Yvonne Catterfeld - Unterwegs - Cover
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Yvonne Catterfeld Unterwegs


  • Label: Hansa/BMG
  • Laufzeit: 50 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Gesangsausbildung hin, Gesangsausbildung her. Wenn man sie nicht nutzt, kann man damit keinen Blumentopf gewinnen.

Yvonne Catterfeld, 25 Jahre alt, gebürtig aus Erfurt stammend verfügt über eine fundierte Ausbildung in Sachen Musik, hat an der Musikhochschule in Leipzig Jazz- und Popularmusik studiert. Im Jahre 2000 war sie der Star des Talentwettbewerbs "Stimme 2000". So kam sie an einen Plattenvertrag und das Angebot, bei "Gute Zeiten - schlechte Zeiten" als Schauspielerin einzusteigen. Bei "GZSZ" wurde sie 2002 als Julia Blum wohl jedem bekannt. 2003 trat sie erstmals als Sängerin mit ihrem Debutalbum "Für Dich" in Erscheinung. Nebenbei machte sie sich bemerkbar, indem sie als Co-Moderatorin für "The Dome" fungierte, Sasha oder Carsten Spengemann bei Auftritten unterstützte. Ihr 2004er Album "Farben meiner Welt" wurde mit Edelmetall ausgezeichnet.

Die Texte auf "Unterwegs" sind durchgehend sehr schön, eingängig, deutlich, abwechslungsreich, aus dem Leben gegriffen, ehrlich. Sie beschreiben Gefühlszustände, erzählen von Schwierigkeiten, Zwischenmenschlichem, Alltags-Schwierigkeiten, Träumen, die zum Mond fliegen, allgemeinen Ängsten, Hoffnung, die mensch so hat, das übliche halt, teils klischeemäßig in zuckersüßes Seidenpapier verpackt, teils herausgeträllert, ausgekotzt kann man es nicht nennen, hätte zum textlichen Inhalt aber oft gepasst, der Soul eben, der probiert, aber nicht erreicht wurde. Mal probiert sie einen Reggae ("Wie viele Menschen") oder haucht sie einen Blues, der somit auch keiner ist. Der Opener "Glaub an mich" klingt wie eines dieser Weihnachts-Kommerz-Geschunkel-Liedchen, die sich zum Fest der rührigen Liebe immer wieder gut vertickern. "Grenzenlos" klingt schon mehr funky, aber rettet es auch nicht. Dann, bei "Leben lassen" wird`s richtig mehlig: ein sehr schöner Text, aber ein LaLaLa, das den Zuhörer ganz schnell weiterzappen lässt. "Unterwegs" ist stimmlich gut zusammengebaut und gesungen. Man denkt sich etwas wie "Ah, jetzt geht`s los". Aber Fehlanzeige, denn "Dreh deine Welt ins Licht folgt" und damit eine Nerv-Nummer pur sang. "Eine Welt ohne dich" ist der absolute Lichtblick des Albums, der auch gleich auf Repeat ging. Wir begegnen "Sag mir - was meinst du?": Groovy! Aber die achte Nummer auf "Unterwegs" toppt dann gleich wieder alles. "Ich halt` dich" ist als Bontempi-geführtes Schlaflied zu bezeichnen. Gute Nacht und Amen. "Als der Herbst kam" hatte sehr nette Shaker im Intro, die vielversprechend jazzy klangen, aber dann kam Yvonne Catterfeld nach einer Minute Telefonwarteschleifendauerintro dazu und schläferte mit Geisterstimme etwas ein. "Wieviele Menschen" ist textlich gesehen wieder ein Bonbon, der Chor macht die musikalische Umsetzung allerdings sehr schleppend, nimmt ihr jeglichen Rhythmus.

Und es wurde Licht: "Licht am Horizont" ist eine soulig angehauchte Balladen-Kiste, die wirklich schön ist. Und dann passiert uns "Als unser Hass noch Liebe war": auf den Punkt getroffen, musikalisch und lyrisch verpackt wie eine belgische Praline. Das Intro erinnert an eine monotone Kinderspieluhr, was diesem Song allerdings einen Groove gibt, der einmalig wirkt. Endlich ein Song für das Stimmpotential von Yvonne Catterfeld. Hier tobt sie sich aus und kommt exzellent rüber. Als da wäre auch noch eine akustische Nummer mit Namen "Zauberwort", Gitarren lastig, verträumt, langweilig. Die einzige englischsprachige Darbietung auf "Unterwegs" ist "Superwoman", und hier taut die Catterfeld plötzlich auf, jetzt, wo das Ende der CD naht, wird sie hellwach, der Zuhörer auch. "Superwoman" hat einen leichten Chaka Khan-Touch und hier hört man doch "Schwarzes" raus. Wow.

Die Catterfeld singt facettenreiche Nummern, die eine besser, die andere schlechter, einen gleichbleibend roten Faden spinnt sie jedenfalls mit "Unterwegs" nicht. Viele Leute bezeichnen ihre Stimme als "schwarz", allerdings fehlt mir dafür die Power, der Stimmspiegel, der tief aus der Seele, aus dem Herzen kommt. Frau Catterfeld summt ihre teils gewaltigen Nummern und macht sie so zu langweiligen, fade verklingenden Nummerchen. Ausgenommen ist hier absolut nur dieser einer Song: "Superwoman". Liegt es an der englischen Sprache, die hier einmalig zum Vorschein kommt? "Unterwegs" ist kein Album, dass dem Käufer irgendetwas Neues präsentiert. Alles, was uns hier geboten wird, hat es bereits 100fach irgendwo irgendwie gegeben. Einen persönlichen Stil hat Yvonne Catterfeld nicht. Sie ist eine von sehr vielen. Ihr stimmliches Können ist sicherlich akzeptabel, aber nicht besonders bemerkenswert, nicht auffallend, nicht prägend, nicht bezeichnend, eher "mitlaufend". Sie hat keinen eigenen Stil, keinen Wiedererkennungswert. Eine CD für Menschen, die es mögen, die anspruchsloser sind. Gesangsausbildung hin, Gesangsausbildung her. Wenn man sie nicht nutzt, kann man damit keinen Blumentopf gewinnen.

Anspieltipps:

  • Als unser Hass noch Liebe war
  • Dreh deine Welt ins Licht
  • Eine Welt ohne dich
  • Superwoman
  • Licht am Horizont
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