Martin Peter - Enough Of This - Cover
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Martin Peter Enough Of This


  • Label: Angora Steel/SPV
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer in den 80er Jahren aufgewachsen ist, wird gemeinhin zur so genannten „Generation Golf” gezählt. Eine Generation, die von sich selbst behauptet, unter bizarren Umständen aufgewachsen zu sein. Umstände, wie schlechtes Fernsehprogramm („Die Schwarzwaldklinik“), üble Klamotten (lila Pullunder, weiße Turnschuhe, silberne Sakkos), komische Freizeitbeschäftigungen („Break Dance“), haarsträubende Politik („SDI“) und höchst fragwürdige Musikerzeugnisse („NDW“, „Modern Talking“).

Einer, der auch in dieser Zeit aufgewachsen ist, ist Martin Peter. Der Münchner veröffentlichte in der Vergangenheit elektronische Tanzmusik und arbeitete als DJ (u.a. auf der „Love Parade“). Doch jetzt zieht Peter ganz neue Saiten auf und geht unter die „Mucker“. Er schnallte sich die E-Gitarre um und verknüpfte auf seinem neuesten Album „Enough Of This?!“ eine geballte Ladung 80er-Jahre-Sounds, wie New Wave, Electronica, Metal, Industrial und Independent zu einem wilden Elektro-Punk-Mix. Veröffentlicht wird der derbe Stil-Mix auf Angora Steel, dem neuen Sub-Label des einschlägig bekannten Hauses Compost Records. Label-Mastermind Michael Reinboth stand mit beiden Beinen eh schon viel zu tief im Segment New Wave/Punk und der Schnittmenge aus beidem, sodass der Schritt zum neuen Label nur logisch war. Angora Steel soll nun eine Heimat für Bands und Künstler sein, die im Bereich Rock, Wave, Punk und experimenteller Musik unterwegs sind.

Das erste Release auf Angora Steel ist Martin Peters „Enough Of This?!”. Ein Album, das sich sehr deutlich an der Musik der 80er Jahre orientiert, diesen Flair aber in Songs verpackt, die großteils tanzbar und absolut zeitgemäß sind. Darüber hinaus wird auf dem Album auch nicht mit Gastauftritten gespart. Bei den insgesamt 17 Punk-/Rock-/Elektro-Nummern wirken Diskette, Mark Stewart (Mark & The Maffia, The Pop Group), Felix Neuenhoff und Alec Empire (Atari Teenage Riot) mit. Zusammen ergibt dies einen 60-minütigen, furiosen Ritt durch die verschiedensten Genres.

Schon der Opener „Intro (Beyond passion)” kombiniert einen kranken Industrial-Beat mit galoppierenden Bassläufen und gesampelten Schreien aus einem Horrorfilm. Das groovende „Psychoville“ ist dagegen tiefer in der Elektronik verwurzelt. Mit hämmernden Beats und verfremdeten Vocals, die durch ein Distortion-Effekt gejagt werden, nimmt das Album langsam Fahrt auf, um Martin Peter bei „Edinburgh“ erstmalig als Gitarristen zu präsentieren. Der luftig leichte Track verbindet wabernde Synthesizer-Teppiche mit Schrammelgitarren und TripHop-artigen Drums. „Day in the cafe“ kommt als hypnotischer Wave-Dance-Pop-Stampfer mit ultra-coolen Gitarrensounds daher, während „Hatefuckkillwar“ exakt so klingt, wie es der Titel vermuten lässt: Laut, schnell, rau und verstörend.

So eigenartig „Enough Of This?!“ anfänglich auch klingen mag – nach kurzer Zeit entwickelt sich das Album zu einer fesselnden Sammlung hemmungsloser Klangcollagen, die den Crossover zwischen Rock und elektronischer Musik spielend leicht besteht und damit einen ganz neuen Musikstil kreiert: Elektro-Punk.

Anspieltipps:

  • Rise up
  • Psychoville
  • No means land
  • Day in the cafe
  • Hatefuckkillwar
  • Kill Gucci punks
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