Joe Perry - Joe Perry - Cover
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Joe Perry Joe Perry


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Aerosmith – „America’s Greatest Rock & Roll Band” – liegt im Augenblick auf Eis. Die Herren Musiker gönnen sich nach ihrem guten, aber nicht besonders erfolgreichen Bluesalbum „Honkin’ On Bobo“ (März 2004) und der fürs Weihnachtsgeschäft nachgeschobenen Live-DVD „You Gotta Move“ (November 2004) eine einjährige Pause. Tja, und was macht der gelangweilte Millionär in seiner kostbaren Freizeit? Na klar, er spielt ein Soloalbum ein. Dumme Frage aber auch...

Nach mehr als 100 Millionen verkauften Alben, vier Grammys, 12 MTV Video Awards, sechs Billboard Awards und einer Oscar Nominierung, arbeitet Sänger Steven Tyler an seinem ersten Solowerk. Kollege Joe Perry ist da schon einige Schritte weiter. Die zweite Hälfte der „Toxic Twins“ hat zwischen den Studioaufnahmen zu „Nine Lives“ (1997), „Just Push Play“ (2001) und „Honkin’ On Bobo“ (2004) ebenfalls an eigenen Songs gearbeitet, die er nun in Form des selbstbetitelten Soloalbums „Joe Perry“ auf den Markt bringt. Insgesamt ist dies schon sein vierter Alleingang, nachdem er nach seinem vorübergehenden Abschied von den Luftschmieden (1979) die Alben „Let The Music Do The Talking“ (1980), „I’ve Got The Rock ’N Rolls Again“ (1981) und „Once A Rocker, Always A Rocker“ (1984) herausbrachte.

Das Album wurde zusammen mit Paul Caruso, der auch die Drums bediente, in Perrys Heimstudio auf seiner Ranch in der Nähe von Boston eingespielt. Joe übernahm alle Gesangs-, Gitarren-, Bass- und Keyboard-Parts. Druck von Seiten der Plattenfirma oder irgendwelche Deadlines gab es dabei überhaupt nicht. Vollkommen entspannt nahmen Perry und Caruso elf Bluesrocksongs aus der Feder des Aerosmith-Gitarristen, sowie zwei hoch interessante Coverversionen auf. Da ist zum einen der Doors-Klassiker „The crystal ship“, den Perry schon als Twentysomething im Autoradio genoss, und der Woody-Guthrie-Track „Vigilante Man“, den er in der ´71er Version von Slide-Gott Ry Cooder lieben gelernt hat. Zudem passt das Stück als politisches Statement hervorragend in das aktuelle Zeitgeschehen. Perry: „I put it on the record as a metaphor for what is going on in the world today, taking in everybody from the 'Saddam Husseins' to some of the things that America does, to the cop that walks down the street and thinks he's the be-all and end-all. There's the old saying that power corrupts and absolute power destroys. And that's what happens when people violently tend to take the law into their own hands”.

Der Altmeister legt gleich mit dem Opener „Shakin' my cage” furios los und bügelt einen astreinen Highspeed Bluesrocker auf die Tapete. Dagegen ist „Hold on me“ ein eher gemäßigter Song im Midtempobereich, der über ein paar coole Licks verfügt. „Pray for me“ kommt mit orientalisch anmutender Instrumentierung im Stile der Ex-Zeppeline Robert Plant und Jimmy Page („No Quarter“) daher, während „Can’t compare“ als heftiger Bluesrock mit starkem Refrain und brillantem Gitarrensolo auf den Putz haut. Mit „Crystal ship“ gelingt Perry eine gefühlvolle Interpretation des Doors-Songs. Perry bleibt dicht am Original, weshalb „Mr. Mojo Risin’“ seine vorübergehende Auferstehung feiert. Das Gitarrensolo ist im übrigen, wie von Perry gewohnt, grandios!

Damit hätten wir die Highlights des Albums auch fast schon zusammengetragen. Mit „Talk talkin’“ erleben wir noch einen klassischen Blues in alter Tradition. „Twilight“ ist ein eher überflüssiger Instrumentaltitel und „Ten years“ eine nette Ballade, die Perry vor ca. 14 Jahren für seine Ehefrau geschrieben hat. Somit gibt es mit „Vigilante man“ den letzten Höhepunkt der CD. Hier liefert Perry eine großartige Leistung als Slide-Gitarrist ab und holt aus der Pedal Steel Guitar alles raus.

Trotzdem müssen wir am Ende die Kirche im Dorf lassen. Denn unterm Strich gibt es auf der CD nur eine Handvoll herausragender Titel. Der Rest schwimmt im allgemeinen Blues-Sumpf davon, ohne im Gedächtnis hängen zu bleiben. Zudem stellt sich Joe Perry auf Dauer als nur mäßig begabter Sänger heraus. Was bei einem oder zwei Songs noch ganz nett klingt, kann bei einem Dutzend Titeln am Stück nicht mehr überzeugen und auch nicht mit „charismatisch“ abgetan werden. Im Fachjargon nennt man so ein Album dann schlicht „grundsolide“. Schließlich ist das Werk nicht schlecht. Besonders herausragen kann es aber auch nicht.

Anspieltipps:

  • Mercy
  • Crystal ship
  • Vigilante man
  • Can’t compare
  • Shakin' my cage
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