Team Sleep - Team Sleep - Cover
Große Ansicht

Team Sleep Team Sleep


  • Label: Maverick/WEA
  • Laufzeit: 54 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die sexuelle Begierde fesselt vom ersten Augenblick, wenn man die „Team Sleep“-CD im Plattenregal sieht: das Cover zeigt eine attraktive Frau auf einem roten Bett liegend. Ansatzweise ist ihre leichte Kleidung zu sehen. Sie raucht eine Zigarette und trägt eine weiße Perlenkette um den Hals. Die Augen sind geschlossen, ihre Haare wild durcheinander. Ihr Anblick ist die pure Versuchung. So wie dieses Bild die Interpretationen im Kopf spielen lässt, genauso klingt auch das Debütalbum von Team Sleep. Wie der Soundtrack nach einer wilden Nacht mit eben jeder Frau.

Nach der gelungenen „White Pony“-Kopie, die einfach auf den Namen „Deftones“ hörte, ist es um Chino Moreno, dem Chef der Deftones, still geworden. Einzig Gerüchte trugen sich durch die Zeit, Gerüchte um das Bandprojekt Team Sleep, das vor zehn Jahren mit Todd Wilkinson in Sacramento ins Leben gerufen wurde. Durch den Zuwachs von DJ Crook, Bassist Rick Verrett und Drummer Zach Hill bekam Team Sleep 2001 einen Plattenvertrag mit Maverick Records und absolvierte die erste Live-Tour. Doch die Wege der Fünf sollten sich trennen, als ein Radiosender den nicht veröffentlichten Track „Mercedes“ auf Dauerrotation schickte. Die Veröffentlichung des Albums wurde geblockt, an neuem Material sollte gearbeitet werden. Doch das einzige Lebenszeichen erschien 2003 auf dem „Matrix Reload“-Soundtrack. Erst im Sommer letzten Jahres beschlossen die Herren erneut ein Studio aufzusuchen. Das Resultat ist ein undurchsichtiger, aber federleichter Mix aus rohen Songperlen.

Bereits der Opener „Ataraxia“ hat die faszinierende Eigenschaft, in einem Moment total banal zu sein, als handelte es sich um Hintergrundmusik, doch auf einmal klingt es plötzlich wie das Neuste und Innovativste, was man seit langem gehört hat. Mit den Deftones hat das allerdings wenig zu tun. Einzig Titelnamen wie „Ataraxia“, „Ever since WW1“ und „Tomb of liegia“ stehen in der Tradition von Deftones-Klassikern wie „Hexagramm“, „Anniversary of an uninteresting event“ und „RX queen“. Statt Hardrock erwartet einen bei Team Sleep Avantgarde-Popmusik anno 2008.

Mit der elektronischen Spielfreude von Radiohead und der Leichtfüßigkeit von Bands wie den Turin Brakes schleichen sie durch Lieder wie „Elizabeth“. „Staring at the queen“ spielt gar mit der immer noch unwirklich erscheinenden Realität, gute Electronic-DJs in Rockbands zu haben. Erst nachdem sich DJ Crook austoben durfte, darf die restliche Band das eigentlich melancholische Lied dem Zuhörer näher bringen. In „Ever since WW1“ darf Moreno seinen leidenden, melodiösen Gesang, den er in seiner bekannteren Band perfektioniert hat, ausleben und auf „King diamond“ sogar die Aggressivität einer Nu-Metal-Band versprühen. DJ Crook kämpft mit kleinen Elektroniktricks gegen jeden möglichen Vergleich an, was bei ihm aber eher wie eine Aufwärmübung aussieht.

Der Großteil der Stücke wird von Gitarren, Schlagzeug und Bass dominiert, so dass DJ Crooks Flexibilität das einzige ist, womit er gegen seine Kollegen ankommen kann.: Team Sleep ist Krieg zwischen der altmodischen Idee, Songs nur mit Drums und Gitarren zu machen und der neuen Variante, einen DJ große Teile der Arbeit machen zu lassen.

Gegen Ende resultiert ein befriedigendes Unentschieden zwischen den Parteien. Mit französischem Geflüster in „Paris arm“ wird das Ende der Platte eingeläutet und beendet es mit der zufriedenstellenden Erwartung, den man vom Anblick des Covers hat: Den musikalischen Orgasmus.

Anspieltipps:

  • Ever
  • Elizabeth
  • Your skull is red
  • Ever since WW1
  • Staring at the Queen
Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „Team Sleep“
comments powered by Disqus