Ryan Adams - Cold Roses - Cover
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Ryan Adams Cold Roses


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 80 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn man bedenkt, dass dies nur das erste von drei Alben in diesem Jahr ist, darf die Vorfreude übersprudeln!

Wer geglaubt hat, dass Connor Oberst der Independent-Superstar 2005 wird, wird sich zumindest in den nächsten Minuten ein neues Bild schaffen müssen, denn nach einem Mainstream-„Rock’n’ Roll“-Album und dem genialen „Love Is Hell“-Werk feierte Ryan Adams Genesung und Pause. Mit „Cold Roses“ meldet er sich nun dieses Jahr zurück mit einem Werk, das sich zwar auf seine musikalischen Country-Wurzeln beruft, aber dem guten Rock- und Popmaterial in nichts nachsteht. Eine ordentliche Portion „Whiskeytown“, seine ehemalige Band, wird auf dem neuen Album abgefeuert, das sich aber nicht vor der ehemaligen Band um Ryan Adams und Caitlin Cary verstecken muss. Es ist eher andersherum. „Cold Roses“ ist nicht nur das erste Ryan-Adams-Doppelalbum, sondern auch gleich noch die Release-Offensive die im Jahr 2005 stattfinden wird.

Es schien ihm noch nie so gut zu gehen. So ausgeglichen, wie die Lieder auf „Cold Roses“ klang Ryan Adams noch nie. Zwar sind immer noch die gleichen traurigen Liebeslieder vorhanden, aber den Herren davon loszubekommen scheint eine Lebensaufgabe zu sein, die selbst Ex-Freundin Parker Posey nicht geschafft hat. Seine neue Liebe scheint seine Begleitband „The Cardinals“ zu sein. Gerade in Liedern wie „Meadowlake Street“, die auf früheren Alben solo erschienen wären, wertet diese Band das Songmaterial gegen Ende noch mehr auf. Auch die neue Version von „Now that you’re gone“ wird von den Cardinals gut interpretiert. Bereits im letzten Herbst gab es diesen Song auf einer speziellen Tour-LP auf den Konzerten zu kaufen, doch mit den Cardinals wirkt der Song weniger verloren zwischen dem „Rock’n’Roll“-Material der letzten herbstlichen Auftritte.

Eigentlich gab es keine größere Angst als Ryan-Adams-Fan, als ein Doppelalbum. Bereits sein zweites Album „Gold“ hat 16 Songs und eine Bonus-CD mit zusätzlichen 5 Liedern. Dennoch befinden sich auf „Cold Roses“ nur 18 Lieder (und ein Bonustrack für die UK-Edition) und dennoch leidet das gesamte Album an keiner Stelle an Überlänge oder Langeweile, ganz im Gegensatz zu „Gold“. Möglicherweise liegt das tatsächlich am aufkommenden Positivismus, denn früher hätte es niemals einen Song wie „Life is beautiful“ gegeben: „Hammer strikes the metal and it makes me believe / ‚Cause if I don’t believe in love / Then I don’t believe in you / And I do.“ Auch der auserkorene Promo-Song „Let It Ride“ lädt zum Hinterherlaufen ein, während der Song einem immer eine Nasenspitze voraus ist: „Let it rock me in the arms of stranger’s angels until it brings me home“.

Während man sich an dem schönen „How do you keep love alive“ und dem hymnenhaften „When will you come back home“ an die alten Songs des Genies zurückerinnert fühlt, als er noch knapp zwischen Pop und Country taumelte und sich daran freut, dass aus einem Taumeln ein Balancieren geworden ist, stört der Mittelteil der ersten CD plötzlich für einige Momente. Qualitativ klingen „Cherry lane“ und „Beautiful sorta“ als wären sie in den ersten Reihen eines Konzertes aufgezeichnet worden und lungern nun im Netz herum. Nicht nur das, beim Einzählen zu „Beautiful sorta“ bekommt man auch noch plötzlich die Angst, dass ein „Hey ya“ aus den Boxen ertönt. Aber solche Schwachstellen sind schnell vergessen, spätestens beim Einlegen der zweiten CD, die noch wesentlich countryesker ausgefallen ist und sogar das schon fast vergessene Werkzeug eines Folksängers auftauchen lässt: die Mundharmonika in „Dance all night“. Und man erinnert sich wieder an die alten Adams-Sachen, in der er die Mundharmonika genauso gut wie heute spielt. Und man freut sich, dass der „Rock’n’Roll“ nur ein Ausrutscher war.

Das Gesamtwerk des Ryan Adams erstreckt sich von traurig-schönen Popballaden auf „Gold“ über Mainstream-Rock („Rock’n’Roll“) bis hin zu komplex-komponierten Songs („Love Is Hell“). Doch mit „Cold Roses“ hat er sein Spektrum erweitert. Mit der Emotionalität von „Heartbreaker“ dringt Adams in die Tiefen seines Ursprungs und schafft ein Doppelalbum, reduziert auf einfache Songstrukuren und ohne große Melodien. Und dennoch spielen sich die Songs sofort ins Ohr und man möchte, dass sie nie wieder gehen. Wenn man bedenkt, dass dies nur das erste von drei Alben in diesem Jahr ist, darf die Vorfreude übersprudeln!

Anspieltipps:

  • Let It Ride
  • Sweet Illusions
  • Life Is Beautiful
  • Meadowlake Street
  • How Do You Keep Love Alive
  • When Will You Come Back Home
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