The Orange Peels - Circling The Sun - Cover
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The Orange Peels Circling The Sun


  • Label: Trocadero Records/INDIGO
  • Laufzeit: 34 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiß nie, was man bekommt“. Was der alte Haudegen Forrest Gump so schön philosophisch formulierte, trifft natürlich auch auf den Plattenkauf zu und fängt schon bei der Spieldauer eines neu erstandenen Werkes an. War es in den 60er Jahren völlig normal, dass ein Album kaum länger als 40 Minuten ist, reichen die Spielzeiten im CD-Zeitalter locker an die 80 Minuten heran. Von soviel Kreativität verwöhnt, stöhnt der geneigte Plattenkäufer deshalb schon mal leicht säuerlich auf, wenn er eine neue CD in den Player schiebt und das Display ganz verschämt 34 Minuten anzeigt. „Value for Money“ ist bei den heutigen Preisen gewiss was anderes. Doch manchmal verhält es sich auch umgekehrt und man ist froh, wenn ein Album nach kurzer Zeit an einem vorbeigerauscht ist.

Damit wären wir bei der inzwischen dritten CD des kalifornischen Trios The Orange Peels „Circling The Sun“. Nach ihrem Debüt „Square“ (1997) und dem 2001er Album „So Far“, sowie dem folgenden Soloalbum „Available Light“ (2002) von „Orange Peels“-Frontmann Allen Clapp, wird nun auch Europa in das Schaffen von Oed Ronne (Gitarre, Keyboards), Jill Pries (Bass), Bryan Hanna (Drums, Percussion, Keyboards, Gitarre), Peter Anderson (Drums) und eben Allen Clapp (Vocals, Gitarre) eingeweiht. Wird ja auch mal Zeit, da die Orange Peels nicht gerade zu den schnellsten Arbeitern zählen und häufig die Bandmitglieder austauschen: „Wir sitzen immer ungefähr vier Jahre an einem Album, wobei die Band sich jedes Mal wieder neu erfindet“. Diesmal sprangen vor den Aufnahmen der Leadgitarrist und der Schlagzeuger ab. Allen Clapp borgte sich daraufhin Personal bei den ehemaligen College-Rock-Stars The Ocean Blue aus. Deren Gitarrist Oed Ronne blieb gleich für immer und auch Drummer Peter Anderson gewöhnte sich schnell ein.

The Orange Peels kommen nicht nur aus Sunnyvale in Kalifornien – sie haben auch die Sonne Kaliforniens und den „American Way of Life“ in ihren Songs eingefangen. Mit Gute-Laune-Liedern greifen sie nicht nur den Geist des „California Pop“ wieder auf, sie beleben auch die Ideen von Acts wie Phil Spector, van Dyke Parks, den Byrds und den Beach Boys neu. Im Namen der Orange Peels klingt das Ganze dann so: „Unsere Musik liegt in etwa zwischen heutigem Indie-Rock und dem, was wir in den USA „Classic-Rock“ nennen. Irgendwo zwischen den Beatles und Beachwood Sparks, zwischen den Moody Blues und Madcap Laughs, zwischen Weezer und den Zombies. Es ist der elegante Soundtrack für das Leben an der Westküste“.

Im Klartext bedeutet dies, dass sich die Orange Peels für zuckersüßen Breitwand-Pop entschieden haben, dem Sänger und Bandchef Allen Clapp mit croonerhafter Stimme noch einen Extraschuss Schokoglasur überzieht. Von dieser Sorte befinden sich zehn Tracks auf „Circling The Sun“ – einer süßlicher als der andere. Das mag im Einzelfall noch ganz nett wirken („Something in you“, „So right“), wirkt aber trotz der geringen Spielzeit von 34 Minuten spätestens nach der Hälfte etwas anstrengend. Soviel gute Laune, Sommer, Sonne, blauer Himmel und heile Welt am Stück ist man heute einfach nicht mehr gewohnt.

Da nützt auch alles „California blue“ und „How green the grass“ nichts. Denn wenn es ganz schlimm wird, erinnern die Kalifornier an das Heidelberger One-Hit-Wonder Liquido („Narcotic“), die die Welt in diesem Monat auch wieder mit ihren Zuckerbäcker-Melodien quälen. Das ist mir dann echt zuviel.

Anspieltipps:

  • So right
  • Something in you
  • Circling The Sun
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