Eels - Blinking Lights And Other Revelations - Cover
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Eels Blinking Lights And Other Revelations


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 94 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Mann muss sie einfach lieben, diese schräge Eels-Ästhetik.

Als „obscene“ bezeichnete George W. Bush die Musik von Mark Oliver Everett in einer Wahlkampf-Kampagne zu den Präsidentschaftswahlen des Jahres 2000. „Obscene“ bedeutet so viel wie „ekelerregend“, „obszön“ oder auch „schamlos“. Und geht man der Frage nach, was genau der Präsident gemeint haben könnte, so kann man nur zu dem Schluss kommen, dass es Bush offensichtlich physische Probleme bereitet, wenn Texte zum Nachdenken anregen und sich Musik dem Diktat dauerhafter Fröhlichkeitsberieselung entzieht.

Mark Oliver Everett, besser bekannt als „E“ oder „Mr. E“ ist der kreative Kopf eines Band-Projekts, das unter dem Namen „Eels“ seit Mitte der 90er Jahre zeigt, dass es tatsächlich anspruchsvolle amerikanische Popmusik gibt. Eels als eine Band zu bezeichnen wäre falsch, wechselt doch stetig die Besetzung. Kann man mal R.E.M.-Gitarrist Peter Buck die Saiten zupfen hören, ist es ein andermal Tom Waits, der im Hintergrund röhrt oder Lisa Germano an der Violine, die ihr Gastspiel gibt. Immer jedoch stehen dabei die Songs von Sänger „E“ im Zentrum - aus seiner Feder stammen sowohl die häufig autobiographischen Lyrics als auch die instrumentalen Arrangements.

Mit „Blinking Lights And Other Revelations“ erscheint nun das mittlerweile sechste Eels-Album. Es ist ein Doppelalbum, an dem Everett bereits seit Jahren arbeitete und das fragmentarisch bereits vor der letzten Platte „Shootenanny!“ von 2003 existierte. Ein „Best Of mit ausschließlich neuen Songs“ sei „Blinking Lights“ geworden, schreibt die Plattenfirma - nicht ganz zu Unrecht: stilistisch vereint sich auf dem Doppelalbum alles, was seit dem kommerziellen Erfolgsdebüt „Beautiful Freak“ von 1996 den typischen Eels-Sound ausmacht. Einige Songs wie „Suicide Life“ zeigen die verletzte Seele des Mark Oliver Everett, wie wir sie vom 98er-Album „Electric Shock Blues“ kennen - jenem Album, das der Verarbeitung zweier fast zeitgleicher Todesfälle (der Selbstmord der Schwester und der Krebstod der Mutter liegen nur kurze Zeit auseinander) dienen sollte. Hier ist es eine einfache Melodie, in der sich Everetts ganzer Weltschmerz offenbart. Weniger introvertiert klingt „E“ in bluesig-angehauchten Songs wie „Going Fetal“ oder der Single „Hey Man (Now You’re Really Living)“, die gut auf „Souljacker“ (2001) gepasst hätte. Die Bläser-Sätze in „Son Of A Bitch“ wiederum wecken Erinnerungen an den „Grace Kelly Blues“ vom Album „Daisies of the Galaxy“ aus dem Jahr 2000.

Die Musik des Westküstlers stilistisch verorten zu wollen, ist ein unmögliches Unterfangen. Tom Waits lässt allenthalben grüßen, genauso uramerikanischer Straight-Ahead-Rock, der sich vor allem auf „Blinking Lights“ mit viel Klavier und Streichern mischt. Doch viel wichtiger als Stilfragen, ist bei der Musik der Eels die wache Beobachtungsgabe ihres Sängers. Anders als der berühmte Vater Hugh Everett, der sich als Pionier der Quantenphysik mit Parallelwelten auseinandersetzte, erforscht „E“ mit wachem Blick die Welt um sich herum, spürt ihren kleinen und großen Ungereimtheiten nach. Und bei all ihrer Melancholie, liegt seinen Songs doch immer auch ein verstohlenes Lächeln zugrunde. Wenn er mit heiser-aufgerauter Stimme Zeilen wie „It’s a beautiful morning. the sky is black as ink“ singt oder seinen Hund in „Last Time We Spoke“ ein Solo jaulen lässt, dann muss man sie einfach lieben, diese schräge Eels-Ästhetik.

Anspieltipps:

  • Suicide Life
  • Mother Mary
  • Son Of A Bitch
  • The Other Shoe
  • If You See Natalie
  • Trouble With Dreams
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