Lifehouse - Lifehouse - Cover
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Lifehouse Lifehouse


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer diese Platte wirklich aufmerksam, konzentriert und ohne Qualen mehrmals am Stück hören kann, soll sich bitte melden.

Lifehouse und The Calling – zwei Bands, die sich musikalisch sehr nahe stehen und beim Rezensenten in der Vergangenheit wegen ihrer aalglatten Radiomusik für aufgestellte Nackenhaare sorgten, fördern eine weitere Gemeinsamkeit ans Licht. Und zwar ein sich ungewöhnlich schnell drehendes Personalkarussell. So haben sich The Calling von fünf auf zwei Mann gesundgeschrumpft, während auch im „Life-Haus“ diesbezüglich mächtig die Post abgeht.

Ursprünglich in der Formation Jason Wade, Sergio Andrade und einem gewissen Diff an den Drums, verstärkt um Produzent Ron Aniello als Multiinstrumentalist, ins Rennen gegangen („No Name Face“, 2000), tauchte im Booklet zur zweiten Lifehouse-CD („Stanley Climbfall“, 2002) Rick Woolstenhulme als neuer Drummer für den ausgestiegenen Diff auf. Dann hieß es, dass Ricks Bruder Sean Woolstenhulme als zusätzlicher Gitarrist von The Calling weggeholt wurde. Doch von dem gibt es auf Album Nummer 3 auch keine Spur mehr. Dafür spielt jetzt Ex-„AM Radio“-Bassist Bryce Soderberg zusammen mit Jason Wade (Vocals, Gitarre) und Rick Woolstenhulme (Drums) bei Lifehouse. Und auch Langzeitkollaborateur Ron Aniello ist nicht mehr mit an Bord.

Die neue Erfolgstroika heißt jetzt John Alagia (John Mayer, Shawn Colvin, Dave Matthews Band, Jason Mraz), Jude Cole (Beth Orton, Jewel, Billie Myers) und Jeff Juliano (Clutch, John Mayer, Jason Mraz, Dave Matthews Band). Diese hat dafür gesorgt, dass die Band ihre harte Seite vollkommen aufgegeben und sich zu einer reinen Akustik- und Balladenband gewandelt hat, was die amerikanischen Fans bereits seit dem 22. März 2005 hören dürfen. Die deutschen Fans müssen sich noch bis Mitte September diesen Jahres auf das dritte, selbstbetitelte Lifehouse-Album gedulden. Denn Plattenveröffentlichungen sind längst keine globale Angelegenheit mehr. Inzwischen ist es normal, dass zwischen den Release-Dates bestimmter Länder mehrere Monate liegen können. Veröffentlicht wird nur noch dann, wenn der oder die Künstler Zeit für eine Promo-Tour haben. Den Plattenfirmen scheint dabei zu entgehen, dass die meisten Fans nicht geneigt sind, solange zu warten. Diese machen vom Internet Gebrauch und lassen sich das Teil als Import ins Haus kommen. Das ist aufgrund einer anderen Preispolitik in den USA im Einzelfall sogar günstiger, als eine CD in Deutschland zu erwerben. Doch wie soll ein Album ohne die Käufe der treuen Fans in die Hitparade einsteigen?

Egal. Das soll uns hier nicht kümmern. Beschäftigen wir uns viel mehr mit den 13 neuen Tracks auf „Lifehouse“. Diese sind – wie gesagt – überwiegend ruhig und akustisch gehalten. Mit Schmackes gespielte E-Gitarren agieren (wenn überhaupt) nur noch im Hintergrund, um die hymnischen Arrangements etwas dynamischer zu gestalten („Come back down“). In der Tat sind alle Lieder ausnahmslos hymnisch, die Songwriter Jason Wade zu Papier bringt. Egal ob Liebesballaden („You and me“, „Blind”), verzweifelte Hilferufe („All in all”) oder wachrüttelnde Botschaften für Schlafmützen („Days go by“), Wade hat jedes Mal den passenden Stadion-Refrain zur Hand. Ein echter Hitschreiber, das Kerlchen. Doch leider nervt diese geballte Ladung Hitparadenfutter schon nach der Hälfte des Albums, da in der dauerhaften Hymnenbeschallung keinerlei Abwechslung steckt. Verbunden mit den trivialen Texten kommen deshalb kaum Gefühle auf.

In „Into the sun“ und „Undone“ gelingt es zwar ansatzweise auf die aufgesetzte Melodramatik zu verzichten, da die Produktion hier nicht alles zuspachtelt, doch ehe man sich versieht, sind die Jungs wieder bei kitschigen Balladen („Walking away“, „Chapter one“) und seichtem Radio-Pop mit Hitgarantie angekommen („We’ll never know“, „The end has only begun“). Deshalb: Wer auf Musik mit Ecken und Kanten steht, wird bei dieser Platte an seine Schmerzgrenze geführt, denn so flach klangen selbst Lifehouse noch nie. Wer diese Platte wirklich aufmerksam, konzentriert und ohne Qualen mehrmals am Stück hören kann, soll sich bitte melden.

Anspieltipps:

  • Blind
  • Undone
  • Come back down
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