Black Rebel Motorcycle Club - Howl - Cover
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Black Rebel Motorcycle Club Howl


  • Label: Pias/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 52 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der frische Wind der zumeist aus den USA kommenden „The”-Bands ist mittlerweile zu einem lauen Lüftchen verkommen. Die Briten haben das Ruder (wieder) übernommen und überschwemmen den Markt mit neuen/alten Wave-Pop/Rock-Klängen. Jetzt wird es spannend zu beobachten, was mit den Aushängeschildern des damaligen Hypes geschieht. Aushängeschilder wie die Strokes aus New York (ein neues Album soll Anfang 2006 kommen) und The Black Rebel Motorcycle Club aus San Francisco. Und schon stehen die ersten Probleme ins Haus...

Die Jungs des BRMC hatten in den vergangenen Monaten ihre erste ernsthafte Krise zu überstehen. Obwohl ihr Plattenvertrag mit Virgin Records mit allen künstlerischen Freiheiten ausgestattet war, war man beim Label über das zweite Album „Take Them On, On Their Own“ nicht sehr glücklich. Zu düster, zu roh und zu erfolglos. Es kam zum Streit, in dessen Folge sich BRMC von Virgin trennten. Obendrein wurde Drummer Nick Jago im Spätsommer 2004 aus der Band geworfen, weil er immense Drogenprobleme (sagen die Kollegen Peter Hayes und Robert Turner), bzw. er keine Lust mehr auf die ewigen Tourstrapazen hatte (sagt Nick Jago). Für ihr drittes Album „Howl“ mussten Hayes und Turner deshalb auf Sessiondrummer zurückgreifen. Erst gegen Ende der Aufnahmen wurde Jago wieder in den Kreis der Familie aufgenommen. Offenbar war es den anderen beiden ohne ihren etwas chaotischen Schlagzeuger doch zu langweilig.

Die neue Heimat des Black Rebel Motorcycle Club ist nun bei PIAS Recordings, die sich „freuen“ können, ein ungewöhnliches Album zu vermarkten. Alle anderen Labels wollten die neuen Songs nicht in der von den Musikern gewünschten Form veröffentlichen. Soviel zum Thema künstlerische Freiheit. Aufgenommen wurden die 13 Tracks auf „Howl“ während einer 12monatigen Phase zwischen Philadelphia und Los Angeles – der längsten Studiozeit in der Geschichte des BRMC. Dabei entstanden Songs, die weit weg von Sex, Drugs und Rock-&-Roll-Gitarrenwänden sind. Mit akustischen Instrumenten werden jetzt Blues, Folk, Gospel und Country erkundet. Ein radikaler Stilwechsel, der viele Fans der ersten beiden Werke verstören könnte, was allerdings sehr schade wäre, denn schon der Opener „Shuffle your feet“ strotzt nur so vor Coolness und gibt den Takt für die nächsten 50 Minuten vor: Handclaps, Gospelchöre, Mundharmonika, Akustikgitarre und stampfende Drums sind die neuen, ausgiebig eingesetzten Stilmittel. Das konnte man so nicht erwarten, wodurch das Album zu einer mächtig spannenden Angelegenheit wird.

Der Hörer begibt sich mit „Howl“ auf eine Entdeckungsreise, darf miterleben, wie BRMC die Erzählkunst eines Bob Dylan entdecken („Devil’s waitin’“), eine eigene Version des BritPop vorstellen („The line“, „Howl“), allen Formen des Americana huldigen („Ain’t no easy way“) und sich Stück für Stück vom Garagenrock des Debüts entfernen. Damit befreit sich die Band souverän aus einer Schaffenskrise und liefert ein durch und durch starkes Werk ab, das in der Jahresendabrechnung einen der vorderen Plätze einnehmen dürfte.

Anspieltipps:

  • Howl
  • Promise
  • Gospel song
  • Ain’t no easy way
  • Weight of the world
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