Dredg - Catch Without Arms - Cover
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Dredg Catch Without Arms


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

El Cielo, den Himmel, haben sie bereits bestiegen. Nun ist es an der Zeit den Chartthron zu erobern. Ohne diesbezüglich einen berechnenden Zusammenhang unterstellen zu wollen (den die Band ohnehin nicht nötig hat), gibt sich „Catch Without Arms“ weitaus ausgeglichener und eingängiger als der Vorgänger. Die verkopften Songstrukturen von „El Cielo“, die dem Werk einen Stammplatz im Prog-Genre sicherten, sind zugunsten eines verdaulicheren Hörerlebnisses fast gänzlich verschwunden. Mit sanfter Melancholie und herzergreifenden Melodien, die wie Sonnenstrahlen, vom Himmel kommend, die triste Gegenwart erhellen, werden Dredg (hoffentlich) die trendige Wohlfühlbewegung der Musik in Zeiten sozialer Kälte und Zukunftsangst, zu deren Führer sich erst kürzlich erneut Coldplay krönen ließen, aufmischen. An der technischen Perfektion in den erst beim zweiten Blick ambivalenten Songs und dem zugrunde liegenden Konzept über die Gegensätze des Lebens werden hingegen vor Allem Alternative-Hörer ihre Freude haben.

Die Stimme gibt den Ton an. So ist das bei Bands wie Coldplay, so ist das erst recht bei Dredg. Bei aller musikalischer Virtuosität ist es doch der Gesang von Goldkehlchen Gavin Hayes, der den an sich kalten Songfragmenten Tiefe und Wärme verleiht. Während beim Vorgängeralbum noch die Instrumente die progressive Wirkung des Albums bestimmten, kann Hayes bei „Catch Without Arms“ in den besseren Einzelsongs mächtig auftrumpfen. Zwar wird das Album langfristig gesehen vermutlich nicht an die Nachhaltigkeit von „El Cielo“ heranreichen, aber die stärkeren Momente im Hier und Jetzt finden sich auf „Catch Without Arms“.

Die Single „Bug Eyes“ und der anschließende Titeltrack beispielsweise versetzen schon nach erstmaliger Anhörung in Erregung. Und auch wenn ein „Zebraskin“ stellenweise schlimme Erinnerungen an The Rasmus hervorruft, ist man in „Tanbark“ doch sofort wieder drin im Fluss des Albums um gleich darauf in die Pianolinien von „Sang real“ einzutauchen. Sämtliche Songs zeichnen sich selbstredend durch perfekte Arrangements aus. Alles ist an seinem Platz, keine Note zu viel oder zu wenig. Und auch wenn hinten raus bis auf „Splitshine“ und „Matroshka“ noch das ein oder andere herausstechende Highlight fehlt, bleibt der Hörgenuss durchgehend auf konstant hohem Niveau. Ein bemerkenswertes Album, auf dem kein Song aus der Reihe fällt oder in irgendeiner Weise störend wirkt.

Dredg. Das ist nicht nur ein kurioser Name, das ist Musik, die Herz und Verstand gleichermaßen anspricht. Die Grenzen des melodischen Prog-Rocks hinter sich lassend, liefert die Band mit „Catch Without Arms“ ein Album ab, welches sich schwer verorten lässt, aber gerade dadurch seine Faszination entfaltet. Irgendetwas muss im Musikbusiness grundlegend schief laufen, sollte der Band mit diesem Werk nicht der endgültige Durchbruch gelingen. In Zeiten kollektiver Depression liefern Dregd ein Album ab, das sich in positiver Melancholie wiegt und damit einen der Kontrapunkte manifestiert, von denen das Werk handelt. Wer braucht Arme, wenn er auch mit Musik fangen kann?

Anspieltipps:

  • Catch without arms
  • Matroshka
  • Splitshine
  • Bug Eyes
  • Sang real
  • Tanbark
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