Mike Stern - These Times - Cover
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Mike Stern These Times


  • Label: BHM Productions/ZYX MUsic
  • Laufzeit: 70 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Einer der ganz großen Gitarristen unserer Zeit beschreitet mit seinem aktuellen Album ungewöhnliche Wege. „These Times“ wurde bereits im vergangenen Jahr von ESC Medien veröffentlicht. Durch die Insolvenz des Labels ging die Präsentation der CD leider unter. Mike Stern kaufte sein Album zurück und lizensierte es unter dem Label BHM Productions neu. Nun erscheint das Werk ohne Stress und Trubel erneut und wir schenken ihm die verdiente Aufmerksamkeit.

Ins Rampenlicht der Öffentlichkeit marschierte Mike Stern an der Seite von Miles Davies Anfang der 80er Jahre. 1985 veröffentlichte er als Bandleader sein erstes Werk. 1986 erschien mit „Upside Downside“ sein Debüt für Atlantic Records, an dem die Creme de la Creme der Jazzszene mitwirkte. 1993 wurde Mike Stern zum „Best Jazz Guitarist Of The Year“ gewählt. Ausschlaggebend dafür war sein Album „Standards (And Other Songs)“. Mit Preisen überschüttet, folgten Jahre des Ruhms als Gastgitarrist an der Seite vieler Kollegen und einige Solo-Tourneen. Mit „These Times“ übertrifft er die Vorgänger nun um Längen. Hinter „These Times“ verbirgt sich Full-Power-Music auf elf Tracks in knapp 70 Minuten Spielzeit. Den Begriff Full-Power-Music sollte man im übrigen wörtlich nehmen, denn es mischen sich eingängige, ohrwurmcharakteristische Melodien mit infizierenden Grooves und Rhythmen. Aber auch für Nachdenkliches lässt Mike Stern Raum. Brandheißes Zeug für zwischendurch. Instrumentales und vokales Liedgut vom Feinsten.

„These Times“ startet mit der recht schrillen Nummer „Chatter“. Kuriose Grooves mischen sich mit nahöstlichen Melodien. Ihr folgt die Vokal-Nummer „Silver Lining“, bei der Joe Zawinul grüßen lässt. „I Know You“ wirkt melancholisch. Eine balladeske Liebeserklärung an seine Frau Leni. Mit „Mirage“ steigert sich „These Times“ ins Exotische. Besonders wertvoll: Sängerin Kontomanou. Etwas nachdenklich, eine Ballade in Moll, versprüht „If Only“ Trübsinn und Schmerz. Das Stück beschreibt eine wahre Geschichte aus der Kindheit des Bassisten Richard Bona im Doualla Dialekt. Schwungvoll und ansteckend rhythmisch, folgt mit „Street Rhyme“ eine richtig tolle Abgehnummer. Vielleicht etwas zu heftig nach soviel Melancholie im Vorfeld. Aber so spielt nun mal das Leben...

„Avenue B“ den Hörer wieder ein paar Etagen tiefer. Ruhe kehrt ein. Ein Duell zwischen Gitarre und Altsaxophon. Doch wie könnte es anders sein? „Remember“ lässt es wieder krachen! Auch wenn der Hintergrund dieses Stückes trauriger Natur ist - Mike widmete es dem verstorbenen Saxophonisten Bob Berg - so hat es alles, was eine gute Uptempo-Nummer braucht. Das folgende Titelstück versprüht eine elegisch, geheimnisvolle Atmo, „What You Believe“ driftet etwas in Richtung Folk und „Last One Down“ holt am Ende noch einmal alles aus einem raus.

Fazit: Hohe Qualität setzt sich einfach durch! Kein Wunder, bei dieser illustren Schar an Mitstreitern, wie Kenny Garrett, Vinnie Colaiuta, Dennis Chambers, Jim Beard, Bela Fleck und Don Alias. „These Times“ ist ein Album, das ansteckt und absolut mitreißt. Ein Album, das den Hörer vereinnahmt und im passenden Augenblick wieder loslässt.

Anspieltipps:

  • Silver Lining
  • Street Rhyme
  • Remember
  • What You Believe
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