Dream Theater - Octavarium - Cover
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Dream Theater Octavarium


  • Label: Elektra/WEA
  • Laufzeit: 76 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Weil das Album so schön mit der Zahl 8 spielt (8. Album, 8 Songs etc.) soll ihm die verdiente 8-Punkte-Wertung nicht vorenthalten werden.

Nachdem Sänger James LaBrie mit seinem aktuellen Solowerk „Elements Of Persuasion“ sprichwörtlich elementare Überzeugungsarbeit leistete, sich gesanglich in Bestform präsentierte und überraschende Songwriterqualitäten an den Tag legte, zog die Erwartungshaltung auf das neue Album seiner Stammband merklich an, hegte man doch die Hoffnung, dass LaBries neu entdeckte Talente der neuerlichen Umorientierung auf „Octavarium“ zugute kommen könnten.

Dream Theater – eine Band, die keinen Stillstand kennt. Kein Album klingt wie ein anderes. „Images And Words“ machte mit nie gekannten Melodien das Prog-Metal-Genre populär, mit dem genialen Konzeptalbum „Scenes From A Memory“ sicherte sich die Band endgültig einem Platz im Musikhimmel und mit „Train Of Thought“ lotete man schließlich den maximalen Härtegrad des Genres aus. Nun steht also das mittlerweile achte Studioalbum in den Startlöchern. Versöhnlicherweise für alle „Train Of Thought“-Verstörten kündigten die Herren Musikstudenten mal wieder eine Neuausrichtung an. Und auch wenn „The root of all evil“ gleich ziemlich brachial loslegt, „Octavarium“ löst das Versprechen spielend ein.

Als äußerst gelungen muss man daher die Verquickung der alten Dream Theater zu „Images And Words“-Zeiten mit der Ab-„Six Degrees Of Inner Turbulence“-Phase ansehen. Der genannte Opener schießt zwar zunächst Riffkanonaden ins Gehör (die aufmerksamen Hörern der beiden Vorgängeralben zumindest teilweise bekannt vorkommen dürften), danach gibt’s aber schon die erste Verschnaufpause. Und leider auch den ersten und einzigen Ausfall zu vermelden. Mit der Ballade „The answer lies within“ erschließt die Band völlig neue Dimensionen der Banalität. Textlich und musikalisch zum Davonlaufen. Ganz böser Ausrutscher. Gerade das Balladenschreiben hat die Band in der Vergangenheit wesentlich besser hinbekommen. Man erinnere sich beispielsweise an das anbetungswürdige „Surrounded“ oder „Slightly out of reach“ von LaBries Soloalbum. Abhaken und weiter.

„These walls“ ist eine klassische Dream-Theater-Hymne mit großartigem Chorus. In gewohnter Manier schmeicheln Keyboardteppiche und Gitarrenriffs den Ohren. Auch der mit Abstand eingängigste Song des Albums enttäuscht nicht. „I walk beside you“ könnte mit den besten Grüßen von U2 in die Charts einsteigen, auch wenn der Refrain gar etwas zu süßlich geraten ist. Quasi als Ausgleich steht mit „Panic attack“ der härteste Song des Albums an, der sich auf „Train Of Thought“ wunderbar gemacht hätte. Hier lassen die Traumtänzer mal wieder richtig die Sau raus. Anschnallpflicht beim Hören! Gediegener und mit allerhand elektronischen Spielereien angereichert, tastet sich „Never enough“ langsam aber sicher an den quantitativen wie qualitativen Höhepunkt des Albums heran. Vorher folgt mit „Sacrificed sons“ aber noch eine gelungene Auseinandersetzung mit dem 11. September. Eingeleitet von Sprachsamples hat der Song textlich nicht allzu viel mitzuteilen, dafür toben sich die Herren ein weiteres Mal ordentlich aus, um gegen das Orchester anzukommen. Immer epischer werdend, schaukelt sich der Song in Höhen, die nur Dream Theater erreichen können. Und obwohl bereits „Sacrificed sons“ sämtliche Qualitäten eines Longtracks aufweist, wirkt er doch geradezu klein im Anbetracht eines Mammutsongs wie dem abschließenden Titeltrack.

In „Octavarium“ bietet die Band noch mal alles auf, wofür sie bekannt ist. Ein zweites „A Change Of Seasons“ wurde aufgrund mangelnder Abwechslung zwar nicht ganz erreicht, dennoch kann er in Sachen Spannungsaufbau und Dynamik locker als Paradebeispiel für überlange Longtracks dienen. Nach sphärischem Beginn setzen Flöte und Akustikgitarre ein, LaBries Gesang kommt hinzu, Klavierspiel beginnt. Der erste Teil des Liedes lädt zum Träumen ein, während in der zweiten Hälfte wieder härtere Töne dominieren. Portnoy trommelt sich in den Vordergrund, Rudess’ Keyboard sorgt für eine neo-prog-lastige Athmosphäre und der alsbald einsetzende Refrain ist sowieso der Hammer. Und wieder wächst der Song mit zunehmender Spielzeit. Schlussendlich sind sämtliche Fesseln gelöst, LaBrie schreit sich die Seele aus dem Leib, orchestrale Klänge mischen mit, die Instrumentalabteilung packt waghalsige Soli aus und peitscht den Song Richtung Finale. Ein großartiges Stück Prog-Musik.

Das gilt auch für das gesamte Album. Sämtliche Teilnehmer präsentieren sich in Bestform. Vor allem LaBrie überzeugt nach seinem Soloausflug ein weiteres Mal uneingeschränkt. Und auch wenn „Octavarium“ die emotionale Bindung eines „Images And Words“ oder „Scenes From A Memory“ fehlt, ist es weit davon entfernt ein kühl kalkuliertes, technisch-steriles Machwerk zu sein. Sämtliche frickelähnliche Instrumentalparts, für die Dream Theater in der Vergangenheit oft gescholten wurden und die auf „Train Of Thought“ teilweise wieder Überhand nahmen, ordnen sich artig dem Song unter. In Ermangelung richtig herausragender Momente und der Feststellung, dass mit „The answer lies within“ einer der schlechtesten Dream-Theater-Songs seinen Weg auf das Album gefunden hat (böse Erinnerungen an „Falling Into Infinity“ werden wach), bleibt Nr. 8 der Banddiskographie allerdings höheren Wertungsregionen verwehrt. Und weil das Album so schön mit der Zahl 8 spielt (8. Album, 8 Songs etc.) soll ihm die verdiente 8-Punkte-Wertung nicht vorenthalten werden.

Anspieltipps:

  • These walls
  • Panic attack
  • I walk beside you
  • The root of all evil
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