Die Happy - Bitter To Better - Cover
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Die Happy Bitter To Better


  • Label: Gun Records/SonyBMG
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Vollkommen zufällig wird Marta Jandova vor mittlerweile 12 Jahren Sängerin bei der Band Die Happy, die sich kurz davor zusammengefunden hat. Dabei wollte sie doch nur Dolmetscherin in Deutschland werden, denn Marta kommt aus Tschechien. Nachdem anfängliche Sprachbarrieren überwunden waren ging es munter ans Werk. Ende März 1993 hatten sie dann schon ihr erstes richtiges Konzert und nach fleißigem Touren 1996 ihren ersten eigenproduzierten Longplayer „Dirty Flowers“ (die Blume war anfänglich das Bandsymbol). 1998 steht die bangeigene Homepage und sie supporten die Guano Apes (zu der Zeit mit ihrem Debüt „Proud Like A God“ und der Single „Open Your Eyes“ am Durchstarten) und müssen sich im weiteren Verlauf immer wieder als Schatten der Band aus Göttingen bezeichnen lassen, da ihr Sound ziemlich ähnlich klingt, obwohl Die Happy schon eine erhebliche Zeit länger im Geschäft sind. Sie ließen sich natürlich nicht beirren und hatten 2001 ihr Majorlabeldebüt bei BMG mit „Supersonic Speed“ und veröffentlichten danach Jahr für Jahr ein neues Album („Beautiful Morning“ (2002), „The Weight Of The Circumstances (2003)). Es folgte ein Jahr Erholung um sich ausgedehnt auf das fünfte Album vorzubereiten. Lediglich eine Kollaboration von Marta mit Apocalyptica für eine Neufassung des Titels „Quutamo“ für den Bundesvision Songcontest fand statt.

Für „Bitter To Better“ wurde anders als beim Vorgänger nicht wieder das Produzententeam „The Matrix“ (Avril Lavigne, Britney Spears) verpflichtet, da diese nach eigenen Angaben „Seinerzeit nur zwei, drei Stunden pro Tag vor Ort waren, weil sie andere Prioritäten wie Britney Spears hatten“, sondern der recht unbekannte Udo Rinklin ins Boot geholt. „Es war eine wohltuende Erfahrung mit jemandem zu arbeiten, der mit ganzem Herzen bei der Sache ist und auch menschlich voll auf unserer Wellenlänge liegt.“ So klingt dann auch das Ergebnis. Mit weniger elektronischem Schnick-Schnack, wie zuvor auf „The Weight Of The Circumstances“ zu hören, rocken die Songs diesmal bodenständiger und ehrlicher. Man könnte fast meinen Die Happy haben in Rinklin ihren Meister gefunden, denn kraftvoller und frischer klang bis jetzt kein Album des Quartetts.

Gleich zu Beginn mit dem Titeltrack „Bitter To Better“ zeigt der smarte Vierer wo das „fröhliche Sterben“ diesmal ansetzt: „Peel off your onion skin / Forget about your discipline / Spit out this bitter pill / Leave this place where the sun never shines / I´ll be your heroine / If you promise that you´ll try / If you promise that you´ll cry / Instead of keeping it inside”. Ein paar Minten später schreit Marta dann im wohl derzeit härtesten Track der Band dass sie „In Love“ ist und ein Gitarren-Schlagzeug Gewitter lässt alles herrlich laut und rockig ausklingen. Danach ist die erste Singleauskopplung „Big Big Trouble“ am Start, bei der man sich ernsthaft fragt wieso nicht der vorige Song der Ehre zuteil wurde die erste Maxi des neuen Albums zu werden. Nicht dass der Song schlecht wäre, aber im direkten Vergleich ist eben „In Love“ um „1000 miles per hour“ schneller, wie im Refrain selbst bestätigt wird. „Perfect“ bietet dann die erste Ballade, schwebt aber eher durch den Raum, als wirklich zu gefallen. Mit „Love To Hate You“ ist dann wieder Vollgas angesagt. Leichte Nu-Metal Einflüsse sind nicht von der Hand zu weisen, aber bis auf den etwas enttäuschenden Refrain stört das auch niemanden. „I Am“, eine Coverversion eines Diane Warren-Klassikers, erstrahlt im Happy-typischen Gewand und lädt zum „I am special / I am beautiful“ – Mitsingen ein. Bis auf die Halbballade „Inside“ und die abschließende Midtemponummer „Stranded“ haben die Tracks „Blood Cell Traffic Jam“, If I Could Fly und „Don´t Be Scared“ die Lizenz zum Abrocken.

Vergleiche mit den Guano Apes brauchen sie sich wenigstens nach „Bitter To Better“ nicht mehr anhören lassen, denn nicht nur dass es die nicht mehr gibt, sondern Die Happy überzeugen mit diesem Album mehr als der letzte Output der Affen. Also dürfen alle, die durch „The Weight Of The Circumstances“ abgeschreckt wurden, wieder aufatmen.

Anspieltipps:

  • In Love
  • Stranded
  • If I Could Fly
  • Love To Hate You
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