Okkervil River - Black Sheep Boy - Cover
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Okkervil River Black Sheep Boy


  • Label: Jagjaguwar/CARGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine einzigartige Mischung aus Country, Folk, Indie-Pop und gespenstisch guten Texten.

Irgendwo in den tiefen Weiten des kleinen Bundesstaates New Hampshire, New England, fließt ein Fluss, der Okkervil River. Ein fiktiver Fluss aus Musikalität, Spielfreude und Depression um Country und Folk. In Deutschland ist die Gruppe um Songwriter Will Sheff und seinen fünf Mitstreitern so vielen unbekannt, dass Okkervil River vermutlich nicht einmal den Status des Geheimtipps bekommen könnte. Und dennoch wird man mit viel Glück in großen CD-Geschäften fündig, meist dann die im November erschiene EP „Sleep And Wake-Up Songs“.

Dass die sechs Männer inzwischen zwei Alben und unzählige EPs veröffentlicht haben, ist in Deutschland dementsprechend untergegangen. Aber bei dem starken Bright-Eyes-Trend der letzten Monate wäre es nicht verwunderlich, wenn Okkervil River mit ans Flussufer der großen, erfolgreichen Melancholiker getragen wird. Wobei sich auf allen Veröffentlichungen der Trend von der Melancholie zur Depression festigt. Bestes Beispiel ist das neue Album „Black Sheep Boy“.

So schwarz wie das Album-Cover, so düster sind auch die Songs. Bereits die Vorab-Single „For Real“ trägt mit seiner traurig-verzweifelten Stimmung und der Laut-Leise-Dynamik dazu bei, dass man still den Worten des Sängers Will Sheff folgt, wie er sich versucht sich echt und lebendig zu fühlen oder wie er von seinen „Song Of A So-Called Friend“ singt. Richtig genial wird der Songwriter allerdings, wenn er den passenden Konsens aus Beobachten und Gefühlen formuliert: „You cannot love me because you secretly still love a stone. Although I put my lips to your face, trying to push his kiss out of ist place, although my heart started to race, no it has slowed, I’ll let it go.“

Ein treuer Weggefährte des Albums ist der Black Sheep Boy, ein Junge auf der Flucht vor seinem Vater, der ihn versklaven möchte („So Come Back, I’m Waiting“) und uns die Geschichte eines Jungen erzählt, der sich nicht fügen möchte. Wo man beim zweiten Teil dieser Erzählung noch Metaphern für das wahre Leben sucht, wird man im dritten Teil garantiert nicht fündig: Mit ziemlicher Detailtreue wird von der Kindheit des Jungen erzählt und wie er die toten Tiere auf der Farm mit Löchern in ihren Hälsen und ihren durch das Kauen zerteilten Zungen sehen muss und darauf vor allem flieht, was irgendwie weh tun könnte („In A Radio Song“).Musikalisch setzen sich vor allem „Black“ und „The Latest Tough“ von den anderen Liedern ab. Richtig fetzig wirken die mit Orgeln und Chöre besetzen Lieder. Dennoch bewegt sich der Rest des Albums in sehr düstern Stimmungen. Lagen früher Will Sheff und Connor Oberst von Bright Eyes auf einer Wellenlänge was Stimmung und Depression angeht, hat sich der Weg nun wie eine Y-Trasse gespalten, Oberst ist optimistischer, Sheff pessimistischer. Dennoch treten unglaublich dynamische Hymnen wie „So Come Back, I’m Waiting“ auf. Auch traurige Trompeten-Themen mit schönen Cello-Einsätzen wie auf „A King And A Queen“ sind keine Seltenheit, aber immer wieder einzigartig. Nahezu so einzigartig wie die Mischung aus Country, Folk, Indie-Pop und gespenstisch guten Texten, die Okkervil River zu dem machen, was sie sind und vielleicht auch bald hier sein werden.

Anspieltipps:

  • The Latest Toughs
  • A King And A Queen
  • So Came Back, I’m Waiting
  • Song Of Our So-Called Friend
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