I Am Kloot - Gods And Monsters - Cover
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I Am Kloot Gods And Monsters


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Platten von „I Am Kloot“ sind keine gewöhnlichen Platten. Platten von der Band aus Manchester sind nämlich wie ein Haus, das einen zunächst etwas verschroben und abgegriffen erscheint, im Verfall begriffen. Dann aber, man weiß zunächst nicht wirklich warum, tritt man dann doch ein in das abgeschmackte Haus und fängt an, ohne etwas dagegen tun zu können, sich darin einzurichten, immer mehr Ecken zu entdecken und schließlich jede einzelne Winzigkeit dieses Gebäudes tief ins Herz zu schließen. So ist das mit I Am Kloot. Eigentlich gar kein Haus, sondern eher ein guter Freund. Mal wieder.

Dabei schaffen es I Am Kloot einerseits unheimlich vertraut zu klingen. Was mit Sicherheit an dem gottgleichen urbritischen Organ von John Bramwell liegen mag, der – ein Euro ins Phrasenschwein – das Eintrittsgeld alleine wert ist. Aber wirklich. Dabei ist man ja am Anfang gar nicht mal so entzückt. Man hat noch das selbstbetitelte schwarze Album im Hinterkopf, mit seinen Großartigkeiten wie „From Your Favorite Sky“, „Proof“ oder „The Same Deep Water As Me“. Erwartet insgeheim Ähnliches, Melancholisches, Düster-ästhetisches.

„Gods And Monsters“ ist anders, es packt dich nicht von der ersten Sekunde an, braucht einiges an Zeit und kommt relativ sperrig daher mit windschiefen Kompositionen wie dem Titeltrack oder „Sand And Glue“. War „I Am Kloot“ noch ein Songwriter-Album aus einem Guss, wirft uns John H. Bramwell jetzt mit seinen beiden Mitstreitern Song um Song um die Ohren, die erst mal keinen erkennbaren Zusammenhang besitzen zwischen Mundharmonikas, Pianos und neu zusammengekarrtem Rest-Brimborium.

Hat man seine Erwartungshaltung allerdings erst einmal abgestreift, wird „Gods and Monsters“ dann doch wieder zu der überraschungsreichen Platte, die mit jedem Hören wächst und geleitet von der unnachahmlichen Stimmung, die alleine Bramwells Stimme evoziert, wird die neue Platte zu einer Lieblingsplatte, für die der Repeat-Knopf geschaffen wurde. Weil Songs wie „Over My Shoulder“ unheimlich beschwingt sind, wie derzeit kaum etwas Anderes, weil „Avenue Of Hope“ der bislang ambitionierteste und untypischste Song ist, den Bramwell je geschrieben hat und durch seine spannende Instrumentierung ein einziges Bad in grandioser, wenn auch ernsthafter Musik ist. Und dann bewirbt sich „Hong Kong Lullaby“ für den Soundtrack für „Lost in Translation 2“ und der Rezensent erkennt, dass sich „I Am Kloot“ rausgewagt haben aus ihrem Keller irgendwo in Manchester und die Welt entdecken. Was man erfreut zur Kenntnis nehmen kann, denn am Ende ist „Gods And Monsters“ trotz aller Weiterentwicklung und Weltoffenheit wieder diese häusliche Platte, die einen nie im Stich lässt.

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