Robert Downey Jr. - The Futurist - Cover
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Robert Downey Jr.
- The Futurist


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Robert Downey Jr. ist vielen Leuten kein Begriff. Der Schauspieler, der spätestens durch die Serie „Ally McBeal“ einen höheren Bekanntheitsgrad erlangte, war aufgrund von Drogenproblemen untergetaucht. Leider, denn wer den Film „Wonderboys“ gesehen hat, weiß, dass es sich um einen fantastischen Schauspieler handelt. War der Film aber erst das Medium, das ihn von den Problemen nicht loseisen konnte, probiert die negative Energie nun in der Musik zu verbannen und das Ganze kann man dann auch noch kaufen. Selbstpublizierung? Sicher, aber es ist nicht davon auszugehen, dass Robert Downeys Debüt dazu gedacht ist, Plattenfirmen anzulocken. Vielmehr wollte er einen alten Leidenschaft, dem Jazz, nachgehen. Da er die Songs aber großteils selbst geschrieben hat, ist es nicht verwunderlich, wenn sie alle einen Popmusik-Anstrich bekommen. Unterstützten ließ er sich bei diesem Projekt von Jonathan Elias und Mark Hudson, die ihren Teil dazu beitragen, eine sanfte und seichte, aber doch irgendwie fesselnde Platte zu schaffen.

Wer Downeys Gesang noch nicht aus dem Fernsehen kannte, wird sofort positiv überrascht sein. Er singt, weil er es kann. Gerade bei manchen längeren Tönen, merkt man, dass er kein gelernter Sänger ist, aber mit diesen Kanten mag man sehr gerne leben, für eine ansonsten wirklich ausdrucksstarke Stimme. Gleich im Opener „Man Like Me“ fällt das Jazz-Element zwar ganz klar auf, aber die Instrumente spielen hinter Roberts Stimme nur die zweite Geige. Wenn er ins Crescendo geht oder mit Absicht überakzentuiert, gehört ihm unser Gehör ganz allein. Die stimmlichen Grenzen werden im Radiosong „Broken“ offensichtlich. Hier übernimmt sich der Sänger immer wieder ein wenig, was aber teils in die Atmosphäre passt. Der Song ist großteils ein Liebeslied, dass die Grenze des Kitsch mehr als einmal durchbricht, wenn dann aber bei 3:20 der Bruch eintritt, wird das Lied klar wieder auf ein hochklassiges Level katapultiert. Alles in Allem ist das der Song für den Morgenkaffee. „Kimberly Glide“ ist ein weiterer Beweis dafür, dass man nicht immer Gitarren brauch oder Elektronik, um gute Lieder zu schreiben. Der Track ist unglaublich gefühlvoll und immer wieder eine Klarinette, nebst Streichern, jazzigem Kontrabass und den Streichern zu hören, ist eine wunderbare Abwechslung zum Musik-Alltag. Höhepunkt ist ganz klar das Kontrabass-Solo. War der Auftakt der Platte „nur“ erfreulich positiv, ist spätestens dieser Song richtig Stark.

Der anschließende Titelsong ist wieder poppiger und schlägt die Richtung von „Broken“ ein, ohne diesmal allerdings ins Kitschige abzudriften. Das Stück bekommt immer gerade noch die Kurve und bezaubert besonders mit dem Refrain. „Little Clownz“ bedient sich wieder mehr dem Jazz, ohne aber die Popwurzeln verleugnen zu können oder zu wollen. Hier ist wieder dieses ausdrucksstarke Gesangsorgan des Herrn Downey das bestimmende Zentrum. In „5:30“ melden sich gerade rechtzeitig die ersten Gitarrenakkorde an, um auf „Your Move“ (im Original von Yes) vorzubereiten. Der Song befindet sich auf einer Stufe mit „Man Like Me“, langweilt nicht, aber bietet einen Tick zu wenige Höhepunkte. Das anschließende Stück ist dafür einer der Höhepunkte des Silberlings. Zwar hat Robert Downey Jr. dieses Lied nicht selbst geschrieben, aber seine Interpretation ist wirklich fantastisch. Der Kontrast zwischen seiner Stimme und der von Jon Anderson ergibt einen tollen Klangmix.

Allerdings ist es wieder nahezu erschreckend, wie Downey es geschafft hat Songs wie „Details“ und „Hannah“ aus seiner Feder zu zaubern. Ersteres passt einfach super zu Downeys geliebten Jazz, welchen ihm die Produzenten und Studiomusiker auf den Leib schneiderten. Und wenn man sich nicht eingestehen will, dass „Hannah“ (übrigens eine Anspielung auf den Film „Wonderboys“) ganz nah dran am perfekten Popsong ist, dann mag man sich nicht mit auch nur einem der Lieder des Albums anfreunden. Zu guter Letzt gibt der gelernte Schauspieler noch die Chaplinnummer „Smile“ zum Besten. Diese fällt stilistisch zwar leicht aus dem Rahmen, aber es ist ja auch das Ende des Albums und außerdem drückt dieses Lied sehr viel aus und man sollte dankbar sein, dass Downey auf dieses wunderschöne Stück von Chaplin aufmerksam macht. Überhaupt lässt sich diese Platte nur ansatzweise mit denen von Kollegen, die „for Fun“ eine CD aufnehmen. Großteils erfüllt sich der Sänger hier einen alten Wunsch und weiß damit zu überraschen.

Anspieltipps:

  • Kimberly Glide
  • The Futurist
  • Hannah

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