At The Drive-In - This Station Is Non-Operational - Cover
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At The Drive-In This Station Is Non-Operational


  • Label: V2 Records/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 72 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Fast fünf Jahre nach ihrem letzten Studioalbum melden sich At the Drive-In mit neuem Material zurück - Wie gerne würde der Verfasser dieser Zeilen diesen Satz als korrekt einstufen und in Lobeshymnen ausbrechen, angesichts des großartigen Materials, das ihm nach dem Meisterwerk „Relationship of command“ nun um die Ohren fliegt. Nein, leider! Es handelt sich nicht um 18 frisch geschriebene, aus der Feder von El Pasos heißester Band stammende Tracks. „This station is non-operational“ erfüllt einen ganz anderen Zweck. Es huldigt den Helden des Post Hardcore mit dieser Zusammenstellung aus bislang unveröffentlichtem Stücken, B-Sides, Raritäten und einigen ausgewählten Songs der beiden letzten Alben („In/Casino/Out“, „Relationship of command“) und der „Vaya“-EP.

In die Spalte der Seltenheiten fallen gleich zu Beginn „Fahrenheit“ und „Picket fence cartel“, die auf der 1997 veröffentlichten EP „El Gran Orgo“ enthalten waren, die im Handel allerdings nicht mehr erhältlich ist und bestenfalls Sammlern um teures Geld abgekauft werden kann. Mit dieser Kurzplatte markierten At the Drive-In ihren Sprung von einer durchschnittlichen Undergroundband zu einer angesagten Formation, die eine Dynamik und Kraft in ihre Songs legt, der man sich nicht entziehen kann. Weg vom musikalischen Einerlei von „Acrobatic tenement“ und den vorhergehenden EP´s „Hell Paso“ und „Alfare Vivo, Carajo!“ (die aus diesem Grund wohl hier auch vernachlässigt wurden), hin zu mehr melodischer Struktur und perfekt aufeinander abgestimmte Instrumente, die durch die wandlungsfähige Stimme von Cedric Bixler (mittlerweile Cedric Bixler-Zavala) ihren roten Faden erhalten. Den Anschluss bildet der Song „Chanbara“ (von „In/Casino/Out“), der einen durchaus bekannteren, aber nicht minder genialen Teil der Cd einleitet. Unvergessene Tracks wie „Lopsided“, „Metronome Arthritis“, „Napoleon Solo“, „198d“, „One armed scissor“ (gibt der Zusammenstellung mit der Strophe „Self-destruct sequence / This station is non-operational / Species growing / Bubbles in an IV loitering“ ihren Namen), „Enfilade“ und „Non-Zero possibility“, die nach all den Jahren nichts von ihrer Faszination verloren haben und die Band zurecht zu einer der vielversprechendsten Bands der 90-er machte.

Daran knüpft die B-Side „Incetardis“ von der “One armed scissor” Single und die drei Songs „Doorman´s Placebo“, „Autorelocator“ und „Rascuache“ (im Latch Bros. Mix), die auf den ebenfalls nicht mehr erhältlichen Splits „Aasee Lake“, „Sunshine“ und „Murder City Devils“, die At the Drive-In mit diesen Bands teilte, an. Den Fans der ersten Stunde werden aber vor allem die letzten drei, bislang unveröffentlichten Tracks einen Kauf wert sein. Da wäre zum einen das The Smiths Cover „This night has opened my eyes“, das Bixler von einer nachdenklichen Seite zeigt und die zwei, für eine Live-Session der BBC aufgezeichneten Stücke „Initiation“ (somit scheint „Acrobatic tenement“ indirekt auf) und das Pink Floyd Cover „Take up thy stethoscope and walk“. Gerade diese letzten beiden Mitschnitte, die einige Monate nach der Veröffentlichung des letzten Albums gespielt wurden, sind paradigmatisch für den weiteren Verlauf der Band, denn der Stil des rockigen und druckvoll dargebotenen „Initiation“ ist in der Nachfolgeband Sparta ersichtlich und das in Psychedelic Rock abdriftende „Take up...“ ist ein wichtiger Bestandteil vieler Songs von The Mars Volta.

Womit auch schon der tragische Punkt bei „This station is non-operational“ aufgeworfen wird: Nachdem sich At the Drive-In mit jedem Output sowohl technisch als auch qualitativ steigerten und mehr und mehr Fans um sich scharten, wurde ihnen der Rummel um ihre Band zu groß. Die Bevorzugung kleinerer Bühnen, die ausverkaufte Konzerte Monate zuvor mit sich brachte und nicht mehr mit der Mentalität konform war und die Uneinigkeit der weiteren musikalischen Ausrichtung führten wohl letztendlich zur Auflösung. “As soon as one of us gets tired of doing this, if it's in the middle of an interview or in the middle of a tour, that's it. We're done” hörte man Jim Ward einige Monate vor der offiziellen Trennung sagen, womit dieser Ausspruch schon impliziert, dass bis heute kein eigentlicher Grund für den Split gegeben wurde bzw. gegeben werden „musste“. Auf der Rückseite des Beihefts zur CD steht: At the Drive-In was: Cedric Bixler (Gesang), Jim Ward (Gitarre, Gesang), Omar Rodriguez (Gitarre), Paul Hinojos (Bass) und Tony Hajjar (Schlagzeug) – Schade drum!

Anspieltipps:

  • Enfilade
  • Lopsided
  • Chanbara
  • Napoleon Solo
  • Picket Fence Cartel
  • One Armed Scissor
  • Metronome Arthritis
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