Simple Plan - Still Not Getting Any... - Cover
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Simple Plan Still Not Getting Any...


  • Label: Atlantic Records/WEA
  • Laufzeit: 38 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Eigentlich lautete die Prognose schon vor drei Jahren, dass der „Highschool/College“-Punkrock tot sei. Und genau genommen liegt man damit auch gar nicht so falsch: Blink-182 haben sich endgültig bzw. vorläufig getrennt (so genau wissen das die Bandmitglieder offenbar noch nicht…), The Offspring versuchen krampfhaft ihr altes „Smash“-Niveau wiederzufinden und Green Day kochen schon seit „Nimrod“-Zeiten (1997) nicht mehr in diesem Topf. Vielleicht sehen es jetzt die Kanadier von Simple Plan als ihre Aufgabe an, diese kleine Festung des Mainstreams zu verteidigen.

Das aus Montreal stammende Quintett präsentierte mit seinem Debütalbum „No Pads, No Helmets… Just Balls” (2003), an dem unter anderem Joel Madden (Good Charlotte) und Mark Hoppus (Blink 182) als Gäste mitwirkten, sogleich einen Platin-Seller in den USA, Japan und Kanada mit insgesamt mehr als 2 Millionen verkauften Einheiten. Umso erstaunlicher, dass sie damit in Europa keinen Hering vom Teller ziehen konnten. Doch jetzt erfolgt der zweite Versuch mit dem Namen „Still Not Getting Any…“.

Nachdem Pierre Bouvier (Vocals), Chuck Comeau (Drums), David Desrosiers (Bass), Sebastien Lefebvre (Gitarre) und Jeff Stinco (Gitarre) im letzten Februar ihre erste Headliner-Tour mit MxPx abgeleistet hatten, setzten sich Chuck und Pierre drei Monate für das Songwriting zu ihrem zweiten Major-Album zusammen. Mit Bob Rock (Metallica, Mötley Crüe, Bon Jovi) ging es dann ins Studio. Die einzige Vorgabe lautete dabei, sich nicht auf Punk zu beschränken, der absurderweise mittlerweile mehr Regeln besitzt als irgendjemand noch nachvollziehen kann.

Dennoch kämpfen Simple Plan bereits im Opener „Shut up“ mit den altbekannten Waffen von besagten Blink-182 und bleiben sich musikalisch treu: Bloß nicht zu kompliziert, nicht zu anstrengend, lieber leichtverdauliche Musik zum Stagediven mit so genannten „Texten“ auf dem Niveau von Siebtklässlern („Jump“). Nichtsdestotrotz erklingen hier und da vereinzelt ein paar nette Ideen, die man allerdings irgendwann und irgendwo schon mal gehört hat („Crazy“, „Everytime“). Will heißen: Im Prinzip verstehen die Jungs ihr Handwerk, denn ein Song wie „Jump“ ist ein exzellentes Hüpflied für ausverkaufte Mehrzweckhallen. Leider gelingen der Band solche Ausnahmesongs zu selten.

An ihren ersten Hit „I’m just a kid“ kommt heuer kaum ein Track heran. Stattdessen probieren die Kanadier auf „Untitled“ eine Piano-Ballade mit Streichern aus, aber auch das hat man bereits 1000 Mal gehört. Einzig die Strophen von „Welcome to my life“ können dem Zuhörer ein Lächeln auf die Wangen zaubern, ein Nicken, das beim Refrain in ein Kopfschütteln umschwenkt, weil die dargebrachte Lyrik dann doch zu simpel ist. Diese traurige Statistik zieht sich durch das ganze Album und spricht vermutlich eher gegen den „Simple Plan“. Doch wer Bewunderer von einfachem Punkrock ist, wie ihn selbst Blink-182 nicht mehr wollen, der ist jetzt mit Simple Plan eingermaßen bedient.

Anspieltipps:

  • Jump
  • Everytime
  • Welcome to my life
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