Spookey Ruben - Alone At The Zoo - Cover
Große Ansicht

Spookey Ruben Alone At The Zoo


  • Label: Hi-Hat Recordings
  • Laufzeit: 37 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Konflikt zwischen einem kreativen, eigenwilligen Künstler und einer markt- und profitorientierten Musikindustrie lässt sich am Beispiel von Spookey Ruben perfekt aufzeigen, und scheint sich in diesem Fall zu einer echten „Never Ending Story“ zu entwickeln. Bereits nach seinem viel gelobten, aber nur mäßig verkauftem Erstling „Modes Of Transportation Vol. 1“ (1995) hatte er Probleme mit seinem damaligen Label TVT Records. Die Nachfolgeralben erschienen ausschließlich in Fernost, da sich das Debütalbum bei den musikverrückten Japanern am besten verkauft hatte und so auch für die Zukunft profitable Verkaufszahlen erwarten ließ. Erst im Jahre 2002 wagte Zomba Recordings mit dem Konzept-Doppelschlag „Bed“ (2002) und „Breakfast“ (2003) eine erneute Plattenveröffentlichung in Europa. Wieder erntete der Kanadier eine Menge Lob und Anerkennung seitens der Musikpresse. „Bed“ wurde in der Novemberausgabe (2002) der Musikzeitschrift Spex gar zur Platte des Monats gekürt, aber die Erträge ließen in Zeiten stark rückläufiger Verkaufszahlen für Tonträger wiederum zu Wünschen übrig. So ist Spookey Ruben einmal mehr auf der Suche nach einer Plattenfirma und das nur auf seinen Konzerten erhältliche „Alone At The Zoo“ soll ihm dabei helfen.

Wer braucht schon eine Plattenfirma um gute Musik unters Volk zu bringen - Back to the Roots ist das Motto, zumindest vorübergehend! Die CD wird also selbst vertrieben, jede Einzelne, der auf bescheidene 900 Stück limitierten Auflage, ist von Spookey signiert und das puritanische Artwork ist ebenfalls in Eigenregie erstellt worden. Nur bei seinen Songs hat er hier und da ein wenig Verantwortung abgeben und der Hilfe des Chicagoer Soundtüftlers John McEntire (Tortoise, Stereolab) vertraut, mit dem er innerhalb von wenigen Tagen vier der elf Stücke aufgenommenen hat. Etwa das in bester Spookey-Pop-Manier daherkommende „Tug of war“, aber auch das zuckerwattenartige Midtempo-Stück „Are there any people you don´t love?“. Daneben finden sich einige bisher unveröffentlichte und für das Album reanimierte Demoaufnahmen, die nun dankenswerter Weise doch noch das Licht der Pop-Welt erblicken. So wäre es jammerschade gewesen, wenn Perlen wie „Fast is worse“ oder „Just another day“ für immer unentdeckt geblieben wären.

Auch wenn man einigen Titeln die eher hektisch-provisorischen Produktionsbedingungen anmerkt (beispielsweise wenn am Ende einiger Lieder etwas zu unvermittelt ausgefadet wird), so begeistert „Alone At The Zoo“ wie die Alben zuvor durch den typischen Mix aus vertrackten Rock-Grooves, mysteriösen Kling-Klang-Sounds und fröhlich-poppigen Melodien. Einer Begeisterung, der auch der ausgeprägte Lofi-Charakter dieser Aufnahmen nichts anhaben kann, wenngleich man sich als Hörer unweigerlich dabei ertappt, dass man sich an der einen oder anderen Stelle eine üppigere Produktion gewünscht hätte. Aber vielleicht findet sich ja doch noch eine Plattenfirma, die das musikalische Potenzial dieses Künstlers erkennt und fernab der gängigen Marktmechanismen langfristig unterstützt. Dann wird man einige Stücke von „Alone In The Zoo“ mit Sicherheit auf der nächsten regulären Veröffentlichung in veränderter Form erleben. Bis dahin möchte man Spookey Ruben die Titelzeile von „Mandy, The Bear“, einem von drei Titeln auf der Platte, die ursprünglich für einen Zeichentrickfilm geschrieben wurden, zurufen. Dort besingt er, untermalt von einer unfassbar trashigen Computerspielmelodie, die simplen Wahrheiten der (Zeichentrick-)Welt: "Sometimes the sun shins, sometimes it rains. Sometimes you´re sad, but there´s fun…time to play, play this song, come on along. Now you feel the perfect time to leave your worries far behind, just fooling around can really lift you of the ground. Life can be tough, but there is always time to laugh!"

Anspieltipps:

  • Tug of war
  • Fast is worse
  • Just another day
  • Are there any people you don´t love?
Neue Kritiken im Genre „Indie-Pop“
Diskutiere über „Spookey Ruben“
comments powered by Disqus