Turin Brakes - JackInABox - Cover
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Turin Brakes JackInABox


  • Label: Source/EMI
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Allerfeinster Akustik-Pop mit wunderschönen Melodien.

Die Erwartungen waren eher zurückhaltend, deshalb ist die Überraschung umso größer. Denn was das Südlondoner Duo Olly Knights und Gale Paridjanian – besser bekannt als Turin Brakes – auf der ersten Hälfte ihres dritten Albums „JackInABox“ aus den Lautsprechern perlen lässt, ist allerfeinster Akustik-Pop mit wunderschönen Melodien, viel Gefühl für Stimmungen und angenehm reduzierten Arrangements. Also nichts mit „Quiet is the new loud“-Geplänkel und ausgelutschten Selbstzitaten. Dass das Album dem ungeachtet zwischendurch ein wenig schwächelt – geschenkt!

Die Turin Brakes tauchten erstmals im Jahr 2001 auf der Bildfläche auf, als die beiden Schulfreunde Olly Knights und Gale Paridjanian ihr Debütalbum „The Optimist LP“ veröffentlichten. Damit wurden sie aus dem Stand zu einem der Top-Acts des saisonalen Aufregers „New Acoustic Movement“. Ihr zweites Werk „Ether Songs“ verkaufte sich 500.000 Mal und führte die Band auf eine 15-monatige Tournee rund um die Welt. Nach ihrer Rückkehr ließen es die Londoner deshalb etwas ruhiger angehen. Sie bauten sich ein eigenes, ganz simpel gehaltenes 24-Spur-Studio, kauften alte Instrumente (u.a. ein über 100 Jahre altes amerikanisches Harmonium) und versuchten, die diversen nässenden Löcher ihres Kellers unter stark frequentierten Eisenbahnschienen zu kitten. Sie waren in kurioser Gesellschaft: Über ihnen das Studio der Eklektik-Houser Basement Jaxx, nebenan vier Inder, die mit Puder handelten, was zu regelmäßigen, dicken Staubschichten auf ihrem Equipment führte.

Dennoch gab es keinen Grund für irgendwelche Hektik. Die Zwei nahmen sich das gesamte letzte Jahr Zeit, um die 12 Songs ihres dritten Longplayers entstehen zu lassen. Jener liegt nun vor, zeigt Turin Brakes von einer wunderbar unprätentiösen, gleichwohl liebevoll zu Ende gedachten Weise. Der ungewöhnliche Plattentitel beruht auf dem gleichnamigen Song, den Gale Paridjanian folgendermaßen erklärt: „‚JackInABox' fühlt sich für uns wie ein neues Zuhause an. Das ganze Album ist schlicht, direkt und bejahend, nicht verdrießlich. Es geht darum, das Leben an die Hand zu nehmen, sich lebendig zu fühlen. Dieser Song bringt all das zusammen. Und wörtlich gesprochen, bedeutet Jack-In-A-Box eine Kiste voller Tricks, dieses Ding, das man öffnet, das lebt und aufregend ist“.

Turin Brakes öffnen ihren Zauberkasten mit dem wunderschönen „They can’t buy the sunshine“, einem hinreißend schönen Folkpopsong, gefolgt von dem treibenden „Red moon“, das nach eigenen Angaben von Outkasts „Hey ya!“ inspiriert wurde. Tatsächlich weißt der Rhythmus gewisse Parallelen zu dem HipHop-Kracher auf. In Verbindung mit dem erdigen Gitarrensound eine wirklich tolle Idee. Die tränenrührende Ballade „Forever“ kann es durch herausragenden Harmoniegesang und einer ungewöhnlichen Melodieführung mit jedem Travis-Song aufnehmen, während „Asleep with fireflies“ plötzlich auf locker flockige Bossa-Rhythmen umsattelt.

Unbeeindruckt von imaginären Genre-Konventionen lassen es sich Turin Brakes nicht nehmen, kleine Experimente in ihren Songs zu verbauen, die am Ende große Wirkung zeigen. Damit bleibt das Album bis zum Ende spannend, auch wenn sich der eine oder andere schwächere Song („Road to nowhere“, „Above the clouds“ und „Fishing for a dream“ – ausgerechnet die erste Singleauskopplung!) eingeschlichen hat. Unterm Strich zählt, dass Dreiviertel der Tracks auf „JackInABox“ Qualitäten weit über dem Durchschnitt besitzen: direkt, groß, schlicht.

Anspieltipps:

  • Forever
  • Red moon
  • Over and over
  • Asleep with fireflies
  • They can’t buy the sunshine
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