Kristofer Aström - So Much For Staying Alive - Cover
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Kristofer Aström So Much For Staying Alive


  • Label: V2/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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1/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wieso macht der Herr eigentlich noch Musik?

Das Leben des Zivildienstleistenden kann auch schon mal langweilig sein. So treffen sie sich jeden Tag und reden über Kino & Kultur und wenn nichts mehr übrig bleibt, endet der Streit bei CDs. Normalerweise ist dann das Thema „Kristofer Åström“ besonders heikel. In diesem Fall sind sich aber alle einig: Er hat Mist gebaut. Und das wusste der rezensierende Autor noch bevor er überhaupt die CD gehört hat. Die traurige Suche nach einem wirklich gelungen Lied auf „So Much For Staying Alive“ endet nämlich tatsächlich erst bei der Bonus-CD, die der limitierten Erstauflage beiliegt. Zwar sind hier die Lieder auch nicht wirklich gut, aber wenigstens merkt man, dass der Mensch Emotionen hat. Bezeichnend, dass die ersten drei Lieder alle gleich anfangen.

Aber fangen wir beim Anfang an. Erster negative Punkt: Die Instrumente klingen dumpf, irgendwie nicht schön und überhaupt nicht nach High Fidelity. Erster positiver Punkt: „Midnight sun“, wobei hier die komischen Synthesizersounds, die im Verlauf des Albums („Givers of the world“) noch sehr stark an billige Nintendo Spielkonsolen-Sounds erinnern werden. Trotz gutem Einstieg beim Opener nervt die musikalische Untermalung nach 2/3 des Liedes gewaltig und man skippt weiter, weil man sich denkt: „Ein rockigen Anfang hat noch keinen geschadet.“ Aber vielleicht irrt man sich einfach, denn mit „The good you bring“ greift der Franz-Ferdinand-Hype der letzte Monate auf Åström über. Eintretende Orientierungslosigkeit. Weiter. Immer weiter skippen, doch es wird nicht besser. Bei „The burn“ endet endgültig der gute Wille. So uninspirierend, wie er diesen Song für das Klavier geschrieben hat und nun wiedergibt, ist eine Frechheit für jeden hart arbeitenden Künstler, der vermutlich niemals eine CD in den Läden stehen haben wird. Störend geht es weiter mit ekeligen Sounds aus dem Keyboard, die wohl Streicher sein wollen („Until tomorrow“). Es stellt sich ständig die Frage, was sich ein Mann, der den unglaublich guten Song „All lovers hell“ geschrieben hat, bei diesem absoluten Albtraum gedacht hat. Vielleicht ist er mittlerweile taub und die Welt weiß davon nichts. Dann könnte man ihm verzeihen...

An „The wild“ lässt sich das Dilemma des Albums wohl am besten ausmachen, denn der Song war schon auf dem letztjährigen Werk „Loupita“ zu hören. Peinlich genug, dass er sich eines alten Songs bedient. „The wild“ war ein wirklich guter, schöner und nahezu einzigartiger Song des Kristofer Åström. Nun überrascht er mit einer großen Instrumentierung, mit Schlagzeug, Orgel, lauten Gitarren und einem viel schnelleren Tempo. Wäre das alles, wäre es nur halb so schlimm.

Im Vergleich wirkt die neue Fassung emotionslos dahingesetzt. Und diese Form des Liedgutverschwendens kann man auch auf die restlichen Songs beziehen. Einziger Lichtblick ist, dass, wenn man gerade erst diesen Mann entdeckt hat, Lieder wie „The wild“ unglaublich gut und Energiegeladen rüberkommen. Für den Rest gilt leider, dass der Herr seine Musik für die Massen erreichbarer machen möchte. Dabei ist ihm seine ursprüngliche Art, Lieder aufzufassen und zu interpretieren, vollkommen verloren gegangen.

Wieso macht der Herr eigentlich noch Musik? Um die Musik kann es ihm wirklich nicht mehr gehen. Soll er lieber Gedichtbänder veröffentlichen, wenn er wenigstens lyrisch noch was zu sagen hat.

Anspieltipps:

  • The wild
  • Midnight sun
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