Nachlader - Bock Auf Aphorismen - Cover
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Nachlader Bock Auf Aphorismen


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 51 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach der Single „Arbeitsgeld“ und der EP „An die Wand“ steht nun ab Mitte März das Debütalbum des Berliner Elektropoppers Daniel Baumann a.k.a. Nachlader (nimmt man’s genau, gehören eigentlich noch Musikerkollege Serge Kool und Schlagzeuger Svensson dazu) in den Läden und präsentiert, wer hätte es gedacht, einen Mix aus elektrischen Klängen, Popmusik und deutschen Texten.

Erstmal kurz den Duden zur Hand und nachgeschlagen: Aphorismus, der; -, …men (geistreicher, knapp formulierter Gedanke) – so so, interessant. Und Nachlader? Nachlader war früher ein Ausdruck für Computerspiele auf dem guten alten Commodore C 64, deren einzelne Level – damaliges Wunderwerk der Technik! – nachgeladen werden mussten, da der Speicher nicht reichte. Hätten wir das also schon mal geklärt.

Wie so viele Elektro-Menschen kommt auch Nachlader aus der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, entstammen aus dem Berlin/Internationalen Elektronik-Kollektiv Unkool, das in zahlreichen Clubs, wie zum Beispiel in der Berliner Maria am Ostbahnhof, Freischwimmer, Kinzo, Tacheless oder Roter Salon für Furore sorgte. Die anderen Bands aus dieser Kooperative wie RichandKool oder 9 unterstützt er als Gitarrist oder Bassist, genau wie die Kollegen bei ihm mitmischen, wie zum Beispiel Serge Kool, der unter anderem die französischen Rap-Parts bei dem Song „Fett“ abschießt. Im Sommer letzten Jahres erschien mit „Arbeitsgeld“ die erste Single des Berliners. Nette Retro-Beats gepaart mit einem witzigen Text: „Will viel Geld, aber keine Arbeit! Arbeit ohne Geld – Niemals // Geld ohne Arbeit – SOROFT, SOFORT!“. Knapp drei Monate später folgte die EP mit dem Titel „An die Wand“ samt vier neuen Songs.

Diese insgesamt fünf älteren Songs gibt es jetzt ab Mitte März plus sechs neuen vereint auf dem Debütalbum „Bock auf Aphorismen?“. Unterschiedlichste stilistische Einflüsse aus den 80ern, klassische Popmusik und moderne elektronische Musik verschmelzen dabei zu einer eigenwilligen, extrem eingängigen Art von Elektro-Pop. Seine verschmitzten Texte sind mal von verblüffender Klarheit: „Gebt mir alles, was ich will; alles, was ich will. Alles, was ich will, ist weniger als ich verdiene.“ („Alles“), mal erstklassig skurril: „Kontrolle ist ein Wanderschuh; Ich trug ihn einst, jetzt trägst ihn Du, ahaha“ („Kontrolle ist…“) oder krachend: „Bei Bewusstsein, doch ohne Verstand. Hey, hey, wir fahr’n an die Wand. Inkonsequent und latent militant. Hey, hey, wir fahr’n an die Wand.“(„An die Wand“).

Fans elektronischer Musik gepaart mit deutschen, künstlerisch angehauchten Texten der Marke 2raumwohnung oder Klee, dürften wohl auch bei Nachlader ihre Freude haben. Auf alle anderen wirkt die Musik auf Dauer eventuell nervig bis störend (vor allem die Texte! Stickwort: Pseudo-intelligent oder Möchtegern-Philosoph) – da weit weg vom Mainstream. Also, Bock auf Aphorismen? Joah, aber bitte nicht immer und vor allem nicht überall.

Anspieltipps:

  • Fett
  • Alles
  • Arbeitsgeld
  • Einfache Dinge
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