Rob Thomas - Something To Be - Cover
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Rob Thomas Something To Be


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Er zählt zu den erfolgreichsten Songwritern seiner Generation. Direkt oder indirekt war er an Plattenproduktionen beteiligt, die sich zusammen mehr als 75 Millionen Mal verkauft haben. Allein mit seiner Band Matchbox Twenty setzte er über 25 Millionen Tonträger ab. Dazu bekam er 13 BMI-Awards und drei Grammies: Rob Thomas.

Beeindruckende Zahlen, auch wenn man Herrn Thomas in Deutschland nicht wirklich als Berühmtheit bezeichnen kann. Der geneigte Musikhörer mag den Burschen aus Orlando, Florida vielleicht von seinem gemeinsamen Top-25-Hit „Smooth“ zusammen mit Carlos Santana kennen. Eventuell sind auch einige Singles seiner Band Matchbox Twenty bekannt („Push“, „3 am“, „Disease“). Der große Durchbruch im alten Europa blieb dem Songwriter aber bisher verwehrt. Deshalb dürfte auch sein erstes Soloalbum „… Something To Be“ hierzulande kaum etwas reißen, nachdem es in den USA standesgemäß von null auf eins in die Billboard Charts eingestiegen ist.

„… Something To Be“ zeigt Rob Thomas als vielseitigen Künstler, der zusammen mit den Studio-Cracks Mike Elizondo (Bass), Matt Serletic (Keyboards), Wendy Melvoin und Jeff Trott (Gitarre), sowie Gerald Heyward (Drums) ein Dutzend abwechslungsreiche Stücke eingespielt hat, die eine beeindruckende Stil-Spannweite abdecken, aber grundsätzlich im R&B und in der Popmusik verwurzelt sind. Hart rockende Gitarren á la Matchbox Twenty sucht man auf dem Album daher vergeblich. Produziert wurde das Werk von Matt Serletic, mit dem Rob Thomas bereits auf den Matchbox-Twenty-Alben zusammengearbeitet hat. Aufgezeichnet wurde in der Hit Factory, New York City, in den Conway und Henson Studios in Los Angeles, sowie im BiCoastal Music, Ossining, NY.

Dass Rob Thomas durchaus mit Bedacht an die Sache herangeht, zeigt schon die erste Singleauskopplung „Lonely no more“, einem poppig verspielten Groove-Rocker mit klarem Ziel: Die Charts knacken! Dazu Rob Thomas: „Nun, draußen im Radio reagieren die Leute sehr schnell auf Melodien. Und ich finde, ‚Lonely no more’ ist der Song vom Album, den man am schnellsten packt.“ Dass er dabei etwas zu sehr nach Enrique Iglesias klingt – geschenkt! Eine satte Mischung aus Soul und Rock bietet der treibende Opener „This is how a heart breaks”. Die Melodieführung ist typisch für Rob Thomas’ Songwriting. Ein gefundenes Fressen für Matchbox-Twenty-Fans. „Ever the same“ ist eine ausgeglichene Ballade mit einem schönen, aber nicht zu aufdringlichen Refrain. Starkes Songwriting und perfektes Radiofutter.

„I am an illusion“ verlässt vermeintlich ausgetrampelte Kompositionspfade. Mit hypnotisch schwerem Beat, funky Bläserriffs und einem Hauch Gospel wandelt der Track zwischen Funk und klassischem Rhythm & Blues. Verwendet wurde dazu ein Sample des Bessie Jones Songs „O death“. Eher konventionell ist dagegen die halb-akustische Ballade „When the heartache ends“ – im Fachjargon gerne als Füllmaterial bezeichnet. Auch der stadiontaugliche (Mitgröl)-Titeltrack „Something to be” reißt keine Bäume aus. Instrumentierung und Melodieführung wirken blass. Dafür hat der Song einen mächtigen Bass-Bums. Wesentlich interessanter ist da schon „All that I am“, das durch eine gelungene Ahnung von Weltmusik angereichert wird. Allein die verwendeten Instrumente (Marimba, Shofar, Kanun, Duduk) sind so exotisch, dass sich kaum jemand etwas darunter vorstellen kann. Das nennt man spannende Musik.

Von der locker-flockigen Radio-Pop-Sorte ist „Problem girl“. Halb-akustisch angelegt, mit netten Harmonien und einem schönen Refrain. Da dürfen die Gitarren im Mittelteil ruhig etwas lauter werden. Denn so werden Hits geschrieben, die bereits Matchbox Twenty zu Superstars in ihrer Heimat gemacht haben. Nach einem unscheinbaren Füller („Fallin’ to pieces“), der hitverdächtigen Killerballade „My, my, my“ und der „Streetcorner symphony” mit Gaststar John Mayer („Your body is a wonderland“) an der Gitarre und ausladender 4-Mann-Bläsersektion als mächtig groovende Unterstützungseinheit für den Meister, folgt der Rausschmeißer „Now comes the night“. Sie zeigt Rob alleine am Piano, ganz spontan während einer nächtlichen Session aufgenommen. Das ist ehrliche Musik ohne Schnickschnack und Studio-Tricks.

So vielseitig und deutlich dem Pop zugewandt wie auf „… Something To Be“ hat sich Rob Thomas noch nie gezeigt. Doch dafür sind Soloalben ja auch da, oder nicht? Er präsentiert ein ausgeklügeltes Kaleidoskop an Einflüssen und Erfahrungen, das die meiste Zeit gut bis sehr gut funktioniert. Es hat sich zwar der eine oder andere etwas schwächere Track auf das Album geschlichen, aber gravierende Ausfälle gibt es nicht zu verzeichnen. Auf jeden Fall ist es so besser, als wenn Rob Thomas einen lauen Aufguss seiner Stammband abgeliefert hätte. Deshalb gebührt der Experimentierfreudigkeit des Amerikaners ein großes Lob.

Anspieltipps:

  • My, my, my
  • All that I am
  • Ever the same
  • Now comes the night
  • This is how a heart breaks
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