Bright Eyes - Digital Ash In A Digital Urn - Cover
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Bright Eyes Digital Ash In A Digital Urn


  • Label: Saddle Creek/INDIGO
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die ersten 45 Minuten des neu veröffentlichten „Bright Eyes“-Materials sind um („I´m Wide Awake It´s Morning“). Jetzt folgt die zweite CD „Digital Ash In A Digital Urn“ und eine Minute und fünfzig Sekunden verstreichen mit einem Klangteppich und minimalen Verschiebungen. Connors Stimme setzt ein und plötzlich macht alles wieder Sinn! Bright Eyes hat keinen Neuanfang gemacht, wie man auf „I’m wide awake, it’s morning“ vermutete. Er hat bloß sein Umfeld verändert.

Zurück nach Nebraska ist der gute Connor Oberst aka Bright Eyes gekehrt. Entstehungsort seiner vorigen grandiosen Album voller Weltschmerz, der Suche nach Erlösung und einer Emotionalität, die sogar Kurt Cobain in die Tasche steckt. Kurz: Depri-Musik vom Feinsten. Und nach einem positiven „I’m wide awake...“-Album kehrte er nun mit einem Haufen Ideen für ein elektronisches Album zurück in seine alte Heimat. Und es macht nun doch alles Sinn: Das Glück, das Oberst in New York gefunden hat, ist in Nebraska nicht vorhanden. Und wer würde in der Einöde des bekannten „Middle Of Nowhere“ nicht die deprimierernste Musik schreiben und sich die Hilflosigkeit aus der Seele schreien?

Ein Kompromiss aus den beiden neuen Bright-Eyes-Alben hätte der langjährige Bright-Eyes-Fan erwartet. Das nun vorliegende Ergebnis ist umso mehr umwerfend und besser als alles, was man je erwarten konnte. Wer Bright Eyes wegen seiner Negativität nicht mag, hört „I’m wide awake...“, wer ihn genau deshalb mag, hört „Digital Ash In A Digital Urn“. Der Bright-Eyes-Fan hört aber beides und liebt es. Die Texte auf „Digital Ash In A Digital Urn“ sind weniger herausragend, als auf „I´m Wide Awake It´s Morning“, doch sie sind immer noch von unglaublicher Genialität gesegnet. Das Interessante gilt nun der erstmals angewandten elektronischen Musik, die minimale Einsetzung der analogen Instrumente und das Songwriting, das daraus folgt. Denn wie schreibt man einen guten Song, wenn alles was man musikalisch hört, aus Rhythmus und kleinen Sounds besteht? Die einzige Möglichkeit ist den Gesang des Refrains so melodiös zu gestalten, dass er sich sofort in das Gehirn einbrennt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Womit auch schon der ganze Zauber des Albums verraten wurde.

„Gold mine gutted“, „Theme to Pinata“ und „I believe in symmetry“ funktionieren nicht anders. Die Single „Take it easy (love nothing)“ fällt dagegen sehr ungewöhnlich aus. Kein Mitsingrefrain und Instrumente, die nichts zu sagen haben, sind die Faktoren, die dieses Album gerade nicht ausmachen. Es gibt schon Instrumente, die Melodien spielen, das schließt Bright Eyes auf seinem „the electric one“ nicht aus. Rhythmus ist hier alles und das ist bewusst gewählt, denn Connor Oberst hat den rhythmischen Aspekt in seiner Musik bis jetzt vermisst, sodass er nun anscheinend alles nachholen muss. Der ungewöhnliche Einstieg ins Album ist sehr hart, aber man gewöhnt sich schnell dran und zum Schluss denkt man, es war nie anders. Zumal die elektronische Musik gegen Ende auch abnimmt und doch die analogen Instrumente mit ihren Melodien randürfen.

Zum Schluss meint man den Nachfolger von „Fevers & Mirrors“ zu hören. Und das ist für diesen Albumtitel sehr schade. Etwas mehr „Gefrickel“ hätten dem Album und der Entwicklung sehr gut getan. Es wäre jedenfalls sehr interessant, wie Bright Eyes damit umgehen würde. Vielleicht einfach mal die alten Sachen von Mouse On Mars hören, Herr Oberst!

Anspieltipps:

  • Hit The Switch
  • Gold Mine Gutted
  • Devil In The Details
  • I Believe In Symmetry
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