The Wreckers - Stand Still, Look Pretty - Cover
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The Wreckers Stand Still, Look Pretty


  • Label: Maverick/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Niedlich war sie ja schon immer, die gute Michelle Branch, aber dass sie auch noch einen großen Dickkopf hat, macht sie auf einen Schlag noch sympathischer. Im vergangenen Jahr krachte es nämlich mächtig im Gebälk ihrer Plattenfirma, als die Grammy-Gewinnerin scheinbar aus dem Ruder lief. Denn nach ihren Major-Alben „The Spirit Room“ (2001) und „Hotel Paper“ (2003) für Maverick/Warner hatte Michelle genug von ihrem hochglanzpolierten Mainstream-Radio-Pop. Ihr stand der Sinn nach etwas anderem. Und da sie schon seit geraumer Zeit Songs mit ihrer besten Freundin, der Countrysängerin Jessica Harp, geschrieben hatte, kam sie auf die Idee, mit Jessica das Country-Duo The Wreckers zu gründen und fortan neue Sounds auszuprobieren.

Bis dahin verlief alles ganz ruhig und schon bald gab es einen ersten Vorgeschmack in Form des Songs „The good kind“ auf dem Soundtrack zur TV-Serie „One Tree Hill“ (01/2005) zu hören. Michelles Label nahm die Sache allerdings nicht ernst und legte das Thema The Wreckes intern zu den Akten. Offenbar glaubten die Maverick-Chefs nicht an die Nachhaltigkeit des Projekts und sahen Michelles Solo-Karriere gefährdet. Doch sie hatten nicht mit der Hartnäckigkeit ihres Platin-Acts gerechnet, der sehr wohl an die Zukunft der Wreckers glaubte. Und während man sich bei Maverick noch dachte „lasst sie mal machen, die beruhigt sich schon wieder“, platzte Michelle der Kragen. Sie schlug auf ihre Homepage verbal um sich, verteufelte das gesamte Music-Biz und protestierte, dass sie „die Arschkriecherei leid sei, um für ihre Musik Gehör zu finden“.

Am Ende hat Maverick nachgegeben und das lang angekündigte Album „Stand Still, Look Pretty“ im Mai 2006 in den USA herausgebraucht. Wohl auch deshalb, weil sich Michelle am Ende doch nicht so radikal von ihrem ursprünglichen musikalischen Terrain entfernt hatte, wie es in der Theorie zu befürchten war. Dafür sorgte auch Michelles Langzeitpartner John Shanks (Bon Jovi, Hilary Duff, Sheryl Crow), der einen Teil der Sessions als Musiker und Co-Produzent begleitete. Auf jeden Fall ist der Country-Anteil überraschend gering ausgefallen und die Musik deutlich poppiger, als z.B. die einer Gretchen Wilson. So klingen die 12 Songs wie eine Mischung aus Sheryl Crow und den Dixie Chicks, was im Amerikanischen so schön als „pop flavored country music“ umschrieben wird.

Die Produktion ist wesentlich erdiger, als von den Michelle-Branch-Alben gewohnt. Und auch die Instrumentierung legt sich in ein akustisches Bett aus Gitarre, Schlagzeug, Bass, Banjo, Fiddle, Dobro, Orgel und Mandoline. Dazu kommt der prächtig harmonierende Gesang der beiden Damen, die sich auch das Songwriting schwesterlich teilen. Dabei ist sicher kein weltbewegendes Album entstanden. Dennoch haben wir es hier mit Popmusik der besseren Sorte zu tun. Nämlich mit Songwriting, das nicht berechnend ist und auf die Charts zielt – auch wenn einige Songs durchaus das Zeug zum Hit haben („Lay me down“, „Cigarettes“, „Leave the pieces“) – und Melodien, die unaufdringlich sind, aber von Herzen kommen. Na ja, und dieser kleine Country-Einschlag ist eben einfach süß.

Anspieltipps:

  • Cigarettes
  • Crazy people
  • Lay me down
  • Leave the pieces
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