Sarah Bettens - Scream - Cover
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Sarah Bettens Scream


  • Label: Flow Records/ALIVE
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Sarah Bettens, bekannt als The Voice of K`s Choice, jetzt solo unterwegs. Bettens hat mehrfach Gold und Platin für diverse Alben eingeheimst, sie schrieb internationele Mega-Hits wie "Not an addict", "Believe" und beispielsweise "Almost happy". Bei Live-Auftritten auf Festivals kamen pro Abend locker 60.000 Menschen in die Hallen bzw. auf die Gelände geströmt und lagen ihr zu (barfüßigen) Füßen, ihrem Markenzeichen. 2004 saß Sarah Bettens auch wieder schuhlos zusammen mit Frank Boeijen im Antwerpener Sportpalast auf der Bühne und schmetterte mit ihm zusammen eine seiner wohl schönsten Nummern "Kan er niets aan doen". Diese Performance wurde für die erste DVD von Frank Boeijen aufgezeichnet und machte sich sehr einfühlsam und wunderbar interpretiert. Eine Nummer, die zu Sarah passt wie das Pflaumenmus auf eine belgische Reistorte: perfekt. Spätestens seit diesem Auftritt kannte Sarah jedermann in ihrem Land, dachte man doch oft, die Bettens käme irgendwie aus England; ihre belgischen Wurzeln kannten die wenigsten.

"Scream" ist ein sehr akustisch orientiertes Machwerk der Bettens, zwischendurch sehr rockig, beinah punkig angehaucht ("Scream"), dann wieder schmachtend-romantisch in "I`m okay". Sarah Bettens ist mit allen musikalischen Wassern gewaschen, sollte man annehmen. Allerdings klingt "Scream" eher so, als wäre dies die erste CD, die die Künstlerin herausgebracht hat: man hat das Gefühl, es müsste noch dran gefeilt werden, aber das Budget war aufgebraucht. Textlich gesehen hat "Scream" auf jeden Fall für den anspruchsvollen Lauscher etwas zu bieten. Sarah`s politischen Ambitionen und auch gefühligen Ausbrüche kommen deutlich rüber, sind für die Jugend sicherlich ein interessanter Ansatzpunkt, um einmal drüber nachzudenken, so à la Joan Baez. "Not insane" könnte man sogar als Protest-Song werten. Hier beschäftigt sie sich mit der Engstirnigkeit von Leuten, die einfach Menschen, die anders sind oder anders denken, leben nicht akzeptieren können oder gar wollen. Ein bekanntes Altlasten-Thema, aber in diesem Fall nutzbar verpackt. In "Come over here" präsentiert Sarah Bettens sich ein wenig Blondie-orientiert, was dieser Nummer sicherlich den nötigen Flow gibt.

Dies ist eine CD, die nicht zum Veröffentlichungsdatum passt. "Scream" ist eher eine Fabrikation, die in eine dunkle Jahreszeit gehört hätte, Herbstende, in eine Zeit, in der die Abende schneller dunkel werden, denn innerlich dunkel wird es, wenn man sich die ganze CD in einem Stück anhört. Sarah Bettens Texte stimmen so dermaßen zum Nachdenken an, dass einem ganz schummrig ums Herz wird. Es wird wenig Fröhlichkeit verbreitet, man fällt einfach in ein schwarzes Loch und denkt und denkt und denkt. Dazu noch die vorwiegend schleppenden Hooklines, die wenig zum Mitsummen oder gar Mitsingen animieren. Man muss sich locker bis Nummer 12 durchzappen, um überhaupt einem Refrain zu begegnen, der sich halbwegs festsetzt, Wiedererkennungswert hat. Sarah Bettens klingt zwischendurch recht nervig, als würde sie barfüßig über grobe Glasscherben spazieren und dabei schmerzverzehrt die Mundwinkel richten. Keine Platte für entspannende Momente, eher aufreibend. "Sream" ist ein Sonnenuntergang, bei dem man nur hoffen kann, dass nach sechs Stunden die Sonne wieder am Horizont aufgeht, wenn auch nur schleppend langsam wie diese CD ist.

Anspieltipps:

  • Scream
  • Don`t let me drag you down
  • I`m okay
  • Come over here
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