Maximilian Hecker - Lady Sleep - Cover
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Maximilian Hecker Lady Sleep


  • Label: Kitty-Yo/INTERGROOVE
  • Laufzeit: 53 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Maximilian Hecker hat eine große Nase, spielte früher in Fußgängerzonen Lieder von Oasis und sieht auch genauso aus als hätte er sich sein ganzes Leben in diesem Klischee gewälzt. Sein erstes Album „Infinite Love Songs“ war eine Bereicherung der Welt mit wirklich guten Weltschmerz-Liedern. „Rose“, das zweite Album, war hingegen nur der kitschige Versuch das erste Album zu wiederholen. Sein Ansehen sank, seine Heiligsprechung wurde nun doch etwas hinausgezögert. Und nun erschien „Lady Sleep“, mit einem Albumtitel, der bereits alles über Hecker aussagt.

Zunächst ist anzumerken, dass es mittlerweile nur noch nervt wie dieser Mann seinen sogenannten Weltschmerz ausweidet und verkauft. In „Daze of nothing“ läuft er über sein eigenes Grab und kann sich zum ersten Mal (!) selbst spüren und er ist zum ersten Mal im Leben nicht traurig. „Everything inside me is ill“ trägt sich trotz Heckers melancholischen Stimme in eines der fröhlichen Stücke des Albums. Diese Stimmung steigert sich sogar ins „Full of voices“, ein wirklich schönes kleines Stück. Leider driftet es danach sofort in die Eingeweiden der Langweiligkeit. Wieso „Help me“ auch noch die erste Single ist, bleibt unklar. Klarer wird nur zum ersten Mal das „Sleep“ im Albumtitel. Leider ist schon der Beginn des Albums („Birch“) alles andere als einladend-interessant: Ein Klavier im Fade-In, und das Lied besteht eigentlich nur aus Teilen, die lieblos zusammengewurstet wurden. Wenn Hecker wenigstens richtig komponieren könnte und alle Teile einen nahtlosen Übergang hätten, hätte es vielleicht den Gesamteindruck des Albums retten können.

Das langweilige „Snow“ wird durch eine liebreizende Geige gerettet, nur um mit dem folgenden Klavier komplett zerstört zu werden. Ein gewiss hoher Grad zur Selbstzerstörung hat Hecker ohne Frage. Fragt sich bloß, ob er auch seine Zuhörer loswerden möchte: Bei diesem doch so offensichtlichen Klischee an Weltschmerz und wie er es immer beim Namen nennt, aber nie wirkliche Beschreibungen und Metaphern liefern kann, müssten es doch längst auch die letzten Klugen verstanden haben. Vermutlich kann der von den Medien titulierte Frauenschwarm so am meisten hysterische Groupies erreichen. Sein Selbstzerstörungstrieb benutzt den Schützer / Mutterinstinkt der Ladys. Plötzlich kommen bei „Yeah, eventually she goes“ doch verzerrte Gitarren. Aber es erinnert nur zu sehr an das schöne „Cold wind blowing“ vom ersten Album. Und bei der Aneinanderreihung der Inhalte und Texte, auch im Vergleich mit den anderen Alben, wird deutlich, dass der Mann nichts mehr zu sagen hat: Weder lyrisch, noch musikalisch. Wenn der Mann immer noch so traurig ist, sollte er nicht lieber etwas machen, was ihn glücklicher macht als Musik. Selbst ein Connor Oberst ist nach einpaar Jahren mit der Musik glücklicher geworden und wenn ihn dann doch noch mal Anfälle ereilen, dann zieht er wesentlich konstruktivere Gedanken: We are nowhere and it’s now.

Anspieltipps:

  • Anaesthesia
  • Full Of Voices
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