The Raveonettes - Pretty In Black - Cover
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The Raveonettes Pretty In Black


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch wenn die Sonne ihre Hitze mal nicht über unserem kleinen Land verbreitet und es genauso kalt ist, wie an einem warmen Herbsttag, weiß man als kulturell interessierter Mensch immer, wann Sommer ist: Blockbuster-Filme starten bereits im Mai oder Juni und die Plattenfirmen schieben ihre wichtigen Veröffentlichung vor die großen Reisestürme Richtung Süden, um vor dem Sommerloch noch ein bisschen Geld zu verdienen. Was bleibt sind zum Beispiel The Raveonettes, die mit „Pretty In Black“ ihre dritte CD auf die Menschheit loslassen.

Zwar war der Song „Attack of the ghost rider“ von der EP „Whip It On“ (2002) noch ganz nett, aber das Album „Chain Gang Of Love“ (2003) enttäuschte Fans und Kritiker und bestätigte, was bösen Zungen längst behauptet haben: Nämlich dass die Dänen nur ein Abfallprodukt von The Strokes und den White Stripes seien, die damals die nun langsam verblassende „The“-Band-Welle ausgelöst hatten. Allen Zweiflern zum Trotz erscheint nun der zweite Longplayer „Pretty In Black“ und steht seinem Vorgänger in Nichts nach.

Der Opener „The heavens“ beginnt angenehm ruhig mit Gitarre, Schlagzeug und Bass. Durch den Hall in der Stimme und der ungewöhnlichen Songstruktur wirkt „The heavens“, als habe Buddy Holly ihn einst vergessen zu schreiben. Dieser nette Verweis auf den ersten Popsänger mit Brille wäre eine gute und überzeugende Idee gewesen, wenn der Song einmalig wäre. Aber die Skandinavier legen noch ein paar Mal nach („Seductress of bums“, „Here comes Mary“), so dass der Hörer recht schnell versteht, warum diese Art von Musik heute nicht mehr gemacht wird. Auch die Einflüsse von Jesus And Mary Chain, Elvis Presley und den Easybeats sind in Tracks wie „Love in a trashcan“ deutlich zu hören. Selbst das gut anfangende „Uncertain times“ klingt nach wenigen Sekunden wie der restliche Einheitsbrei des Albums und „If I was young“ klingt wie aus einem schlechten italienischen Western kopiert.

Gut wird das Album hingegen, wenn Sune Rose Wagner sein Mikro abgibt und es seiner Partnerin Sharin Foo überlässt. „My boyfriend’s back“ ist mit der Entfaltung der Melodie im Refrain das Highlight des Albums. Ursprünglich wurde es von Co-Produzent Richard Gottehrer im Jahre 1963 geschrieben, allerdings ohne jemals ein Hit zu werden. Wagner hoffe nun, dass es den Raveonettes gelingen werde. Jedoch bleibt bei dem Song eher die Frage offen, warum Wagner seine Duettpartnerin nicht öfter ans Mikro lässt. Auch nach „Ode to L.A.“ ist dies unbegreiflich, in dem Foo gesangliche Unterstützung von Ronnie Spector (Ex-Frau von Produzent Phil Spector, u.a. Beatles) bekommt. Zu den weiteren Gaststars dürfen sich Maureen ‚Mo’ Tucker (Velvet Underground), der auf „Red Tan“ trommelt, und Martin Rev (Suicide) zählen. Rev spielt die Keyboards auf „Uncertain times“, „Here comes Mary“ und „You say you lie“.

Mit gewöhnungsbedürftigen Sounds darf man als Käufer der CD allerdings keine Probleme haben, denn selbst die guten Lieder schrecken entweder mit billigen Schlagzeugattrappen („My boyfriend’s back) oder durch kritikwürdige Arrangements („Ode to L.A.) ab. Zum Glück haben sich The Raveonettes wenigstens von dem Gedanken verabschiedet, ein Album mit drei-Akkorden-drei-Minuten-Liedern und in einer Tonart (B-Dur) zu machen. Obwohl das Konzept von „Chain Gang Of Love“ zugegeben Respekt verdient.

Die viel zu selten genannten Mitmusiker Anders Christensen (Bass), Manoj Ramdas (Gitarre) und Jakob Hoyer (Drums) leisten gute Arbeit. Fehlerfrei und sauber spielen sie ihre Instrumente, schaffen es aber nicht, das in New York aufgenommene Album in die richtige Richtung zu lenken. Und so bleibt The Raveonettes mal wieder nichts anderes übrig, als die Hoffnung zu verbreiten, dass vielleicht das nächste Album besser wird.

Anspieltipps:

  • Ode to L.A.
  • My Boyfriend’s Back
  • Somewhere In Texas
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