Taproot - Blue-Sky Research - Cover
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Taproot Blue-Sky Research


  • Label: Atlantic/Warner Bros.
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Musikmachen ist heutzutage wesentlich schwieriger, als es noch vor Jahrhunderten war. Es gab nur ein paar Musiker und Komponisten, die an den größeren Höfen der Staatsoberhäupter schufteten und sich alle Mühe gaben, um nicht wieder in die armen Verhältnisse zurückzufallen, aus denen sie sich eventuell hochgearbeitet haben. Heute ist es viel einfacher und sicherer in seinem Status zu bleiben. Und vielleicht kann man sich auch deshalb nicht mehr aus der Masse an Bands und Musikern retten. Früher gab es eine handvoll talentierter Komponisten, heute müsste man schon Tausendfüßler sein, um die Anzahl an potentiell talentierten Künstlern darzustellen. Um da heraus zu ragen, muss man schon die Musikrichtung revolutionieren, um die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen. Taproot haben die bequemere Variante genommen und ihre Musikrichtung nicht revolutioniert, sondern reformiert. Und dass auch noch ziemlich einfach und dennoch glaubhaft.

Gefunden hat sich die Band 1997, als der Nu-Metal noch in seinen Kinderschuhen steckte. Durch die Verbreitung ihrer Musik über das Internet gelang es der Band die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Durch die wachsende Fangemeinde dieser Musikrichtung und der bald folgenden Taproot-Demo-CD „Pimp Ass Sounds“ hörte auch eines Tages ein Mann namens Fred Durst die Jungs aus Detroit und versprach ihnen eine große Karriere durch seine Hilfe. Doch auf die wollten Stephen Richards (Gesang), Mike DeWulf (Gitarre), Philip Lipscomb (Bass) und Jarrod Montague (Schlagzeug) nach anderthalb Jahren Warten nicht mehr hoffen und unterschieben bei dem Majorlabel WEA. Das Debütalbum „Gift“ (2000) schlug über die Szene hinaus ein und veranlasste die Band bereits 2002 den Nachfolger „Welcome“ zu veröffentlichen.

Während das Debütalbum noch nach traditionellem Nu-Metal klingt, bietet „Welcome“ schon erste Schritte Richtung Alternative-Rock. Diese Verbindung wird nun auf „Blue-Sky Research“ weitergedacht und die ersten Popelemente finden ebenfalls ihren Platz in der Musik, so dass die Vorabsingle „Calling“ gleich zum Radiohit avancieren konnte. Durch die Gänsehautmelodie konnte sich das hymnenhafte Songwriting, das noch auf „Welcome“ herrschte, zum unwiderstehlichen Hymnenrock entwickeln. Unvorstellbar, aber der gut arrangierte Mix aus Alternative Rock und Nu-Metal funktioniert sehr gut und wirkt schon nahezu symbiotisch. Dass einige Fans der ersten Stunde dies nicht so sehen, ist verständlich. Songs wie „Lost in the woods“ klingen nicht nach den alten Nu-Metalern, sondern nach Alternative-Rock anno 2005, während sich „Violent seas“ und „Forever endeavor“ sogar der Popmelodik bedienen. Dennoch ist das, was das Quartett aus Michigan auf CD gepresst hat, immer noch hundertprozentig Taproot mit der gleichen Energie für Stakkato-Riffs, wie man es auf „So eager“ hören kann.

Auch das Album beginnt immer noch wie alle Taproot-Alben mit einem Knall und zeigt unbarmherzlich wohin die Band geht. Es wird geschrieen, wenn auch nicht mehr so stark wie zuvor, aber immer noch stillvoller als bei gewissen Nu-Metal-Kollegen. Dass die Band immer noch unter Nu-Metal einsortiert werden darf, zeigt die Verwandtschaft bei Songs wie „I will not fall for you“ und „Calling“ zu Kollegen wie z.B. Linkin Park. Der Unterschied zu Linkin Park und Limp Bizkit ist allerdings, dass Taproot wesentlich authentischer klingen und nicht so, als würden sie einfach nur ein Klischee bedienen wollen. Zudem hat wohl niemand das Schreien so perfektioniert wie Stephen Richards!

Fünfzehn Monate hat sich die Band Zeit gelassen, um das Album mit dem gelungen Titel fertig zu stellen. Toby Wright, der bereits das zweite Album produziert hat, wurde nach dem Rausschmiss von Michael Beinhorn (Korn, Ozzy Osbourne, Marilyn Manson) wieder auf den Produzentenstuhl gesetzt. Kürbiskopf Billy Corgan durfte als Gastproduzent an die Regler, was wohl die verstärkte Melodik in den Songs erklären dürfte, wie man es im ersten Teil des letzten Songs, „Blue-sky research / What’s left“ hört, der unzweifelhaft von einem Smashing-Pumkins-Album stammen könnte und als ruhiger Pol des Albums dient. Ob dieses melodiöse Album einen Ruhepol braucht, sei mal dahingestellt. Tatsache ist, wenn der Nu-Metal sich so entwickelt, wie Taproot es heraufbeschwören, dann ist der vorhergesagte Untergang nach lange hinausgezögert.

Anspieltipps:

  • She
  • Violent seas
  • Forever endeavor
  • Lost in the woods
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