Schicksal ereilt. Es braucht nämlich eine gewisse Zeit, bis sich die ganze Schönheit dieses Longplayers entfaltet und damit ganz neue Seiten im Schaffen des Boss offengelegt werden.

Das Album beginnt mit dem Titeltrack „Devils & Dust“, einem anfänglich sehr reduzierten Akustikstück, bei dem sich nur Streicher und Keyboards zum Gesang gesellen. Im furiosen Mittelteil bläst der Boss wie in besten Zeiten auf der Harfe, ehe der Song mit mechanischen Drumsounds unterlegt ausklingt. „All the way home“, eine Komposition aus dem Jahr 1991, legt mit schallenden Drums und treibenden Gitarren los. Wiederum legt Bruce ein kleines Solo auf der Mundharmonika hin. Stark! Nach der Ballade „Leah“ folgt mit „Long time comin'“ ein herausragender Sing-A-Long, mit wunderschönen Violinenparts und stampfendem Beat. Interessanterweise bedient sich Springsteen dabei sehr stark am eigenen Oeuvre und stibitzt sich ungewöhnlich viele Harmonien und Riffs für diesen Track. Egal, Schwamm drüber!

Nach einer weiteren Akustikballade („Black cowboys“) singt der Boss „Maria's bed” mit ungewöhnlich/gewöhnungsbedürftig hoher Stimme zu einem ebenso simplen wie grandiosen Folksong, der nach zwei Minuten so richtig zum Leben erwacht und mächtig aus den Boxen kracht. Eine ähnlich hohe Stimmlage präsentiert Bruce im grandiosen Blues „All I'm thinkin' about“. In der Tat ist dieser Gesangsstil etwas eigenartig, da dem Boss die Stimme mehrmals bedrohlich wegkippt. Aber in Verbindung mit dem treibenden Rhythmus erzeugt dies eine ganz besonders intensive Atmosphäre. Als wahrer Multiinstrumentalist zeigt sich Bruce beim Song „Jesus was an only son”. Es spielt sämtliche Instrumente im Alleingang (Gitarre, Keyboards, Bass, Drums), während er von einem angedeuteten Gospel Chor (Lisa Lowell, Patti Scialfa, Soozie Tyrell) begleitet wird. Wunderbar!

Nach dem ersten Hördurchlauf mag der Hörer evtl. noch etwas ratlos sein, was der Boss auf seinem neuen Album „verzapft“ hat. Doch kommt Zeit, kommt Rat – und irgendwann die Erleuchtung. Bruce Springsteen schippert auf seinem neuen Album zwischen Country, Folk, Rock und Americana zu neuen Ufern, die einem Songwriter Mitte 50 hervorragend stehen. Deshalb darf man sich bei allerhöchstens zwei schwächeren Songs am Ende sicher sein: Mit „Devils & Dust“ legt Bruce Springsteen einen weiteren Klassiker seines Schaffens vor!

Anspieltipps:

  • Leah
  • Maria’s bed
  • Long time comin’
  • Matamoros banks
  • All I’m thinking about
Neue Kritiken im Genre „Rock“
7/10

Lost On The Road To Eternity
  • 2018    
Diskutiere über „Bruce Springsteen“
comments powered by Disqus