Mariannenplatz - Keine Zeichen - Cover
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Mariannenplatz Keine Zeichen


  • Label: Ulftone/EDEL
  • Laufzeit: 34 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Popmusik aus Deutschland mit deutschen Texten. Die ersten sehe ich bei dieser Ankündigung schon wegrennen. Aber halt, es geht doch auch anders! Ich sage nur Kettcar, Tomte, Olli Schulz, Angelika Express, Virginia Jetzt, Wir Sind Helden, von mir aus auch Juli und Silbermond. Deutsch-Pop ist wieder in und die neue „Neue Deutsche Welle“ sorgt für beachtliche Verkaufszahlen. Doch an vielen Stellen lauern Gefahren. Etwa wenn ein bräsiges Kinderlied wie „Schnappi, das kleine Krokodil“ wochenlang den ersten Platz der Hitparade blockiert und ungeniert auf eine Million verkaufte Exemplare zusteuert. Dann wird es heuer genauso kommen wie vor 20 Jahren, als es eine überschaubare Anzahl guter bis sehr guter Acts gab, die mit fortwährender „NDW“-Dauer von einem Berg untalentierter Trittbrettfahrer erdrückt wurde, was letztendlich dazu führte, dass sich der Modetrend selbst ausradierte.

Doch malen wir den Teufel nicht an die Wand und befassen uns mit den guten Erzeugnissen der „NNDW“. Da wären zum Beispiel Mariannenplatz aus Berlin Kreuzberg. Mariannenplatz sind Oskar (Gitarre), Chris (Schlagzeug), Pete (Gitarre, Gesang), Dietrich (Piano) und Tommek (Bass). Benannt hat sich die Band nach einem der interessantesten kulturellen und auch gesellschaftspolitischen Plätze in Berlin. So wurde er beispielsweise der zweitwichtigste Austragungsort des alljährlichen Kreuzberger Volksaufstandes und beherbergt noch heute eines der ersten besetzten Häuser in Berlin. Die legendären Ton Steine Scherben machten dieses Haus mit Ihrem „Rauch-Haus-Song“ berühmt und gehörten ebenfalls zu deren Besetzern.

Die musikalischen Wurzeln von Sänger und Songschreiber Pete und Schlagzeuger Chris sind auf der britischen Insel beheimatet, was für frische Musik mit Melodien zum Mitsingen und der richtigen Portion Tiefe in den Texten sorgt. Die beiden entschieden sich, eine Band zu gründen, suchten sich einen Proberaum im Kreuzberger Kiez und fanden außerdem mit Oskar, Dietrich und Tommek ein paar Mitstreiter, die ebenfalls schon mit vielen Club-Bands überall in der Republik gespielt hatten. Gemeinsam spielten die Fünf ihr Debütalbum „Keine Zeichen“ mit zehn deutschsprachigen Gitarren-Power-Pop-Songs ein.

Angefangen beim treibenden „Nicht wichtig“, mit dem die Bundeshauptstadt gegrüßt wird („Guten Morgen, Berlin!“), über das schwelgerische „Keine Zeichen“ und dem hymnischen „Zeit steht still“, bis hin zum verträumten „Weißes Boot“ und dem rockig stampfenden „Glück“, bieten Mariannenplatz durch und durch erfrischenden Gitarren-Pop im unmittelbaren Fahrwasser so großartiger „Grand Hotel van Cleef“-Künstler wie Tomte und Kettcar. Mit bildhaften Lyrics und feinen Melodien legen die Berliner ein fluffiges Sommeralbum vor, das in der aktuellen musikalischen Großwetterlage durchaus Chancen auf den Durchbruch hat.

Anspieltipps:

  • Glück
  • Irgendwas
  • Nicht wichtig
  • Zeit steht still
  • Automatischer Tag
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