Babyshambles - Down In Albion - Cover
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Babyshambles Down In Albion


  • Label: Rough Trade/INDIGO
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Anfänglich wurde die Botschaft, Pete Doherty hätte nach seinem Rausschmiss bei The Libertines mit den Babyshambles eine neue Band am Start, als Gerücht abgetan. Dann schwappten erste Berichte total chaotischer Babyshambles-Auftritte von der Insel rüber und irgendwann gab es sogar einen Song als Single zu hören („Fuck forever“). Dazwischen jagte eine Sensationsmeldung die nächste, was Herr Doherty nun wieder im Drogenrausch angestellt hätte, während die Band im Studio an einem Album arbeitete.

Im Sommer 2005 spielten die Engländer sogar ein paar Festivals in Europa. Doch so richtig wollte keiner dem Frieden trauen. Denn nicht selten stand ein völlig fertiger Pete Doherty auf der Bühne, der weder gerade stehen noch geradeaus laufen konnte. Wie er sich an die Texte und Melodien erinnern konnte, blieb ein Rätsel. Dafür übergab er sich schon mal mitten auf der Bühne, was selbst ein Jim Morrison nicht zustande brachte. In solchen Momenten war nichts zu spüren von seiner Genialität, die er zusammen mit Carl Barat in die The Libertines steckte. Der besorgte Zuseher fühlte eigentlich nur Mitleid und sah das Elend eines Genies am Rande des Totalabsturzes.

Aber ist es eigentlich gestattet, die Drogensucht von Pete Doherty dermaßen zu thematisieren? Ist es Dummheit, Krankheit oder einfach nur perfekte Promotion, wenn sich Doherty und (noch oder schon Ex-) Freundin Kate Moss beim Abmischen des Albums „Down In Albion“ im Aufnahmestudio filmen lassen und kurze Zeit später die ganze Welt weiß, dass sich die beiden das Gehirn aus dem Schädel koksen?

Irgendwie schaffte es Doherty jedenfalls von Meldung zu Meldung noch eine Stufe tiefer zu sinken und der Welt den Glauben an ein gutes Album zu rauben. Doch zusammen mit Produzent Mick Jones, Gitarrist von The Clash und Studio-Kapitän der Libertines, sowie Co-Songwriter und Babyshambles-Gitarrist Patrick Walden, hat Doherty das Ruder herumgerissen und 16 schnoddrig-raue Songs zwischen Pop („Albion“), Rock („Fuck forever“), Reggae („Sticks and stones“) und Punk („8 dead boys“) eingespielt, die den dilettantischen Charme der Libertines aufgreifen und eine Stufe weiter führen.

Zwar ist der Auftakt mit „La belle et la béte” noch reichlich holprig – neben Doherty „singt“ Kate Moss ein paar Zeilen, während Schlagzeug und Gitarre unentschlossen durch ein fünfminütiges Noten-Dickicht irren – doch schon „Fuck forever“ kommt mit seiner großartigen Scheißegalattitüde wie ein Befreiungsschlag vom überproduzierten Rock’n’Roll-Einerlei daher. Danach wechseln sich irgendwie unfertig wirkende Halbsongs („A’rebours“, „Pentonville“, „Back from the dead“) mit grandiosen Indie-Hymnen ab („Pipedown“, „Killamangiro“, „8 dead boys“, „Loyality song“). Dabei scheinen die Babyshambles nichts und niemand ernst zu nehmen. Sie machen was sie wollen und ziehen ihr Ding – bei allen Unzulänglichkeiten – gnadenlos durch. Dass dabei auch total schräge Balladen wie „In love with a feeling“ oder besoffene Pseudo-Reggaes wie „What Katy did next“ zu Buche stehen, die eigentlich nur Kopfschütteln auslösen, nehmen die Vier bewusst in kauf. Am Ende steht auf jeden Fall fest: Libertines-Fans werden auch die Babyshambles lieben. Und wer mit dem Kreativduo Barat/Doherty nichts anfangen konnte, wird auch mit Walden/Doherty nicht glücklich werden.

Anspieltipps:

  • Albion
  • 8 dead boys
  • Fuck forever
  • Killamangiro
  • The 32nd of december
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