Michael De Jong - Imaginary Conversation - Cover
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Michael De Jong Imaginary Conversation


  • Label: CoraZong Records/SONY
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Akustische, zumeist sehr ruhige Folkmusik zwischen Bob Dylan und Bruce Springsteens „Nebraska”. Michael De Jong, der Songwriter mit baskisch-friesischem Blut, liefert mit „Imaginary Conversation“ ein unter die Haut gehendes Solowerk ab. Dabei hätte es anfänglich ganz anders kommen können, denn einige Songs auf „Imaginary Conversation“ wurden ursprünglich in Bandbesetzung eingespielt. Doch aus irgendeinem Grund funktionierten die fragilen Akustiksongs nicht auf dieser Ebene. Wer sich mit dem Album näher auseinandersetzt, ahnt warum.

Michael De Jongs Lieder stellen reinste Singer/Songwriter-Kost dar, die nach einer einfachen Umsetzung schreien. Ein Mann und seine Gitarre, eine intensive Stimme - mit viel Hall aufgenommen - aus der die pure Verzweiflung spricht, ohne Studio-Schnickschnack und zusätzliche Instrumente eingespielt. Klarer und direkter kann Musik nicht sein. In Anbetracht der Lebensgeschichte von Michael De Jong ist dies aber auch kein Wunder.

Michael De Jong wurde 1945 als Sohn einer Französin und eines Holländers geboren. Mit 13 bekam er seine erste Gitarre, der schon bald eine elektrische Gitarre folgen musste. Denn De Jong verspürte schnell den Wunsch, Musiker zu werden. Als 20-Jähriger zog er in den USA, wo er sich auf Blues Festivals herumtrieb und durch kleine Clubs tourte. Er machte für längere Zeit Station in Detroit, New Orleans und San Francisco, spielte zusammen mit Berühmtheiten wie Jerry Garcia, Albert Collins, John Lee Hooker, Albert King und in der Band von Jimmy Reed. Zu dieser Zeit schrieb De Jong bereits eigene Songs. Doch es sollte bis in die frühen 80er Jahre dauern, ehe er sein erstes Soloalbum aufnahm.

Michael De Jong ist ein rastloser Mensch, der es nie wirklich lange an einem Ort auszuhalten scheint. So zog es ihn in den Achtzigern aus den Staaten nach Europa. Inzwischen hatte er dem Alkohol und Drogen abgeschworen und fühlte sich in bester Verfassung. Doch wie das Leben so spielt, holte ihn die Alkoholsucht wieder ein. Er trank mehr und schlimmer als vorher und verpasste regelmäßig seine Auftritte. In dieser Phase schlug er sich durch halb Europa, bis er in Alkmaar, in den Niederlanden landete. Für einen Ex-Junkie und Alkoholiker sicher nicht der beste Ort. Schnell hing De Jong wieder an harten Drogen. Jetzt ging es rasant bergab. Aufenthalte in Gefängnissen und ein Leben auf der Strasse hielten sich die Waage. Und doch schaffte es De Jong, Mitte der 90er Jahre von den Drogen loszukommen. Seitdem weiß er, dass die Kompensation seiner Gefühle am besten mit Musik funktioniert.

Ausgestattet mit einem neuen Plattenvertrag, ist De Jongs einzige Droge jetzt das Schreiben von ehrlichen, emotionalen Songs. Von diesen stellt der Kosmopolit zehn Stück auf seiner neuen Platte „Imaginary Conversation“ vor. Voller Inbrunst legt De Jong alles was er hat in seine Lieder und zelebriert seine Texte von zerbrochenen Liebschaften mit unglaublichem Enthusiasmus. Damit stößt er sicher mehr als ein Mal an die Grenze des Erträglichen, denn soviel Leidenschaft ist der „normale“ Hörer heute nicht mehr gewohnt. Trotzdem sollte man sich die „Mühe“ machen und sich „Imaginary Conversation“ in einer stillen Stunde zu Gemüte führen. Es lohnt sich!

Anspieltipps:

  • Fairy tale ending
  • A private interlude
  • Heart of the matter
  • Imaginary conversation
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