Martin Kesici - So What... Em Kay II - Cover
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Martin Kesici So What... Em Kay II


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 58 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Martin Kesici ist ein echtes Gesangstalent, das harte Rocksongs genauso gut wie sanfte Popsongs interpretieren kann. Deshalb ging er auch verdient als Sieger der ersten Ausgabe der Sat.1 Castingshow „Star Search“ hervor. Das war im Jahr 2003. Es folgte, was folgen musste. Nach der Nummer-1-Single „Angel of Berlin“ wurde mit „Em Kay“ eiligst ein Album eingespielt, das den Fähigkeiten des damals 30-Jährigen kaum gerecht wurde. Schwachbrüstige Popsongs und gleich vier Coverversionen (u.a. Metallicas „Nothing else matters“ und Faith No Mores „Easy“) machten das Werk des sympathischen Berliners aus dem Arbeiterviertel Reinickendorf verzichtbar. Hitparadenerfolge sind eben nicht alles...

Martin Kesici bekam mit 14 Jahren die erste richtige Gitarre geschenkt, mit 17 belegte er in einem Bandwettbewerb den 2. Platz, wenig später stand er sogar ganz oben auf dem Podest. Später folgte Gesangsunterricht, teilfinanziert von seinen Eltern. Mit seiner Band Enrichment, die inzwischen auf Eis gelegt wurde, absolvierte Kesici gut 60 Konzerte in Berlin und Umgebung, in Cafes und Kneipen, auf Open Air- und Biker-Festivals. Auch ein paar Demo-Tapes machten die Runde. Erstaunlich nur, dass eine Stimme wie diese dann doch so lange unentdeckt blieb. „Irgendwie hat’s wahrscheinlich nie der richtige gehört“, vermutet der gelernte Anlagenmechaniker. Doch bei „Star Search“ wurde Martin Kesici endlich erhört. Und nach seinem Erfolg ist er fest entschlossen, nicht so schnell wieder von der großen Pop-Bühne zu verschwinden. Seine musikalische Flexibilität könnte ihm dabei zugute kommen, denn Kesici will das Publikum auch in den nächsten Jahren mit neuen Sachen überraschen...

So verblüfft der äußerst heavy gehaltene Einstieg in das zweite Album „So What...?! Emkay II“ doch ziemlich. Der gute Martin rockt in „Sorry“ wie eine Wildsau mit richtigen Stromgitarren, fetten Chören und ordentlichem Wumms auf der Bass Drum. Dennoch könnte das Stück 1:1 aus dem Fundus der Schweden-Rocker von Europe stammen, da Lied- und Gesangsharmonien original bei Joey Tempest und Co. abgeschaut wurden. Nun ja, es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel die schmachtenden Streicher und Synthie-Klänge bei „Egotrippin’“, einem Song, der ganz von seinem gelungenem Refrain lebt. „Leaving you for me“, neben „Egotrippin’“ eine der Single-Auskopplungen, hängt sich voll an den aktuellen Operetten-Metal-Hype der Marke Evanescence, Within Temptation und Nightwish. Konsequent, dass mit Tarja Turunen auch noch die Chanteuse der finnischen Kapelle Nightwish als Duettpartnerin verpflichtet wurde. Trotzdem ist der Track eher langweilig.

Leider gibt es von der Sorte „austauschbare, langweilige Massenware“ mit Texten aus dem Klischee-Baukasten auf „So What...?! Emkay II“ noch den einen oder anderen Kandidaten mehr zu bieten. Etwa „Hang on“, „Could have been“, „Dislike you” oder „Hope”. Eigentlich langweilt der gesamte Mittelteil des Albums und lässt jegliche Eigenständigkeit vermissen. Erst bei „God bless you“, einem stampfenden Rocksong, kommt wieder so etwas wie Stimmung auf. Doch da ist es im Prinzip schon zu spät.

Vor weniger als zwei Jahren war Martin Kesici noch arbeitslos, davor auf dem Bau tätig. Dann wurde er innerhalb von nur acht Wochen zum Star. Jetzt verdingt er sich als Mainstream-Sänger mit Hang zu hart rockenden Gitarren. Doch dieses Konzept weiß leider nur streckenweise zu überzeugen, da die dargebotenen Songs einfach zu schwach und auswechselbar sind. Das nennt man verschenktes Potenzial, denn in einer richtigen Rockband wäre dieser Mann gewiss besser aufgehoben. Aber vielleicht kommt der gute Martin irgendwann selber darauf.

Anspieltipps:

  • Sorry
  • Disappear
  • All my life
  • God bless you
  • Always a stranger
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